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„Erziehung statt Haft“ für straffällige junge Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ein junger Flüchtling wird bei einem Diebstahl erwischt oder beim Schwarzfahren: Jugendrichter und -staatsanwälte sollen künftig neue Möglichkeiten haben, solchen leichten Delikten zu begegnen. Dafür übergab Justizministerin Anke Spoorendonk (SSW) gestern in Malente Förderbescheide für drei Modellprojekte, die sich um junge Straffällige mit Migrationshintergrund kümmern sollen. „Mit erzieherisch-pädagogischen Maßnahmen betreten wir Neuland, um aufkeimendes kriminelles Verhalten bei jungen Flüchtlingen nachhaltig zu verhindern“, erklärte Spoorendonk. „Wir wollen Erziehung statt Haft“, fügte sie hinzu. Insgesamt geht es um eine Fördersumme in Höhe von rund 150  000 Euro für zunächst ein Jahr.

Der Uwe-Seeler-Fußballpark als Ort der Veranstaltung war mit Bedacht gewählt, denn am Projekt „Fußball Interkulturell/Integrativ“ ist auch der Schleswig-Holsteinische Fußballverband (SHFV) beteiligt. Gemeinsam mit den „Grone-Bildungszentren“, der „Kanzlei für Konfliktmanagement und Mediation“ sowie dem Verein „Anstoß! Bundesvereinigung für soziale Integration durch Sport“ soll jungen Straftätern mit Hilfe des Fußballs ein sozialer Trainingskurs in Sachen Demokratie und deutscher Gesellschaft vermittelt werden. Dabei will der SHFV helfen, die Betroffenen in Fußballvereinen im ganzen Land zu integrieren. Das Projekt wird mit 50  000 Euro gefördert.

Ebenfalls 50  000 Euro lässt sich das Justizministerium das Ehrenamtsprojekt „Integration durch Integrierte“ kosten. Dabei will der Kieler Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) bereits integrierte Migranten schulen, damit diese ehrenamtlich straffällig gewordene junge Migranten begleiten, um ihnen ein Zugehörigkeitsgefühl in die deutsche Gesellschaft zu vermitteln.

20  000 Euro fließt in das Anti-Gewalt-Training „Dost“. Das Kürzel steht nicht nur für „Deliktorientiertes Sozialtraining“, sondern bedeutet auf türkisch auch „Freund“. Umgesetzt wird es auf Anfrage landesweit vom Kieler Antigewalt- und Sozialtraining „Kast“.

Spoorendonk zeigte sich überzeugt, dass Erziehung und Haftvermeidung sinnvoller seien als Haftstrafen. „Alle Rückfalluntersuchungen und die kriminologische Forschung zeigen, dass eine gelingende Resozialisierung und damit auch der beste Opferschutz vorrangig durch behandlungsorientierte ambulante Sanktionen zu erreichen sind.“ Der Fördermittelvergabe ging im Vorjahr die Bedarfsanalyse einer Koordinierungsstelle beim Land voraus. Dabei seien Polizei, Jugendrichter und
-staatsanwälte befragt worden, sagte Ralph Döpper, Leitender Oberstaatsanwalt bei der Generalstaatsanwaltschaft in Schleswig.

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erstellt am 10.Apr.2017 | 13:11 Uhr

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