Der Schwur des Kärnan : „Es war der absolute Hammer“

Nach der Hochfahrfigur geht es ins Gelände auf 1,2 Kilometern.
1 von 3
Nach der Hochfahrfigur geht es ins Gelände auf 1,2 Kilometern.

Ein „Selbstversuch“ in der neuen Hansa-Park-Attraktion: Die Strecke des Kärnan ist 1,235 Kilometer lang, der erste „Fall in die Tiefe“ (Drop) beträgt 67 Meter. Die Höchstgeschwindigkeit: 127 Kilometer pro Stunde. Ausreichend, um Angst zu kriegen. Doch es macht riesigen Spaß.

Avatar_shz von
30. Juni 2015, 09:53 Uhr

Zahlreiche Menschen mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht kommen mir entgegen, als ich – gemeinsam mit gut 60 Fans und Medienvertretern – den sonst schon leeren Hansa-Park betrete. Wir sollen, nein – dürfen – als erste in die Parkattraktion des Jahres, den Hyper-Coaster „Kärnan“. Viele meiner Freunde würden jetzt gern mit mir tauschen, ich eigentlich auch mit ihnen. Noch.

Am Fuße des Turms gibt es Obst-Häppchen. Leichte Kost, damit den Mutigen nicht übel wird, scherzt der Hansa-Parkchef Andreas Leicht. Noch grinse ich auch. Wie in einem gutem Drama, arbeiten wir uns Stück für Stück zum Höhepunkt – der Fahrt. Doch erst die Geschichte: Nachdem der dänische König 1286 erstochen wurde, kam sein Sohn Erik Menved VI. auf den Thron. Viel zu jung, stellte er sein Wohl über das seines Volkes – auch in Zeiten von Hungersnot und Krieg. Um nicht angegriffen werden zu können, verlangte Erik VI. von seinem Baumeister, eine unbesiegbare Festung zu bauen – Kärnan entstand und zog mit einem Schwur den König in seinen Bann. Alle klatschen. Als die Kärnan-Symphonie, die die Komponisten Andreas und Sebastian Kübler eigens für diesen Hyper-Coaster kreiert haben, eingespielt wird, ruft das Mädchen neben mir „Gänsehautstimmung“. 64 Musiker und 40 Sängerinnen und Sänger haben die Musik in Budapest aufgenommen.

„Wir wollten ja eigentlich eine ganz normale Achterbahn bauen“, beginnt Leicht. Die Fans lachen. „Doch wir haben uns gedacht, wir machen noch etwas Besonderes: Einen familienfreundlichen Rückwärtsfall.“ Stille. Angst gepaart mit Aufregung.

Feuerwerk, Fackeln, roter Teppich – „hat es noch nie zur Eröffnung für eine Neuheit gegeben“, sagt Leicht noch, dann geb’ ich meine Kameratasche ab. „Bloß nicht in Reihe eins“, sag ich dem netten Parkmitarbeiter. Der grinst. „Das entscheidet der Bann.“ Das Tor öffnet sich zuerst vor den anderen, Glück gehabt. Reihe zwei. „Wie, kein Bügel von oben? Ah!“ Der Zwei-Meter-Mann neben mir: „Das ist doch so viel bequemer, dann kann man die Arme leichter hochreißen.“ Aha, denke ich, das ist wohl der Unterschied zwischen mir und einem echten Fan.

Es geht los. Kein Zurück. Die Sonnenstrahlen scheinen auf die Schienen, die senkrecht nach oben gehen. Ich hatte gehofft, es wäre alles dunkel. Ratter, ratter, ratter. Es geht aufwärts. „Gleich fallen wir“, schreit ein Mädchen hinter mir. Nichts passiert. Und dann plötzlich doch. Cooles Gefühl. „Rückwärts ist nicht so schlimm wie vorwärts“, sag’ ich zu dem Zwei-Meter-Mann, der sich – wie ich – jetzt festklammert. Denn wir hängen immer noch senkrecht.Eine gefühlte Ewigkeit später – ratter, ratter, ratter. „Ahhhhh“ und „ist das der Wahnsinn“ fliegen als Wortfetzen um meinen Kopf. Nach dem Fall folgt ein doppelter Looping – Fachmänner sagen Heartline-Roll, weil es eine Herzform ergibt. Zahlreiche Drehungen und Kurven; Aufs und Abs dicht am Boden und hoch in der Luft. Vorbei. „Schon vorbei? Nochmal!“, rufe ich, der Zwei-Meter-Mann auch. „Es war der absolute Hammer.“

Draußen wartet Andreas Leicht mit seiner Frau – beide strahlen über das ganze Gesicht: „Es macht mich so glücklich, wenn ich anderen Menschen eine Freude machen kann. Die Gäste waren uns wichtig mit der Bahn, nicht die Rekorde. Das glaub’ ich aufs Wort und verlasse mit einem Lächeln den Park.


Eröffnung: Heute ab 12 Uhr, Signierstunde der Kärnan-CD von 10 bis 11 und 13 bis 14 Uhr mit den beiden Komponisten im Kärnan-Fanshop.




zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen