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Label „BeachYah!“ : Eutiner Lifestyle für die Welt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Thorsten Jürries entwickelt Mode. Sein Label „BeachYah!“ will der 36-Jährige zu einer internationalen Marke machen

Es war ein Nato-Gipfel 2009 in Straßburg. Damals war Thorsten Jürries als Chauffeur in Diensten des holländischen Botschafters mit einer gepanzerten Limousine unterwegs. Proteste militanter Nato-Gegner entluden sich in Straßenschlachten, Barrikaden brannten. Der gebürtige Hamburger wähnte sich fast wie im Bürgerkrieg und beschloss, seinen Job an den Nagel zu hängen: „Da wollte ich raus“, erinnert sich der 36-Jährige.

Heute sitzt Jürries in seinem kleinen Büro im Gewerbebiet in der Eutiner Ohmstraße. Dort geht es zwar wesentlich friedlicher zu, aber alles andere als beschaulich. Der Mann, der sich selbst als Workaholic bezeichnet, steckt seine kreative Energie in Mode. Gerade hat er unter dem Label „Dark & Stormy“ Berufsbekleidung für Bartender, Barista und Köche entworfen. Jürries springt von seinem Schreibtischstuhl auf, an dem er barfuß gesessen hat, legt sich zur Demonstration schnell eine Schürze an und präsentiert dazu eine Messertasche. „Das sind rough Denim-Sachen“, erklärt er begeistert. „Das nächste wird ein Weekender, eine Herrenhandtasche.“ Erst vor wenigen Tagen hat er die Prototypen auf Europas größter Bartender-Messe in Berlin präsentiert, wo sie offenbar auf große Begeisterung stießen: „Ich habe Bestellungen aus Paris, Dubai, Italien, Frankfurt und Hamburg“, listet der Modedesigner auf. Auch in der Holsteinischen Schweiz sind schon einige Gastronomen auf seine Mode aufmerksam geworden.

Sein wichtigstes Projekt ist derzeit aber „BeachYah!“, ein Label, das den Lifestyle der Skater- und Kite-Surferszene transportieren soll. Eine
Muschel als Markenzeichen symbolisiert die Verbindung zu Strand und Meer. Im Angebot sind T- Shirts, Muskel-Shirts und Kapuzenpullover. Sie tragen Slogans wie „Surf now, apologize later“, „Make Waves, not War“ oder „If any Doubt, paddle out“. „Ich mag das Strandleben, am Strand befreie ich mich komplett von allem, was in und an mir ist“, sagt Jürries. Allmächtige Freiheit, die wolle er mit seiner Marke ausdrücken.

Dafür hat er Markenbotschafter aus der Kite-Surfer-Szene engagiert, einer von ihnen ist Ben Beholz. Über dessen Art, seinen Sport zu leben, sagt Jürries mit einer großen Portion Bewunderung: „Der ist total irre und krank.“ Jürries will, dass seine Marke polarisiert.

Er selbst steht ebenfalls gern auf dem Brett, allerdings als Wakeboarder. Vor 15 Jahren sei er das erste Mal nach Süsel gekommen, habe die Gegend kennen und schätzen gelernt. „Ich liebe die Holsteinische Schweiz.“ Vor vier Jahren zog Jürries ins beschauliche Eutin, nachdem er zuvor in Großstädten wie Frankfurt und München gelebt hatte. Nebenbei betreibt er als Privatvergnügen die Facebook-Seite „ILoveEutin“, auf der er auf Veranstaltungen, Kleinkünstler, Kleingewerbetreibende und schöne Fleckchen aufmerksam macht. „Das ist eine Hommage an die Kulturstadt Ostholsteins.“

Mit „Kiezkrieger“ („Ich bin auf dem Kiez groß geworden“) hat Jürries bewiesen, dass er es als Mode-Quereinsteiger drauf hat. Das Mode-Label wurde so erfolgreich, dass ein Großhändler es übernahm. Leider habe er aufgrund vertraglicher Unstimmigkeiten finanziell nicht davon profitiert, bedauert Jürries, der sich danach erst wieder aufrappeln musste: „Das war eine Klatsche, Hartz IV, Horror-Tripp, echtes Loch.“

Wer Jürries länger zuhört, mag kaum glauben, was der in seinen jungen Jahren bereits alles erlebt hat. Nach der Schulzeit, in der er seine Kreativität bereits in der Sprayer-Szene auslebte, absolvierte er eine Lehre zum Estrich-Leger und brachte es in diesem Handwerk zu Deutschlands bestem Junggesellen. Auch da bewies er Kreativität, arbeitete Firmenlogos in den Estrich ein.

Als er den Beruf aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste, geriet er in die Mode-Branche, zunächst allerdings nur mittelbar: „Ich kannte die Hausmeister von Jil Sander, die haben mir gesagt: Fang bei uns doch als Chauffeur an.“ Später ging er zum Auswärtigen Amt, fuhr Wirtschaftsbosse, Bundespolitiker und Staatsgäste. Doch die Zeit bei Jil Sander inspirierte ihn. Da er als Chauffeur viel Wartezeit hatte, entwickelte er nebenbei sein erstes Druckdesign für ein T-Shirt, gründete 2008 „Kiezkrieger“.

Jürries weiß nur zu gut, dass menschenwürdige Produktionsbedingungen in der Textilbranche alles andere als selbstverständlich sind. Seine Produktionsstätten in der Türkei besucht er deshalb grundsätzlich unangemeldet. Im Jahr 2010 machte er dabei eine unangenehme Erfahrung: Seine Ware wurde nicht wie vereinbart in einer zertifizierten Fabrik produziert, sondern 300 Kilometer entfernt: „Da standen Kinder mit blutigen Füßen.“ Damals habe er die Produktion stoppen lassen – auch wenn das einen großen finanziellen Schaden verursacht habe.

Für „BeachYah!“ hat sich der quirlige Modemacher ehrgeizige Ziele gesetzt: „Das wird eine internationale Modemarke.“ Dafür will sich Jürries Zeit geben: „Fünf bis neun Jahre braucht es.“ Ein Anfang ist gemacht. Zur Markteinführung ab März 2015 werden rund 60 Händler die Marke führen, berichtet Jürries. Auch in Italien, Holland und Österreich wird der Eutiner Lifestyle dann zu haben sein.

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erstellt am 07.Okt.2014 | 15:28 Uhr

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