Eutin : Europa-Diskussion in der Schule

Zahlreiche Schüler kamen zur Podiumsdiskussion, die OHA-Redaktionsleiter Achim Krauskopf (mitte) in der KBS moderierte.
Zahlreiche Schüler kamen zur Podiumsdiskussion, die OHA-Redaktionsleiter Achim Krauskopf (mitte) in der KBS moderierte.

Rund 190 Schüler der Beruflichen Schulen hörten sich die Argumente der Befürworter und Gegner der Parteien an.

shz.de von
02. April 2019, 15:42 Uhr

Eutin | „Was bringt Europa jungen Wählern?“ Zur Podiumsdiskussion mit Vertreter von sechs Parteien lud Politikfachleiter Martin Stellberger am Dienstag die 12. Jahrgänge der Beruflichen Schulen des Kreises Ostholstein aus Bad Schwartau, Malente und Eutin ein. Knapp 190 Schüler waren gekommen. Ihre Erwartungen? „Sie sollen mal erklären, wofür sie stehen und welche Ziele sie für Europa haben“, sagte Marla Grimm (17).

„Nutzen Sie als künftige Wähler die Chance, sich ein Bild zu machen und mit dem Thema Europa auseinanderzusetzen“, animierte Schuldirektor Carsten Ingwertsen-Martensen die jungen Zuhörer. Als Europaschule erlebten sie bereits viel positive Seiten wie Schulaustausch, Praktika und Erasmusprogramme. „Doch Europa ist noch viel mehr“, so der Direktor.

Schon in der Vorstellungsrunde der Kandidaten kristallisierte sich heraus, wer für die Europäische Union antritt und wer dagegen: Niclas Herbst (CDU), Enrico Kreft (SPD), Rasmus Andresen (Grüne), Helmer Krane (FDP) und Marianne Kolter (Linke) sprachen sich parteiübergreifend für Problemlösungen in Sachen Klimaschutz, Friedenspolitik oder Digitalisierung auf übergeordneter Ebene – innerhalb der europäischen Union – aus. Tenor: „Alleine können wir das gar nicht mehr schaffen.“ AfD-Vertreter Julian Flak jedoch sprach sich für „Ländervielfalt“ aus, die seiner Ansicht nach ohne die EU besser gewährleistet sei.

<p>Julian Flak (AfD)</p>
Constanze Emde

Julian Flak (AfD)

 

Die Jugendarbeitslosigkeit im Mittelmeerraum sei gestiegen, weil es den Euro gebe; die EU sei kein Friedensprojekt, „sondern das Gegenteil“ und „die Angst vor dem Klimawandel ist Panikmache allererster Güte“ und sei, so Flak, „unbegründet“. „Klimawandel hat es immer gegeben: Immer, wenn es wärmer war, haben sich Hochkulturen entwickelt; wenn es kühler war, gab es Kriege und Seuchen.“

Dafür erntete Flak nicht nur Lacher und Kopfschütteln einiger Schüler, sondern auch Fassungslosigkeit der anderen Podiumsteilnehmer. „Es ist schon mutig, wenn man das Faktenwissen nur aus AfD-Parteizeitungen bezieht“, sagte Rasmus Andresen.

<p>Rasmus Andresen (Grüne)</p>
Constanze Emde

Rasmus Andresen (Grüne)

 

Der Grünen-Vertreter gestand: „Alle Parteien haben es bislang nicht geschafft, Programme vorzulegen, die die Ziele des Pariser Klimaabkommens einhalten. Aber da müssen wir ran: Wir müssen bis 2030 raus aus der Kohle und aufhören, die größten Landwirtschaftsbetriebe zu subventionieren.“ Marianne Kolter (Linke) schloss sich an: Nur die Landwirtschaft zu verändern, genüge nicht.

<p>Marianne Kolter (Linke)</p>
Constanze Emde

Marianne Kolter (Linke)

 

Es brauche ebenso eine Veränderung in der Energiewirtschaft und einen schnellen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, sodass der Individualverkehr schrumpfe. Wer nach den Freitagsdemonstrationen der Schüler immer noch über das Schulschwänzen spreche anstatt über den Klimawandel, habe den Schuss nicht gehört.

Enrico Kreft (SPD) zeigte sich erfreut, dass Nachhaltigkeit und Klimaschutz auf dem jüngsten Parteitag eine solch große Rolle in seiner Partei spielte: „Die Demonstrationen machen Druck, und das macht was mit den Parteien. Gesellschaftlicher Druck hilft – ob beim Thema Digitalisierung oder Klimawandel.“

<p>Enrico Kreft (SPD)</p>
Constanze Emde

Enrico Kreft (SPD)

 

Aus Sicht von Helmer Krane (FDP) sollte die Politik offen sein und Ziele setzen, der Markt würde dann durch Innovationen und Forschungen erarbeiten, wie diese erreicht werden könnten, so Krane.

<p>Helmer Krane (FDP)</p>
Constanze Emde

Helmer Krane (FDP)

 

Niclas Herbst (CDU) ermutigte die Schüler, die sich zu Wort meldeten, sich aktiv in der Politik zu beteiligen: „Dann bleiben ihre Stimmen nicht ungehört.“ Das große Problem aus seiner Sicht: der mangelnde Dialog. „Nur auf die Straße gehen und dagegen sein, reicht nicht; es muss auch gemeinsam über Lösungen gesprochen werden“, sagte der Christdemokrat.

<p>Niclas Herbst (CDU)</p>
Constanze Emde

Niclas Herbst (CDU)

 

Leon Böckenhagen (18) war einer der Schüler, die sich besonders für die Ziele der Politik in Sachen Klimaschutz und Europa interessierten. Er fand die Oppositionsparteien „argumentativ stark“; die CDU „eher schwach“. Er spiele auch mit dem Gedanken, in eine Partei einzutreten, um sich noch aktiver als durch Wahl zu beteiligen. Damit sei er in seiner Generation aber wahrscheinlich eine Ausnahme. Die meisten engagierten sich heute eher projektbezogen, so seine Beobachtung.

Marla Grimm war überrascht, wie wichtig der Linken-Kandidatin Umwelt- und Klimaschutz ist. „Die Vertreter von FDP und Grüne waren auch stark“, sagte die 17-Jährige. „Ich darf zwar noch nicht wählen, aber es war ein guter Überblick.“

Nach der zweistündigen Diskussion nutzten Schüler die Gelegenheit zum direkten Gespräch mit den Politikern. Knapp sieben Wochen bleiben noch bis zum 26. Mai, um sich eine Meinung zu bilden.

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