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Ostholsteiner Anzeiger

20. Oktober 2017 | 13:42 Uhr

„Es hört nie auf, Konflikte zu geben“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ergebniskonferenz für das Dialogverfahren zur Ostküstenleitung / Nur ein Erdkabel-Abschnitt bei Oldenburg / Hitzige Diskussionen

shz.de von
erstellt am 08.Jun.2016 | 20:39 Uhr

Die Hoffnung vieler Ostholsteiner Gemeinden, dass die geplante Ostküstenleitung vor ihrer Haustür als Erdkabel verlegt wird, hatte Umweltminister Robert Habeck (Grüne) bereits während des zweiten Dialogverfahrens gedämpft. Netzbetreiber Tennet hatte im nördlichen Teil der Ostküstenleitung drei Streckenabschnitte für eine Erdverkabelung geprüft. Im Ergebnis komme solch eine Verlegung jedoch nur bei Oldenburg/Göhl infrage, sagte Habeck am Dienstagabend im Kreishaus in Eutin. Die „Erdkabel-Aspiranten“ Schlamin und Lensahn/Manhagen gingen somit leer aus.

Die rund vier Kilometer lange Erdverkabelung bei Oldenburg habe mehrere Vorteile. Tennet-Mitarbeiter Till Klages nannte unter anderem die „hohe Siedlungsentlastung“ und den „Schutz der Zugvögel“ in dem Gebiet als Faktoren, die zum – vorläufigen – Entschluss geführt haben, dort die Freileitung gegen eine Stromtrasse „unter Tage“ zu tauschen. Noch müsse aber weiter geplant, sich vor allem mit Bodenkundlern abgestimmt werden. Denn neben den Landwirten sorgen sich die Archäologen um den Boden.

Dass nicht alle mit diesem Ergebnis des Dialogverfahrens einverstanden waren, zeigten auch die Wortbeiträge aus dem Publikum. „Die Trasse ist Landschaftsverschandelung“, sagte Hans-Christian Nell aus Groß Meinsdorf. Und legte in Richtung Habeck nach: „Sie tragen ein Brett vorm Kopf, das heißt 380 kV.“

Andere aus dem Publikum mahnten Defizite im Bürgerdialog an – wie Landwirt Heiner Kröger aus Wulfsdorf. Denn in seinem Wohnort war bislang die genaue Trassenführung unbekannt. Laut Tennet sei jedoch kommuniziert worden, dass die Leitung östlich von Wulfsdorf verlaufen solle.

Andere Teilnehmer zweifelten den Bedarf der Leitung, mahnten – teilweise unter Applaus – Nachprüfungen an, ob nicht 220-kV-Leitungen ausreichten. Habeck und Klages wiederum verwiesen darauf, dass die Bundesregierung die Ostküstenleitung als 380-kV-Pilotstrecke ausgewählt habe, die zudem Anfang dieses Jahres für eine Teil-Erdverkabelung ausgewiesen wurde.

Durch die Leitung vom Kreis Segeberg über Lübeck bis nach Ostholstein soll Windstrom aus Schleswig-Holstein nach Süddeutschland transportiert werden. Mitte 2018, so Klages, soll das Planfeststellungsverfahren beginnen, 2022 soll die Leitung fertig sein.

Die ebenfalls geprüfte Seebädervariante, die im Dialogverfahren 2014/2015 als zweitbester Korridor abgeschnitten hatte, würde dagegen zu einer „Überbündelung“ führen und wäre wegen der A  1, vorhandener 110-kV-Leitungen und der Bahnstrecke für die Hinterlandanbindung auf sehr engem Raum schwer zu realisieren, sagte Klages. Die favorisierte Variante im Hinterland geht zwar durch freiere Landschaft, sie sei aber insgesamt gesehen für die Menschen in Ostholstein der geringere Eingriff, sagte Habeck.

Die Reaktionen der Bürgermeister der betroffenen Gemeinden waren zweigeteilt: Martin Voigt (Oldenburg) wies darauf hin, dass „die Unsicherheiten bei Bau und Betrieb des Erdkabels überprüft werden müssen“. Amtskollege Volker Weidemann (Sierksdorf) nahm den Trassenverlauf im Hinterland mit Erleichterung entgegen: „Wir sind einigermaßen dabei weggekommen.“ Süsels Verwaltungschef Holger Reinholdt wies wiederum auf die „große Betroffenheit“ der Süseler durch den Trassenverlauf hin, die „für die Einwohner nicht hinnehmbar“ sei.

Auf dem Abschnitt zwischen den Orten Göhl und Sebent soll die 380-kV-Leitung auf einer Strecke von gut vier Kilometern Länge unterirdisch geführt werden – unter dem Naturschutzgebiet Oldenburger Graben hindurch. Das entlaste Anwohner von weiterer Infrastruktur und diene zugleich dem Vogelschutz in einem sensiblen Gebiet, sagte Habeck vor rund 200 Zuhörern. Noch nicht bekannt sei die technische Machbarkeit, ergänzte Tennet-Mitarbeiter Klages. Angedacht ist, die Leitung im Spülbohrverfahren in rund 1,6 Metern Tiefe zu verlegen. Knackpunkt sind die Kosten: Das Erdkabel sei laut Tennet fünf bis zehn Mal so teuer wie die Freileitung. Die Mehrkosten würden deutschlandweit auf die Strom-Kunden umgelegt. Staatssekretärin Ingrid Nestle räumte auf mehrfache Nachfragen von Zuhörern ein, dass es unbefriedigend sei, dass man so wenig über die Kosten weiß.

Trotz Abschluss des Dialogverfahrens sagten Tennet und Habeck, dass es weiterhin möglich sei, Eingaben zum Trassenverlauf zu machen. Dennoch war sich Habeck sicher: „Es hört nie auf, Konflikte zu geben.“

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nfomärkte in Ratekau, Süsel und Manhagen sollen vom 27. bis 30. Juni Gelegenheit geben, Einblick in die Planungsunterlagen zu geben. Weitere Infos unter www.tennet.eu.

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