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Ostholsteiner Anzeiger

16. Dezember 2017 | 18:29 Uhr

Plön : Es sind nur die Schalen von Kieselalgen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Das Rätsel um ein ungewöhnliches Naturschauspiel am Ufer des Großen Plöner Sees ist jetzt vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume gelöst.

von
erstellt am 15.Apr.2015 | 06:00 Uhr

Plön | Einen ungewohnten Anblick bieten derzeit die weiß gefärbten Ufersäume am Großer Plöner See. Ein Phänomen, das auch besorgte Bürger auf den Plan rief und deren Hinweisen das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) nun genauer nachgegangen ist.

Der Verdacht, es könne sich um eine Verschmutzung durch abgeschwemmte Ackerkrume handeln, die nach den Regenereignissen im Dezember über die Schwentine eingetragen wurde, bestätigte sich den Erkenntnissen des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) zufolge nicht. Vielmehr handelt es sich um ein relativ seltenes und zudem vollkommen harmloses Naturphänomen.

Erst der Blick in das Mikroskop verrät die Ursache der Weißfärbung: ein dichter Belag aus unzähligen, leeren Kieselalgenschalen. Dieser Befund überraschte selbst die Biologinnen des LLUR-Seendezernates, die zunächst auf Kalkablagerungen infolge hoher Algenproduktion getippt hatten.

Die Entwicklung des Phänomens begann bereits mit den ungewöhnlich starken Regenfällen im Dezember 2014. In der Folge wurden am Seepegel in den folgenden drei Monaten andauernde, hohe Wasserstände registriert. Diese führten in Verbindung mit der zunehmenden Sonneneinstrahlung der letzten Märzwochen zu einem vermehrten Wachstum von Kieselalgen. Bestimmte Arten dieser Algengruppe wachsen bevorzugt auf dem Sediment, auf Steinen, Totholz, untergetauchten Pflanzenresten wie Schilf und ähnlichen Substraten. Durch das Hochwasser konnten die Algen nun auch die unter Wasser stehenden Äste und Wurzeln von Gehölzen sowie die überfluteten Steine am Ufersaum besiedeln.

Durch die kontinuierlich sinkenden Wasserstände fielen dann immer größere Uferbereiche wieder trocken. Die Kieselalgen, die zum Beispiel mittels Gallertstielen an ihrer Unterlage fest geheftet und damit ortsunveränderlich sind, konnten jedoch nicht mitwandern. Die Folge war ein großflächiges Absterben der Zellen. Zurück bleiben unter Sonneneinstrahlung die leeren, silikathaltigen Kieselalgenschalen, deren weiße Farbe durch die Lichtbrechung noch verstärkt wird. Dass dieses ungewöhnliche Naturphänomen nicht so häufig auftritt, hängt damit zusammen, dass eine spezielle Kombination aus Wasserstandsdynamik im See und den meteorologischen Bedingungen gegeben sein muss, um ein solch ungewöhnliches Massenwachstum und Absterben von Kieselalgen auszulösen.

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