Eutin hat das „Kirsten-Bruhn-Bad“

1972 steht die dreijährige Kirsten Bruhn in der Eutiner Schwimmhalle mit Schwimmflügeln vor ihrer Mutter und wartet darauf, dass die Übungsstunde endlich anfängt.
1972 steht die dreijährige Kirsten Bruhn in der Eutiner Schwimmhalle mit Schwimmflügeln vor ihrer Mutter und wartet darauf, dass die Übungsstunde endlich anfängt.

Das Eutiner Schwimmbad wurde gestern in einer Feierstunde nach der Ausnahmesportlerin und „Bambi“-Preisträgerin benannt

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04. Mai 2015, 12:43 Uhr

Kirsten Bruhn (45) brachte ihr Anliegen zum Schluss der Feierstunde im Foyer des Schwimmbades auf den Punkt: „Gehen Sie einfach mal schwimmen!“ Die Namensgeberin machte Werbung für ihren Sport – und zeigte mit ihrer Rede, dass die Stadt und die Stadtwerke Eutin mit der Umbenennung die richtige Wahl getroffen haben. Sie gab in ihrer sehr persönlichen Ansprache einen kurzen Einblick in den Werdegang, der sie vom ersten
Besuch in der damaligen Schwimmhalle als Dreijährige, zu sportlichen Erfolgen und zu ihrem Einsatz für den Rehabilitationssport, den Weißen Ring und das Deutsche Rote Kreuz führte.

Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz berichtete, dass die frühere Stadtvertreterin Gudrun Orlick die Idee gehabt hatte, der Vorsitzende der SPD-Fraktion in der Stadtvertretung, Hans-Georg Westphal, brachte den Vorschlag offiziell ein – und stieß fraktionsübergreifend auf Zustimmung.

Deutsche, Europa- und Weltrekorde, Meistertitel, paralympische Medaillen und 2012 der Fernsehpreis „Bambi“ in der Kategorie Sport stehen in Kirsten Bruhns Biografie. Aber ihre Ausstrahlung geht weit darüber hinaus. „Wir brauchen Vorbilder in unserer Gesellschaft“, sagte Marc Mißling, Geschäftsführer der Stadtwerke Eutin. Und zu Kirsten Bruhn gewandt: „Sie beweisen, dass schwierige, manchmal unmöglich scheinende Wege zum Erfolg führen können.“

Bürgervorsteher Dieter Holst (CDU) stellte fest, dass in Eutin auf den Straßenschildern sonst eher Namen aus dem kulturellen Bereich zu finden sind, wie Carl Maria von Weber, Johann Heinrich Wilhelm Tischbein oder Johann Heinrich Voß. Als Sportler habe Hans Heinrich Sievert, Zehnkampf-Weltrekordler und Olympiateilnehmer 1932 in Los Angeles und 1936 in Berlin der Sporthalle nahe des Kirsten-Bruhn-Bades seinen Namen gegeben. Und es passe zusammen, dass ein olympischer Athlet und eine vielfache Medaillengewinnerin bei Paralympics als Namensgeber der beiden Sportstätten seien.

Ein Motorradunfall auf der griechischen Insel Kos veränderte Kirsten Bruhns Leben von Grund auf. Sie trug eine Querschnittslähmung davon und kam auf den Sport zurück, dem sie sich 2002 wieder zuwandte. Auf Anhieb stieg sie als Siegerin aus dem Becken und startete eine Sportkarriere, die einmalig ist. 2004 gewann sie in Athen bei den paralympischen Spielen die Goldmedaille. Sie sagt später: „Den glücklichsten Tag meines Lebens hätte es ohne den unglücklichsten nicht gegeben.“

„Trotz Querschnittslähmung fühlt sich Kirsten Bruhn im Wasser so richtig wohl. Es gibt dort keine Barrieren, keine Grenzen wie im so genannten richtigen Leben“, sagte der Bürgervorsteher. Sie änderte die beruflichen Pläne, statt eines Grafik-Studiums in Hamburg absolvierte sie eine Ausbildung zur Sozialversicherungsfachangestellten bei der AOK. Heute ist sie für das Unfallkrankenhaus in Berlin Botschafterin für Reha und Sport. „Wir heißen Sie herzlich willkommen in Ihrer Geburtsstadt und bedanken uns, dass Sie unserem Schwimmbad Ihren Namen geben“, schloss Dieter Holst.

Kirsten Bruhn freute sich sichtlich über die Ehrung. Sie stellte ihre Familie in den Mittelpunkt ihrer Dankesrede und enthüllte anschließend das Namensschild – aber eigentlich wäre sie wahrscheinlich lieber in „ihr Bad“ gegangen und hätte ein paar Runden gedreht, getreu der Aufforderung: „Gehen Sie mal wieder schwimmen!“

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