Schönwalde : Ernstfall Karneval: "Man muss schon ein wenig verrückt sein"

Das Wohnzimmer als Bühne: Eine letzte Probe der Tanzgarde vor dem ersten Auftritt im Saal.
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Das Wohnzimmer als Bühne: Eine letzte Probe der Tanzgarde vor dem ersten Auftritt im Saal.

Wenn am Lachsbach die tollen Tage herrschen, haben die karnevalsbegeisterten Mitglieder des TSV Schönwalde bereits mehrere Monate ernsthafter Arbeit hinter sich.

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07. März 2011, 11:05 Uhr

schönwalde | Seit den Herbstferien schon proben die sechs Tanzgarden für ihre stimmungsvollen Auftritte. Gefragt ist ihr Parkettelan längst nicht nur bei den eigenen Festen, sondern auch bei anderen Veranstaltungen.

Allein in den drei Kinder- und Jugendgarden schwingen 35 Mädchen im Alter von sechs bis 13 Jahren die Beine. Für sie war der Kinderkarneval in Schönwalde gestern der Höhepunkt einer langen Reihe von Auftritten, die sie in Altenheimen und bei Vereinen in Ostholstein absolvieren.

Wovon alle kleinen Funkenmariechen träumen, ist klar: Sie wollen einmal den "Aufstieg" in die Funkengarde schaffen, die den Elferrat beim jährlichen Einmarsch in den Festsaal begleitet und damit den offiziellen Beginn des Karnevals in Schönwalde markiert.

Aktuell tragen acht Frauen die rot-weiße Funkengarde-Uniform mit Rock und Rüschenhöschen. Daneben hat sich im Laufe der Jahre die Tanzgarde gebildet, die mit jährlich wechselnden Tänzen und darauf abgestimmten Kostümen für Stimmung sorgt. Die Riege der närrischen Tänzer komplettiert die siebenköpfige Männergarde, die speziell die weiblichen Zuschauer regelmäßig in Ekstase versetzen. Am Sonnabend wurden ihnen im Saal Büstenhalter und Blumen zugeworfen.

Regie bei den Garden führen seit Jahren Petra Appel, Anja Bünning sowie Andrea und Birgit Plötner. Zu Beginn der Proben ist das Tanzen noch normales Hobby mit wöchentlichen Terminen. Je näher die Karnevalssaison kommt, desto enger rücken alle zusammen, bis dann am Wochenende vor Rosenmontag das Haus der Familie Appel zur Schaltzentrale wird.

Im Keller werden Funken- und Tanzgarde für ihren Auftritt herausgeputzt. Die Einstimmung auf das Abendprogramm beginnt bereits Stunden zuvor. Ein Buffet, zu dem jede der knapp 20 Gardefrauen etwas beiträgt, verkürzt die Zeit und bringt Stärkung gegen das merklich steigende Lampenfieber. Im Wohnzimmer wird eine kleine Tanzfläche frei geräumt, um letzte Probendinge zu erledigen.

Aufregung gibt es bei der ersten vollständigen Anprobe der Kostüme. Hier und da kneift und zwickt es noch. "Ich brauche doppeltes Klebeband, mein Höschen rutscht", ruft eine Tänzerin. Schnell hat Petra Appel aus dem reichhaltigen Fundus ein passendes Rüschhöschen parat. Das letzte Problem des Abends scheint aus dem Weg geräumt. Nicht ganz: Ihre Mutter näht noch schnell Fransen an das Indianerkostüm, das sie bereits trägt.

Und nicht jede Frau ist

mit der Perücke zufrieden: "Blond steht mir nicht." An zwei provisorisch eingerichteten Frisierplätzen im Kellergang leisten Schönwalder Frisörinnen Schwerstarbeit, um die Gardistinnen oben herum flott zu machen,

Je näher die Zeit zum Aufbruch rückt, desto mehr ähnelt es im Hause Appel einem Ameisenhaufen. In jeder Ecke zupft jemand sein Kostüm zurecht, und die Tanzstiefel werden mit Haarspray auf der Sohle "haftbar" gemacht. Dann kommt der Bus, der die Tänzerinnen zum Saal fährt.

Die Entscheidung, in einer der zwei Spaß-Garden aktiv zu sein, kostet neben Zeit auch Geld. Während die

Uniformen der Kinder- und Funkengarde Vereinseigentum sind, finanzieren Tanz- und Männergarde ihre ständig wechselnden Kostüme selbst. Anja Bünning: "Man muss schon ein wenig verrückt sein und nicht nach dem Sinn fragen, wenn man sich für den Karneval entscheidet."

Gleiches gilt für den Elferrat, der neben der Dekoration der Räumlichkeiten auch für die Ordnung im Saal verantwortlich ist. "Dafür nehmen einige extra Urlaub. Ohne den Spaß an der Gemeinschaft wäre das Arbeit und kein Vergnügen", kennt Petra Appel das Geheimnis des Erfolges für den Karneval am Lachsbach.

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