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EUTIN : „Es ist doch nur ein Stück Architektur“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Landeskonservator Dr. Michael Paarmann sieht das „Haus des Gastes“ als schützenswert an. Möchte sich jedoch in der Diskussion nicht positionieren.

shz.de von
erstellt am 09.Feb.2015 | 06:00 Uhr

Nur noch wenige Tage, dann können die Eutiner abstimmen über den Erhalt des Haus des Gastes. Gegner wie Befürworter haben in den letzten Tagen nochmals ihre Standpunkte deutlich gemacht (wir berichteten). Und gerade die Initiatoren des Bürgerentscheids am 15. Februar heben die architektonische Qualität des Gebäudes hervor. Doch was sagen Fachleute zu dem Bauwerk an der Eutiner Stadtbucht?

„Das Haus des Gastes ist kein Denkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes“, sagt Dr. Michael Paarmann. Der Landeskonservator erteilt dem Gebäude damit aber nicht generell eine Abfuhr. Im Gegenteil. Dass es bisher nie unter Denkmalschutz gestellt wurde, ändere nichts daran, dass es „erhaltenswert ist“, urteilt Paarmann.

Waschbetonplatten, blinde Scheiben und marode Substanz: Was macht das Haus des Gastes schützenswert? „Es sind die baukulturellen und baukünstlerischen Qualitäten“, sagt Paarmann. In den 1960er Jahren sei das Gebäude mit einem „hohen Anspruch an Material und Qualität“ geplant und errichtet worden, so Paarmann. „Damals war man stolz auf dieses Gebäude“, sagt der Kieler Denkmalpfleger. Jedoch sei in den Jahren nach der Eröffnung 1968 vieles verändert worden. „Wir haben jetzt ein Gebäude ohne größeren Wert“, sagt Paarmann. Ein Dorn im Auge des Denkmalschutzes sei der Anbau. Dieser müsste zurückgebaut werden, damit der Original-Charakter des Hauses wieder zum Vorschein komme. „Wenn Interesse bestünde, mit Denkmalpflegern zu sprechen, wie man die Qualitäten des Gebäudes herausstellen kann, bin ich der Letzte, der nicht zu Gesprächen bereit wäre.“ Sein Gesprächsangebot gelte für alle Seiten – Gegner wie Abrissbefürworter. „Noch hat aber niemand gefragt“, sagt Paarmann und weist darauf hin, dass die Landesdenkmalpfleger auch bei einer „gemeinsamen Finanzierung behilflich sein“ würden. Damit bestünde die Chance auf Landesmittel, deren Verwendung die Denkmalpfleger in entsprechende Bahnen – also auch nach Eutin – lotsen könnten.

Auch wenn Kiel weit entfernt ist: Die Diskussion um das Haus hat bis in die Landeshauptstadt ausgestrahlt. Paarmann hat sie aufmerksam verfolgt, wenn auch nicht mit Freude. „Die Fronten scheinen sehr verhärtet“, sagt der Landeskonservator, der für keine Seite Partei ergreifen möchte. Schließlich gehe es in der Auseinandersetzung „doch nur um ein Stück Architektur“, sagt Paarmann.



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