„Es geht um ein modernes Eutin“

Stadtfest-Veranstalterin Claudia Falk beim Eintrag ins Buch.
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Stadtfest-Veranstalterin Claudia Falk beim Eintrag ins Buch.

Gut 300 Gäste beim Neujahrsempfang von Stadt und Aufklärungsbataillon – faires, demokratisches Miteinander soll Ziel für 2018 sein

shz.de von
15. Januar 2018, 00:15 Uhr

Sana-Klinik, faires Miteinander und Stadtsanierung waren die Themen beim Neujahrsempfang der Stadt Eutin, die gemeinsam mit dem Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“ in die Schlossterrassen geladen hatte. Gut 300 Gäste, darunter zahlreiche Vertreter aus Politik, Kultur, Wirtschaft, Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst sowie andere andere Ehrenamtliche waren gestern Mittag gekommen.

Wenngleich das vergangene Jahr „mit einer aufgeregten Stimmung und Stress“ mit Blick auf die bevorstehende Stadtsanierung im Herzen der Fußgängerzone sowie zwei Bürgerinitiativen begonnen habe, so habe sich die Stimmung doch deutlich gebessert, sagte Bürgermeister Carsten Behnk in seiner Begrüßungsrede. Zur „konsequenten Befriedung“ sei es durch „die zielführenden Kommunikationsformate“ gekommen, so Behnk im Verwaltungssprech. Knackige Statements zu strittigen Punkten bevorstehender oder zurückliegender Großprojekte gab es nicht, dafür eine wohlwollende Rückschau. Die „Multiprojektlage“ bleibe Eutin auch 2018 erhalten, sagte Behnk, der in diesem Jahr die Begrüßung etwas ausführlicher gestaltete und die Großprojekte allesamt aufzählte: „Dreifeldhalle, ZOB, Bahnhofssanierung, Feuerwehrgerätehaus, Schlossterrassen, Realisierung des Hotels an der Stadtbucht, die Jugendherberge, die Integration von Flüchtlingen als Daueraufgabe sowie die Reaktivierung des Tourismuses für Eutin.“ Letzteres brauche dringend ein Konzept. Außerdem stehe Eutin ein besonderes Gildejahr bevor, denn die Schützen feiern ihr 350-jähriges Bestehen in diesem Sommer. Behnk selbst wünsche sich für die Stadt „weise, mutige und zügige Entscheidungen in einem demokratisch-fairen Umgang in und mit der Politik“. Die Stimmung habe sich in der Stadt gebessert, „nun müssen wir weiter an der Erneuerung Eutins arbeiten, um uns auf die Zukunft vorzubereiten“, schloss Behnk seine Rede.

„Wir können in unserer Zusammenarbeit künftig auch noch ein bisschen besser werden“, erlaubte sich Bürgervorsteher Dieter Holst einen augenzwinkernden Seitenhieb zu Beginn seiner Ansprache, denn vieles, das Behnk bereits anschnitt, wiederholte sich in seiner Rede. Die gut 300 Gäste nahmen es mit Humor. Holst dankte allen Ehrenamtlichen der Stadt, „ohne die das gesellschaftliche Leben sehr viel ärmer“ wäre – ob in Kultur, Sport, Jugendhilfe, Integration oder anderen Bereichen.

Holst räumte auch Nachholbedarf bei den Schulgebäuden am Kleinen See ein, mahnte aber zum sachlichen Umgang miteinander, Eutin sei weiterhin ein guter Schulstandort. „Unwahrheiten, Unterstellungen und Halbwahrheiten dürften nicht genutzt werden, um Stimmung zu machen – im Allgemeinen sowie beim Schulthema. Nachdem die Entscheidung für einen Neubau der Grundschule am See getroffen wurde, stehe nun die Gemeinschaftsschule im Fokus zukünftiger Baumaßnahmen, so Holst. „Auch wenn manches mehrmals beraten werden musste, blieb die Stadtvertretung dem eingeschlagenen Weg treu“, sagte Holst. Auch die neugewählte Stadtvertretung, die es im Mai geben wird, habe als Grundlage ihrer Entscheidungen das Integrierte Stadtentwicklungskonzept, das Einzelhandelskonzept und das Verkehrskonzept. Hin und wieder müssten Konzepte von Zeit zu Zeit neuen Erkenntnissen angepasst werden, wie im Fall des Feuerwehrgerätehauses.

Zum Minus der Gartenschau: Sie werde zwar in Kombination mit dem Schwarzbuch der Steuerzahler gern genannt, so Holst, „aber ohne sie wäre die Innenstadtsanierung, wie wir sie erleben, nicht denkbar gewesen. Für uns ist sie ein Gewinn.“

Es gebe die Vision, Eutin zu modernisieren, betonte der Bürgervrosteher. „Es geht um ein modernes Eutin. Das muss man sich auch bei schwierigen Entscheidungen, die zu treffen sein werden, immer vor Augen führen.“ Holst vertraue darauf, dass die Stadt Entscheidungen treffen wird, die die Eutiner mittragen. Und er rief abschließend dazu auf, am 6. Mai zur Kommunalwahl zu gehen, denn nur eine hohe Wahlbeteiligung sichere eine handlungsfähige Stadtvertretung – und möglicherweise sein Amt: „Ich würde mich sehr freuen, wenn ich Sie im nächsten Jahr an dieser Stelle begrüßen dürfte“, schloss Holst seine Rede, denn der Bürgervorsteher wird von der stärksten Fraktion gestellt. Diesen Titel hatte die CDU im Sommer an die SPD verloren, da Olaf Schmidt aus der Union ausgetreten ist und mit der SPD-Fraktion in der Stadtvertretung zusammenarbeitet.

Am Thema Sana-Klinik kam keiner vorbei: Holst betonte unter Beifall von Sana-Geschäftsführer Klaus Abel, dass die – egal ob Sanierung oder Neubau – das Krankenhaus nach Eutin gehöre. Schärfer klang Kreistagspräsident Ulrich Rüder: „Wir erwarten das Konzept der Sana dringend, alles andere erspare ich mir.“ Für die Eutiner Festspiele hatte Rüder hingegen Lob im Gepäck: „Ich freue mich über den eingeschlagenen Weg in die Zukunft mit dem neuen Mitgesellschafter Falk Herzog. Wir müssen gemeinsam für eine sichere Zukunft der Festspiele sorgen, der Kreis wird seinen Beitrag dafür leisten.“

Völlig frei hielt Oberstleutnant Alexander Radü, Chef des Eutiner Aufklärungsbatallions, seine wohl beste Rede zum Abschluss seiner Dienstzeit in Eutin. Am 6. April ist Übergabe-Appell, Radüs letzte Amtshandlung in Eutin. Er äußerte große Dankbarkeit: „Es ist unverändert grandios, mit welcher Normalität der Bataillon in der Stadt verankert ist. Wir sind fest eingebunden, man denkt an uns und das ist keine Selbstverständlichkeit.“ Seit Februar 2017 seien alle Soldaten aus den Einsätzen nach Eutin zurückgekehrt, die ersten gehen aber bereits morgen wieder in den Einsatz. Gemeinsam mit dem Standort Oldenburg werden binnen der nächsten drei Jahre rund 90 Soldaten nach Afghanistan und in den Nordirak gehen, „Tendenz steigend“, so Radü. Am 21. und 22. September lädt der Bataillon zum „60. Geburtstag“ mit einem Tag der offenen Tür. „Wir feiern nur an einem Wochenende und nicht wie die Gilde das ganze Jahr“, sagt Radü scherzhaft.

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