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Ostholsteiner Anzeiger

11. Dezember 2017 | 20:57 Uhr

Eutin : „Es sind unerträgliche Zustände“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Bewohner der Seniorenresidenz Wilhelmshöhe sind verunsichert. Der Zwangsverwalter hofft auf Klarheit nach einem Gerichtstermin in Schleswig.

shz.de von
erstellt am 09.Nov.2015 | 12:37 Uhr

Eutin | Die Seniorenresidenz Wilhelmshöhe in Eutin war einst bundesweiter Vorreiter für betreutes Wohnen. Doch jetzt sehnen sich die knapp 70 Bewohner nur noch nach normalen Verhältnissen und „ein bisschen Ruhe“.

Keine Wellness, kein Schwimmbad und jetzt auch noch kein Restaurantbetrieb. Wer dort essen möchte, muss sich das Besteck und ein Glas selbst mitbringen, um dann Essen auf Rädern zu verzehren. Der Grund: Die Erwerber der Immobilie sind Zahlungsaufforderungen nicht nachgekommen. Vom „Rund-
um-sorglos-Paket“, das die Menschen beim Einzug gebucht hatten, ist nicht mehr viel übrig.

Begonnen hat der ganze Ärger 2013 durch den Verkauf der Seniorenresidenz durch Familie Ohlmann an den Oldenburger Geschäftsmann Carsten Maßmann, der den Service-Gesellschafter Andreas Dannenberg vor Ort einsetzte. Der Kaufvertrag sei nach branchenunüblichen Verfahrensweisen geschlossen worden, sagt Peter Woidt. Der Immobilienexperte aus Oldenburg wurde im Juli 2014 auf Antrag einer Gläubigerbank als Zwangsverwalter für die Anlage eingesetzt. „Wer gibt seine Immobilie an jemanden in Besitz, wenn noch kein Geld geflossen ist?“, fragt Woidt rhetorisch, um die Unstimmigkeiten im Fall Wilhelmshöhe zu verdeutlichen. Diesen Eigentumsanspruch habe sich Maßmann mit einem sogenannten Auflassungsvermerk im Grundbuch eintragen lassen, ohne je den Kaufpreis von 4,5 Millionen Euro zu zahlen. Als Ohlmanns merkten, dass kein Geld fließt, warteten sie nicht die Rückabwicklung des Kaufvertrags ab, sondern verkauften die Anlage laut Woidt an den Hamburger Dennis Romeiser (wir berichteten).

„Es hieß immer, die Mieter werden aus allem rausgehalten. Aber letztlich sind wir die Betroffenen“, sagt Ingrid Bock, Sprecherin der Mietervertretung. Die Bewohner sind – „durch mangelnde Informationen“ oder „Gutgläubigkeit“ – seitdem gespalten.

Es gibt die, die sagen „die Hoffnung stirbt zuletzt“, wie Ingrid Bock. Sie setzt ihr Vertrauen in die neue Servicegesellschaft von Andreas Dannenberg, obwohl die erste insolvent ging. Ingrid Bock baut darauf, dass gesagte Sätze
wie „Wir hoffen, dass wir die Situation so schnell wie
möglich beenden... können“, wahr werden. Dann gibt es die „Opposition“, knapp 20 Bewohner, denen die neuen Verträge im Sommer kurz vor der Insolvenz spanisch vorkamen und die sich weigerten, mehr Geld für weniger Leistung zu zahlen – wie Heinrich von Thiedemann. Und es gibt den großen, aber leisen Rest derer, die verunsichert sind, und glauben, die Situation hinnehmen zu müssen.

„Es sind unerträgliche Zustände für alle“, sagt Katja Hüstreich, die von vielen als die gute Seele von Wilhelmshöhe bezeichnet wird. Sie kümmert sich um alle und sorgt sich seit dem Sommer sieben Tage die Woche darum, dass Menschen wie Heinrich von Thiedemann mittags mit warmen Speisen versorgt werden, trotz nicht unterschriebenem Servicevertrag. Thiedemann: „Die zukünftige Rolle von Dannenberg und Maßmann schien uns zu unsicher.“ Er sollte recht behalten: Der Zwangsverwalter erwirkte unter anderem Räumungsklagen für das Schwimmbad, die Büroräume und das Restaurant.

Mit juristischen Kniffen gelang es der Gegenseite vorerst, die Räumung des Restaurants zu verhindern. Aber für Woidt ist die Sache klar – und vom Eutiner Amtsgericht bestätigt: „Der Einstellung der Wasserversorgung folgt ab 15. November das Abdrehen der Wärme.“ Ein Restaurant darf ohne Wasser nicht betrieben werden, die Auflage des Kreisgesundheitsamtes lautet daher, dass das Wasser in den Leitungen abgelassen werden muss, um die Bildung von Keimen zu verhindern.

Dem langjährigen Hausmeister aber wurde gestern von Angestellten der neuen Service-GmbH auf Weisung von Dannenberg Hausverbot ausgesprochen, als er mit den Arbeiten beginnen wollte. „Die Spielchen kennen wir schon“, sagt Woidt. „Aber sie sind unheimlich nervenzehrend und bringen die Bewohner kein Stück weiter.“ Die Auseinandersetzungen beschäftigen nicht nur Gerichte. Auch die Polizei fährt gelegentlich vor und versucht zu vermitteln.

Woidts Hoffnung liegt auf einem Termin am 17. Dezember vor dem Oberlandesgericht in Schleswig: „Wenn es da gelingt, Maßmann aus dem Grundbuch zu bekommen, kann ich die Immobilie hoffentlich zum Jahreswechsel an den neuen Eigentümer übergeben und es kehrt wieder Ruhe ein.“ Andreas Dannenberg war gestern nicht zu erreichen.

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