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Ostholsteiner Anzeiger

15. Dezember 2017 | 02:09 Uhr

„Es ist immer noch wie in Trance“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Am Tag danach: Der designierte Bürgermeister hatte gestern noch frei / Die deutlich unterlegene Kandidatin hat noch keine Erklärung

shz.de von
erstellt am 01.Mär.2016 | 05:20 Uhr

Der städtische Wahlausschuss tagt heute im Rathaus. Höchstwahrscheinlich wird er bestätigen, dass Carsten Behnk die Wahl zum Bürgermeister gewonnen hat.


Carsten Behnk: nur keine Sorgen


Muss ein Beamter, der zum Bürgermeister gewählt worden ist, eigentlich bei seinem Dienstherren eine Kündigung einreichen? Und gibt es dafür Fristen? „So intensiv habe ich mich mit dieser Frage noch nicht beschäftigt,“ verriet Carsten Behnk dem OHA Sonntagabend im Rathaus, nachdem klar war, dass der Oberamtsrat am 1. August dieses Jahres die Nachfolge von Klaus-Dieter Schulz als Chef der Verwaltung antreten wird.

Auf jeden Fall wird Landrat Reinhard Sager nicht überrascht sein, dass die Kulturstiftung des Kreises einen neuen Geschäftsführer und der Fachdienst Bildung, Kultur und Sport einen neuen Leiter brauchen. Sager war gemeinsam mit Kreispräsident Ulrich Rüder im Rathaus dabei, als sich der erdrutschartige Sieg des 48-jährigen Groß Meinsdorfers mit jeder neuen Meldung aus den 16 Wahllokalen manifestierte.

Behnk, der im März sein 49. Lebensjahr vollendet, weiß aber: „Ich muss meinen Beamtenstatus aufgeben.“ Und: „Am 1. August ist es auf den Tag genau 30 Jahre her, dass ich beim Kreis Ostholstein meine Lehre begonnen habe.“

Gestern hatte Behnk noch frei, heute ist er wieder im Dienst – und möchte nicht zuletzt seine eigene Nachfolge regeln. Sein Urlaub sei noch nicht aufgebraucht, für den Wahlkampf habe er Urlaub im vergangenen Jahr gespart.

Zur Frage nach den Kosten für seinen Wahlkampf sagt Behnk spontan: „Das ist geheim.“ Im übrigen müsse er erst noch abrechnen. So viel verrät er dann doch: Die CDU, die ihn als Bürgermeisterkandidaten unterstützt hatte, habe einen „nicht unerheblichen Zuschuss“ gegeben. Und er sei sicher, dass davon noch etwas übrig sei, weil er – ähnlich wie mit den Urlaubstagen – mit dem Geld gut gewirtschaftet habe.

Die Christdemokraten hatten ihren Kandidaten nicht nur finanziell, sondern auch personell unterstützt. Die Zusammenarbeit mit Fraktion und Ortsverband sei über einen fünfköpfigen Stab und sehr effizient gelaufen.

Auf prominente Unterstützung habe er bewusst verzichtet. Die Idee, Peter-Harry Carstensen einzuladen, habe er aber gut gefunden, und der ehemalige Ministerpräsident habe auch sofort zugesagt. „Dabei hat geholfen, dass er meinen Onkel Paul Möller kennt.“ Möller, der im September 1916 geboren wurde, saß von 1968 bis 1983 im Landtag und gilt als Urgestein der Landes-SPD. Allerdings weiß Carsten Behnk nicht, ob man seinem 99-jährigen Onkel noch die Nachricht vermitteln kann, dass sein Neffe der neue Eutiner Bürgermeister ist. „Er wäre stolz, da bin ich mir sicher.“

Gestern beschrieb Behnk seinen Zustand so: „Es ist immer noch ein bisschen wie in Trance, ich bin voller Adrenalin.“

Im Wahlkampf hatte er von Verbesserung der Kommunikation im Rathaus gesprochen. Was heißt das konkret, wenn er Bürgermeister wird? „Ich übernehme ein Team und die Abläufe, wie sie sind. Zu optimieren gibt es immer etwas, es gibt auch massive Veränderungen wie die Herausforderung durch die hohe Zahl an Flüchtlingen. Darauf muss man reagieren.“

Teamwork sei ihm wichtig, das mache er gerne. Carsten Behnk: „Ich denke, dass ich sehr gut mit den Mitarbeitern der Stadtverwaltung zusammenarbeiten kann. Sorgen machen muss sich keiner.“


Poersch: „Es waren tolle Wochen und Monate.“


Regina Poersch ging mit zahlreichen Sozialdemokraten auch aus Bosau, Plön und Preetz am Sonntagabend in die Mühle. „Gemessen an dem schlechten Wahlergebnis hatten wir einen relativ gemütlichen Abend. Wir gewinnen zusammen und wir verlieren zusammen, das ist so in der SPD“, sagte sie gestern. Auch einen Tag danach ist die SPD-Kandidatin noch verblüfft über das Ergebnis und „ein bisschen ratlos“, woran es gelegen haben könnte. Die CDU habe die zahlreichen und direkten Kontakte ihres Kandidaten mit Bürgern als das große Pfund bezeichnet. „Die zahlreichen Gespräche hatte ich auch, und die Rückmeldung da war eine völlig andere als 29 zu 71.“ Auch am schwierigen Start habe es ihrer Meinung nach nicht gelegen. Die eigene Partei hatte sie mit nur einer Stimme Mehrheit für den Wahlkampf aufgestellt. Poersch: „Das war auf der Straße kein Thema mehr.“

Wie geht’s jetzt weiter? „Mein Abgeordnetenalltag geht ganz normal weiter.“ Heute ist Fraktionssitzung, gestern war sie bei der Lesung mit Stegner, der ihr ausdrücklich für den „engagierten Wahlkampf“ dankte. „In den nächsten Wochen werde ich mich mit den Ortsverbänden unterhalten, ob sie mich wieder aufstellen wollen.“ Die positiven Signale am Wahlabend hatten sie zu Tränen gerührt (wir berichteten). Bereut sie es? Poersch: „Kein bisschen. Es waren tolle Wochen und Monate, in denen ich so vielen Menschen begegnet bin, die sich Gedanken um ihre Stadt machen und sich engagieren. Das möchte ich nicht missen.“

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