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Ostholsteiner Anzeiger

18. Dezember 2017 | 02:38 Uhr

Eutin : Es ging um mehr als Spaß

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Mäßiger Besuch der „Ice Bucket Challenge“. Veranstalter hofft auf Multiplikatorwirkung.

shz.de von
erstellt am 22.Sep.2014 | 07:00 Uhr

So bekannt die „Ice Bucket Challenge“ zugunsten ALS-Erkrankter im Netz auch ist – sogar Torsten Albig hatte mitgemacht – auf dem Eutiner Marktplatz war am frühen Sonnabend erschreckend wenig los. Dabei war die Idee von Tim Heringslack (23) wirklich gut: „Mir kam auf Facebook die eigentliche Krankheit zu kurz, jeder kippt sich allein einen Eimer über den Kopf, aber worum es wirklich geht, findet nicht die nötige Beachtung. Deshalb habe ich mir gedacht, man kann das größer, gemeinsam und informativer machen.“

Binnen drei Wochen plante er die Veranstaltung mit seiner gleichnamigen Eventagentur – und rannte offene Türen ein. Der ortsansässige Hagebau spendierte rund 200 Eimer inklusive 1000 Liter Wasser, die Stadt stellte die Fläche – weil Benefizveranstaltung – kostenlos zur Verfügung, Bühne und Bands kamen dank Kontakten.

Doch trotz guten Wetters war der Marktplatz vor der Bühne am Rathaus eher mau besucht. Das Antwort-Portfolio der wenigen Anwesenden reichte von „zufällig hier“ bis „Ich finde es toll und unterstützenswert, wenn junge Menschen etwas auf die Beine stellen“. Aber für die Krankheit spenden oder an der Aktion teilnehmen und sich selbst einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf kippen, wollten die wenigsten. Aber es gab auch die Ausnahmen wie Adrian Redepenning (22). Der junge Familienvater kam mit Frau und Kind, weil er bei der Aktion dabei sein wollte. „Die Krankheit ist so schlecht erforscht, da muss man für den guten Zweck mitmachen“, sagte er. Auf Facebook hat er ebenfalls schon ein Video von sich gepostet, wie er an der sogenannten „Ice Bucket Challenge“ teilnimmt. Spenden will er auch heute.

Sven Boller kam eher zufällig vorbei und nach anfänglicher Überlegung, ob das kalte Wasser gut für sein Herz ist, entschied er sich neben der Spende auch für die kalte Dusche.

„Wenn es wenigstens 20 sind, die es dann wieder 20 Leuten erzählen und sich das so publik macht, haben wir auch etwas erreicht“, sagte Heringslack, kurz bevor das letzte Lied der Bands von der Musikschule „School of Rock“ aus Timmendorfer Strand verstummte. Eigentlich war jetzt der Moment, an dem Heringslack die wenigen Zuhörer über ALS informieren wollte, von seinen Gesprächen mit Ärzten und Betroffenen berichten. Doch die Zeit drängte – „Wir müssen eigentlich schon leise sein, wegen des Blues-Contests“. Dabei hatte auch schon alles etwas später begonnen, weil der ADAC, der den Bühnenplatz freimachen sollte, länger für den Abbau brauchte. Es stand anders in seinem Konzept, als es gelaufen ist.

Doch letztlich stellten sich immerhin 23 Eutiner auf dem Marktplatz der „Ice Bucket Challenge“, darunter viele Kinder. „Hast du keine Angst vor einer Erkältung?“, fragte ein Junge seinen etwa zehn Jahre alten Freund. Die Antwort: „Und selbst wenn, was ist schon meine Erkältung gegen eine unheilbare Krankheit, gegen die mehr getan werden muss?“ Wenn nur ein Bruchteil dieser Botschaft verbreitet wird, hatte Veranstalter Tim Heringslack mit seiner Idee schon Erfolg.

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