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Ostholsteiner Anzeiger

25. November 2017 | 01:25 Uhr

Erlenstädt: Lieber Lösungen finden

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Richterin Anke Erlenstädt tritt bei Strafverfahren die Nachfolge von Otto Witt an / Der Richter geht im Frühjahr 2018 in Ruhestand

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2017 | 00:24 Uhr

Sie ist im Saal A des Amtsgerichts Eutin die Neue: Anke Erlenstädt. Die Richterin behandelte in
dem Haus am Jungfernstieg bisher Familien- und Landwirtschaftssachen, wechselte zum 25. September zu den Strafsachen, die nun den größten Teil ihrer Arbeit ausmachen. Grund der Veränderung ist, dass Richter Otto Witt Ende März in Pension geht.

Es seien große Fußstapfen, die ihr Kollege hinterlassen werde, sagt Erlenstädt. Die 45-Jährige zweifelt nicht, sie fachlich und versiert ausfüllen zu können. Die dreifache Mutter hat indes keine volle, sondern eine halbe Stelle.

Geboren und aufgewachsen ist Anke Erlenstädt in Salzgitter, studierte Jura in Göttingen und trat 1998 ein Referendariat am Landgericht Lübeck an. Zwei Jahre lang sammelte sie Erfahrungen bei der Staatsanwaltschaft, an der Zivilkammer, dem Verwaltungsgericht und der Großen Strafkammer. Ein Abstecher führte die angehende Richterin an das Verwaltungsgericht in Hamburg. „Ich wäre gerne nach Hamburg gegangen“, erinnert sich Erlenstädt, doch dort hätte sie zu lange auf eine Zulassung warten müssen.

Anke Erlenstädt blieb in Lübeck und übernahm als Richterin auf Probe ihre ersten Fälle. Auf Probe bedeute, keine Festanstellung zu haben und im ersten Jahr noch nicht jedes Verfahren führen zu dürfen. Während der drei Jahre bis zur Festanstellung habe sie nicht nur am Landgericht, sondern auch an den Amtsgerichten in Ratzeburg, Mölln und Eutin, das damals noch Direktorin Hanna Wege leitete, gearbeitet. An den Amtsgerichten habe sie Strafverfahren geführt. In ihrer Lübecker Zeit bildete Erlenstädt auch Referendare aus, organisierte deren Einsätze und prüfte im Zweiten Staatsexamen.

Nach der Geburt ihres dritten Kindes 2011 wollte sie Neues machen. In Eutin sei es immer nett gewesen: „Das Schöne am Amtsgericht ist, das man näher am Menschen ist.“ Und die Akten seien dünner als die am Landgericht. 2013 wechselte Erlenstädt an das Amtsgericht Eutin und übernahm Familiensachen. Sie nutzte ihre Kenntnisse als Mediatorin und setzte sich im Haus für Supervision ein. Ein kurzer Abstecher führte Erlenstädt an das Oberlandesgericht Schleswig. Dort habe sie die Familiensachen aus Sicht der Beschwerdeinstanz betrachten können. „Das war dauerhaft nichts für mich.“

Die Scharbeutzerin kommt gerne zur Arbeit, wie sie sagt. Sie habe bereits im Referendariat gelernt, dass sie lieber Lösungen finde, als das Interesse eines Einzelnen zu vertreten. Den Menschen im Gerichtssaal wolle sie mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen. „Ich möchte so sprechen, dass jeder, der den Saal verlässt, weiß, was passiert ist, warum es passiert ist und warum es so passiert ist.“

Bevor Erlenstädt, die auch dem Landesjugendhilfeausschuss und dem Richterwahlausschuss angehört, Verfahren im Erwachsenenstrafrecht übernahm, besuchte sie einige Verhandlungen ihres Kollegen. Sie habe sich ein Bild machen wollen und festgestellt, die Atmosphäre sei dort üblicherweise weniger angespannt als bei Familiensachen. Bei denen spielten über lange Zeit entstandene Konflikte und damit Emotionen eine größere Rolle.

Leichter wird die neue Aufgabe nicht, da ist Anke Erlenstädt sicher. Das Arbeitspensum habe zugenommen. Und die Verfahren seien umfangreicher geworden.

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