Eutiner machte Karriere in Muskau

Jacob Heinrich Rehder
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Jacob Heinrich Rehder

Der vor 225 Jahren geborene Jacob Heinrich Rehder wurde Schüler des Fürsten Pückler-Muskau und war auch kurz Hofgärtner in Eutin

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30. Januar 2015, 12:53 Uhr

Fürst Hermann von Pückler-Muskau ist als exzentrischer Weltreisender, Schriftsteller und als Gartenkünstler von europäischem Rang bekannt. Die nach seinen Plänen geschaffenen Parkanlagen sind bis heute Besuchermagneten. Im Schatten des Fürsten wirkten Schüler. Zu den erfolgreichsten zählte Jacob Heinrich Rehder, der heute vor 225 Jahren in Eutin geboren wurde, als Park-Inspektor in Muskau wirkte und als Lehrmeister auch andere Gärtner im Sinne Pücklers ausbildete.

An Rehder erinnert im Muskauer Park eine Gedenktafel. Auch in seiner Vaterstadt ist Rehder nicht vergessen, wo er einige Zeit als Hofgärtner wirkte und Anteil an der Umwandlung des Barockgartens in einen Landschaftsgarten im englischen Stil hatte.

Jacob Heinrich Rehder wurde am 18. Februar 1790 geboren. Sein Vater ist als Perückenmacher, Friseur und Kommissionär überliefert. Als Mutter ist Johanna Juliana Böcken nachgewiesen, Tochter eines Eutiner Acker- und Fuhrmannes, der es zu etwas Wohlstand gebracht hatte.

Unter den Vorfahren der Mutter gab es einen Bildhauer, dessen künstlerische sowie gestalterische Begabung der Rehdersohn wohl geerbt hatte, der früh eine große Naturverbundenheit offenbarte und nach dem Schulabschluss eine Lehre beim Hofgärtner Johann Heinrich Schweer in Ludwigslust begann. Die aufstrebende Residenzstadt in Mecklenburg mit neuem Schloss und Landschaftspark begeisterte ihn. Hier lernte der Eutiner das Gärtner-ABC. Anschließend ging Rehder auf Wanderschaft, die ihn nach Wien, Frankfurt/Main und in die Niederlausitz führte, wo er sich in Pförten auf dem Besitz des Grafen Karl von Brühl unter dessen Hofgärtner Friedrich August Schmidt gärtnerisch vervollkommnete und in die Tochter seines Chefs verliebte.

Mit Folgen. Da passte es ihm gut, als ihn der Muskauer Schlossherr als Hofgärtner abwarb. So blieb er in der Nähe der Schmidttochter.

Rehder übernahm sein Amt in Muskau, bildete mit seinem Chef ein erfolgreiches Gespann und folgte dessen Ideen zur Gartengestaltung. Pückler wollte aus seinem Besitz einen großen Landschaftspark nach englischem Vorbild entstehen lassen. Der Eutiner, der vor dem Hintergrund der festen Anstellung die Schmidttochter heiratete, mit ihr seine Dienstwohnung bezog und seinen Arbeitgeber, der 1822 zum Fürsten erhoben wurde, nach England begleitete, erwies sich für Pückler-Muskau als sehr gute Wahl.

Abschnittweise entstand die riesige Parklandschaft in Muskau. Der Fürst konnte sich so beruhigt auf Reisen begeben. Sein Hofgärtner realisierte seine Gartenvorstellungen auch während seiner Abwesenheit.

Mehr noch. Im Bereich des Englischen Hauses, des Bergparkes sowie des Eichsees offenbarte er seine eigene Kreativität. Rehder sorgte zudem für eigene Garten-Beiträge in Pücklers Büchern, schuf Entwürfe für auswärtige Gärten wie für den Park Matzdorf bei Löwenberg und entwickelte mit den Vorgaben seines Chefs eine Gärtnerschule, an der Gehilfen ausgebildet wurden.

Zu diesen Schülern gehörte Carl Eduard Adolph Petzold, der sich als herausragende Begabung erwies. Inzwischen hatte sich der Ruf des Fürsten als Parkgestalter europaweit verbreitet. Auch Rehder wurde dessen Sog bekannt. Deshalb wundert es nicht, dass Herzog Peter Friedrich Ludwig in Eutin nach dem Tod seines Hofgärtners Daniel Rastedt, mit dem er die Umgestaltung seines Barockgartens in einen Landschaftsgarten betrieben hatte, bei der Suche nach einem erfahrenen Nachfolger auf Rehder kam.

Der Herzog warb den gebürtigen Eutiner und Pücklerjünger einfach ab, dem die neue Herausforderung und die Rückkehr in die Heimat zunächst offenbar zusagten. So wechselte Familie Rehder mit Kind und Kegel im August 1837 nach Eutin.

Fürst von Pückler-Muskau bedauerte diesen Verlust. Rehder indes erkannte die Potenzen der entstehenden Anlage mit dem Großen Eutiner See und der natürlich gewachsenen Umgebung mit dem Schloss als Mittelpunkt und setzte in dem 14 Hektar großen Gelände des Eutiner Herzogs in der Nachfolge Rastedts schnell eigene Akzente.

Wohl etwas beharrlicher als Rastedt, was dem Herzog weniger zusagte. Der Eutiner Fürst hatte zwar lobenswerte Vorstellungen. Er war aber kein genialer Parkgestalter wie Pückler in Muskau. Deshalb fiel es Pückler nicht schwer, seinen verlorenen Partner schon zu Ostern 1838 zu verbesserten Konditionen zurückzuholen.

Herzog Peter Friedrich Ludwig hatte jetzt das Nachsehen. Rehder allerdings hinterließ in Eutin zwei Entwürfe, die in der Folge großteils verwirklicht wurden. Sie betrafen die Umgestaltung des Schlossplatzes, die Einbeziehung der ganzen Schlossumgebung in das entstehende Parkensemble und die stärkere Berücksichtigung des Großen Eutiner Sees. Der fürstliche Garten-Inspekteur setzte seine Arbeit in Muskau fort, war zusammen mit seinem Chef für den Prinzen Wilhelm von Preußen als Gartengestalter in Babelsberg tätig und erlebte den Notverkauf des Muskauer Besitzes durch den finanziell immer klammen Fürsten an neue Besitzer.

Rehder wurde so nach 1845 Angestellter des Prinzen Friedrich der Niederlande, der seinerseits als ein Liebhaber englischer Landschaftsgärten überliefert ist und ihm weitgehend freie Hand ließ. Rehder war zuletzt fast sein eigener Herr. Darüber starb er am 9. Februar 1852 in Muskau, wenige Tage vor seinem 62. Geburtstag.

Als seinen Nachfolger hatte er zuvor Petzold empfohlen, seinen vormaligen Schüler, der inzwischen einen eigenständigen Ruf als Gartenkünstler erlangt hatte. Petzold vollendete den Muskauer Park.

Die Eutiner Parklandschaft erlebt unterdes zurzeit in Vorbereitung auf die Landesgartenschau 2016 eine umfassende Restaurierung.


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