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Ostholsteiner Anzeiger

22. Oktober 2017 | 01:12 Uhr

Eutin: Radfahrer ab auf die Fahrbahn

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die lange angekündigte Neuregelung in der Riemannstraße soll jetzt kommen. In der Sielbecker Landstraße und der Oldenburger Landstraße gilt sie schon

shz.de von
erstellt am 26.Nov.2015 | 00:32 Uhr

Auto- und Radfahrer in Eutin müssen sich auf Veränderungen einstellen. Für drei bisherige Radwege wollen die Behörden die Benutzungspflicht aufheben oder haben dies bereits getan. Teilweise werden Radler dann auf die Fahrbahn geschickt, teilweise dürfen sie auch auf den bisherigen Radwegen fahren, müssen dann aber besondere Rücksicht auf Fußgänger nehmen. Betroffen sind die Oldenburger Landstraße, die Sielbecker Landstraße einschließlich eines kurzen Teilstücks der Malenter Landstraße sowie die Riemannstraße.

In der Riemannstraße – zwischen dem Kreisel und Fissaubrück – hatte der Kreis Ostholstein bereits vor mehr als einem Jahr die Benutzungspflicht des dortigen kombinierten Rad- und Fußwegs aufgehoben. Nun soll die Anordnung endlich umgesetzt werden. Derzeit warte die Stadt auf die Anlieferung der neuen Schilder, erklärte Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt. „Sobald sie da sind, werden sie angebracht“.

Der Entscheidung des Kreises war die Anfrage eines Lütjenburger Radlers vorausgegangen. Denn eine Benutzungspflicht für Radwege darf es seit 2009 nur dann geben, wenn eine besondere Gefährdung für Radfahrer vorliegt. Das ist aus Sicht des Kreises in der nicht sehr stark befahrenen Riemannstraße nicht der Fall.

Zur Verzögerung beigetragen habe die notwendige Abstimmung mit dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr in Lübeck, erklärte Kerstin Stein-Schmidt. Denn zunächst sollte die Frage geklärt werden, wie der Radverkehr zwischen der Riemannstraße einerseits sowie der Sielbecker Landstraße und Malenter Landstraße andererseits künftig fließen soll. Für die Beschilderung dieser beiden Straßen ist das Land zuständig.

Ergebnis: Auf dem kompletten innerörtlichen Stück der Sielbecker Landstraße sowie auf einem Teilstück der Malenter Landstraße (an der Neumühle) ist der Radweg inzwischen aufgehoben. Das Landesamt hat die Schilder bereits abbauen lassen. Das bedeutet: Hier müssen Fahrradfahrer jetzt auf der Fahrbahn fahren. Denn ein Weg ohne Beschilderung gilt grundsätzlich als Fußweg. Radler, die beispielsweise von Malente kommend in die Eutiner Innenstadt wollen, müssen daher jetzt über Fissaubrück fahren und sich dann von dort auf den noch vorhanden linksseitigen kombinierten Rad- und Fußweg begeben, wenn sie sich korrekt verhalten wollen.

Vielen dürfte noch gar nicht aufgefallen sein, dass Radler nun auf die Fahrbahn geschickt werden – so wie einem älteren Ehepaar, das an der Sielbecker Landstraße wohnt. Als es, im Auto sitzend, auf die Neuregelung aufmerksam gemacht wird, schütteln beide verständnislos den Kopf. „Das ist so gefährlich“, kommentiert die Frau, dass Radler nun auf der Straße fahren sollen. Doch Verkehrsexperten sehen das mittlerweile anders. Bei ihnen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Radfahrer an Kreuzungen und Einmündungen seltener von Autofahrern übersehen werden, wenn sie auf der Fahrbahn fahren – ganz zu schweigen von den Gefahren, die auf Wegen drohen, die in beide Richtungen befahren werden dürfen und auch noch von Fußgängern benutzt werden.

Ebenfalls auf die Fahrbahn geschickt werden Fahrradfahrer deshalb nun in der Oldenburger Landstraße ab der Einmündung Jungfernort bis zum Kreisel. „Dort wurde die Radwegebenutzungspflicht wegen der geringen Breite des Sandwegs, die ein erhöhtes Unfallrisiko bringt, aufgehoben“, erklärte Kreis-Sprecherin Anja Sierks-Pfaff. Die Schilder sind schon weg.

Etwas anders soll es nach Angaben der Stadt in der Riemannstraße aussehen. Dort haben Radler zumindest stadtauswärts künftig die Wahl. Die Fußwegbeschilderung wird künftig durch das kleine Zusatzschild „Radfahrer frei“ ergänzt. Hier können sich Radfahrer also künftig aussuchen, ob sie auf der Fahrbahn oder auf dem Fußweg fahren. Die gleiche Regelung sei künftig am Kreishaus entlang der Carl-Maria-von-Weber-Straße und Lübecker Straße bis zur Einmündung Oberonstraße geplant, bestätigte Kerstin Stein-Schmidt. Momentan steht dort aber noch ein Gerüst, weshalb der Weg derzeit noch Fußgängern vorbehalten ist.

Die „Radfahrer frei“-Regelung würde sich Jens Rose-Zeuner von der Initiative „Fahrradfreundliches Eutin“ stadteinwärts auch für Sielbecker Straße und Oldenburger Landstraße wünschen. „Wir sehen die aktuellen Änderungen durchaus mit gemischten Gefühlen“, erklärte er. Schade sei, wenn das Recht, auf der Fahrbahn zu fahren, mit dem Verbot gekoppelt werde, die bisherigen Wege zu nutzen.

Damit sich alle Verkehrsteilnehmer an die neue Situation gewöhnen, wollen Stadt und Fahrradinitiative in der Riemannstraße am Kreisel und auf Höhe Fissaubrück eine Aufklärungsaktion mit großen Bannern starten. „Damit wollen wir vor allem Autofahrer informieren, dass wir Radfahrer auf der Fahrbahn radeln dürfen oder sogar müssen“, erklärte Rose-Zeuner. Außerdem macht der Fahrradfreund darauf aufmerksam, dass der vorgeschriebene Mindestabstand beim Überholen von Radfahrern 1,50 Meter beträgt. Das werde leider immer wieder missachtet.

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