Erst nach Feierabend wurde es ernst

Henning Höffner (Mitte) ist sehr stolz auf die Rettungsschwimmer Tobias Schneider (links) und Sebastian Stahl.
Henning Höffner (Mitte) ist sehr stolz auf die Rettungsschwimmer Tobias Schneider (links) und Sebastian Stahl.

Zwei junge Rettungsschwimmer aus dem hessischen Wildeshausen sind nach Dienstschluss zu Lebensrettern geworden

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06. Juli 2018, 15:16 Uhr

Nahezu unbemerkt von einer großen Öffentlichkeit sind zwei Jugendliche aus Wildeshausen ganz unerwartet zu Lebensrettern geworden. An der Kieler Bucht haben die beiden Rettungsschwimmer der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) aus Wildeshausen, Tobias Schneider (17) und Sebastian Stahl (16), zwei Jugendliche, die ihre Kräfte offenbar überschätzt hatten, aus der Ostsee gezogen und so vor dem Ertrinken gerettet.

Die beiden Wildeshausener Teenager hatten sich erstmals zusammen mit ihrem Ausbilder Henning Höffner (38) als Ehrenamtliche für einen sogenannten Zentralen Wasserrettungsdienst Küste bei der DLRG beworben. Als Einsatzort war ihnen ein Strandabschnitt in Schönberg zugewiesen worden, wo sie in einer Gruppe von 15 Personen täglich zwischen 9 und 18 Uhr ihren offiziellen Wachdienst versahen.

Besagte Rettungsaktion ereignete sich erst nach Feierabend: „Wir wollten vor dem Abendessen noch eben selbst baden gehen und sind zu viert zur Seebrücke rausgeschwommen“, erzählt Tobias Schneider. „Nach etwa 200 Metern haben wir hinter uns Hilferufe gehört“, berichtet Sebastian Stahl weiter. Zwei offensichtlich erschöpfte Personen gaben bei ruhiger See Zeichen, in Not geraten zu sein. Der Wachposten am Strand war jedoch nicht mehr besetzt.

„Wir sind dann im Wasser umgedreht und jeweils zu zweit auf eine der Personen zugeschwommen“, erinnern sich die Nachwuchsretter, die noch mit zwei jungen DLRG-Schwimmerinnen im Meer waren. Den älteren der beiden Jungen ausländischer Herkunft, der, wie sich später herausstellte, 14 Jahre alt war, zog Tobias Schneider im Abschleppgriff ans Ufer zurück. Ein zehnjähriger Junge hängte sich mit beiden Händen an Sebastian Stahls Schulter und erreichte so den Strand. Kurios: Trotz seiner Notlage hatte sich der Zehnjährige geweigert, von einer weiblichen Schwimmerin gerettet zu werden.

„Als wir an Land waren und gesehen haben, dass beide noch genügend Kraft hatten zu gehen und von ihren Familien in Empfang genommen wurden, sind wir schnell los zum Abendessen, weil wir schon spät dran waren und unsere Gruppe sich keine Sorgen machen sollte“, so Tobias und Sebastian.

Henning Höffner, Leiter Ausbildung bei der DLRG-Ortsgruppe Wildeshausen, ist mächtig stolz auf seine beiden Schützlinge: „Das zeigt mir, dass unsere Ausbildung und unser Training nicht schlecht zu sein scheint.“ Dennoch habe er seinen jungen Kameraden, die gerade ihren Realschulabschluss gemacht haben, deutlich machen müssen, dass es besser gewesen wäre, die Geretteten am Strand erst einmal weiter zu betreuen. Doch aus dieser Unerfahrenheit würden sie sicher lernen, ist Höffner überzeugt, der während seines Aufenthaltes in Schönberg als Wach- und Bootsführer eingeteilt war.

Tobias Schneider, der demnächst auf die zweijährige Berufsfachschule Informationstechnischer Assistent geht, und Sebastian Stahl, der eine Ausbildung zum Metallbauer beginnt, sind von ihrem einwöchigen Wachdienst an der Küste nur mit positiven Eindrücken zurückgekehrt: „Wir waren da mit vielen in unserem Alter zusammen, die aus ganz Deutschland kommen und mit denen wir immer noch Kontakt haben.“

Die ersten Geburtstagseinladungen nach Frankfurt und in die Pfalz seien bereits ausgesprochen. Auch wenn beim Wachdienst die meiste Zeit Pflaster geklebt und Sonnenbrände behandelt wurden, so sei für sie klar: Wachdienst am Meer sei für sie nicht das letzte Mal gewesen.

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