Eutin blüht auf

Eine Landesgartenschau im Zentrum der Stadt: Ein aktueller Blick auf die Baustelle auf dem Schlossplatz (Schloss links im Bild) und an der Stadtbucht (rechts).
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Eine Landesgartenschau im Zentrum der Stadt: Ein aktueller Blick auf die Baustelle auf dem Schlossplatz (Schloss links im Bild) und an der Stadtbucht (rechts).

Die Landesgartenschau ist Motor für viele Veränderungen im Zentrum der Kreisstadt Ostholsteins / Eröffnung soll am 28. April 2016 sein

shz.de von
20. Juli 2015, 13:12 Uhr

Das gab es in Schleswig-Holstein noch nie: Die dritte Landesgartenschau entsteht in keiner Randlage oder sorgt für die Parkwerdung einer weitläufigen Industriebrache. In Eutin gleicht die Vorbereitung für die Gartenschau einer Operation am offenen Stadtherzen: Das Ausstellungsgelände entsteht nur wenige Schritte vom Zentrum entfernt auf der bisher eher beschaulichen Flaniermeile entlang am Großem Eutiner See.

Der Großteil des 27 Hektar großen Areals sind historisch gewachsene Parkanlagen, die teils unter Denkmalschutz stehen (Schlossgarten) und nun für die Großveranstaltung aufgehübscht und frisch in Form gebracht werden. In Kombination dazu werden Teile der in die Jahre gekommenen Kreisstadt im Rahmen der Stadtsanierung erneuert, modernisiert oder gar neu gebaut, beispielsweise das Entree zur blütenreichen Ausstellung. Der Haupteingang wird dort angelegt, wo bisher Gänse und Schafe grasten – nämlich gegenüber der Rettberg-Kaserne im Osten der Stadt. Nach der Landesgartenschau (LGS) verbleiben dort ein Wohnmobilstellplatz und Parkplätze für Besucher der Festspiele und des Schlosses. Die Pläne dafür gab es seit Ende der 90er, erst durch die LGS werden sie nun real.

Ähnlich verhält es sich mit den Planungen für die Jugendherberge. Das historische Bauhofareal unweit der Opernscheune, direkt am zwölf Hektar großen Schlossgarten gelegen, bekommt eine Verjüngungskur: Die Torhäuser werden saniert, eine Jugendherberge ist ab 2017 in Planung. Auch Stadtvillen mit Blick auf den Großen Eutiner See sind nach der LGS an prominenter Stelle im Gespräch.

Doch nicht jedem Eutiner gefallen Veränderungen. Operationen dieser Art können schmerzen. Die ersten Proteste gab es bei der Baumfällaktion im Seepark. Mehr als drei Viertel der Bäume fielen, so die Landschaftsgärtner, aus „gesundheitlichen Gründen“. Das historische Bild von einst, das im Grünen Sichtachsen zum See freihielt, ist jetzt wiederhergestellt. Unweit davon drohte im Mai der nächste Ärger: Vier Anwohner der Stadtbucht hatten beim Schleswiger Verwaltungsgericht Klage eingereicht, weil sie ihre Rechte nicht gewahrt und ihr Eigentum durch die notwendigen Rammarbeiten an der Spundwand gefährdet sahen. Auch kritisierten sie, dass die Stadt trotz fehlender Genehmigungen baue. „Schwarzbau“ und „Gartenschau-Gau“ sorgten über die Stadtgrenzen hinaus für Unruhe. Die Richter wiesen die Klage zurück, sahen das öffentliche Interesse übergeordnet, die fehlende Genehmigung ist mittlerweile auch erteilt. Es war eine Testphase des Krisenmanagements für die Veranstalter, die glimpflich ausging. Wie teuer der vierwöchige Baustopp letztlich wird, ist derzeit noch unklar. Bauamtsleiter und LGS-Geschäftsführer Bernd Rubelt: „Wir werden die LGS pünktlich eröffnen. Unser Zeitplan war schon immer sportlich und das ist er auch weiterhin.“

Während die Bauarbeiten auf Hochtouren laufen, wird auf der größten deutschen Tourismus-Messe in Köln in diesen Tagen die Werbetrommel für die nördlichste Landesgartenschau 2016 gerührt. LGS-Geschäftsführer Martin Klehs: „Uns spielt in die Karten, dass 2016 nur noch in Bayreuth und Öhringen eine Landesgartenschau stattfindet.“ Schon jetzt sei das Interesse zahlreicher Busreiseanbieter groß.

Nicht nur bei der Stadtsanierung sind die Menschen vor Ort mit eingebunden, sondern auch beim Programm. Bei den rund 2000 geplanten Veranstaltungen auf den Bühnen kommen Vereine und große Events gleichermaßen vor. Klehs: „Die Region und die Nachhaltigkeit liegt uns am Herzen.“ Deshalb gibt es neben Musik, Kabarett, Literatur und schönen Blumen auch rund 800 verschiedene außerschulische Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche in einer Art „grünem Klassenzimmer“; während der Ferien auch ganze Workshops.

Für LGS-Kritiker gleichen die farbenprächtigen Visionen der Macher unrealisierbaren Operationsplänen. Gelingt der Eingriff, hat Eutin die Chance für seine Zukunft gerade zur richtigen Zeit ergriffen und kann – richtig angefasst – lange davon zehren, um nicht nur in Geschichtsbüchern ein wunderbares Idyll am Wasser zu sein.

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