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Ostholsteiner Anzeiger

21. August 2017 | 12:27 Uhr

Erinnerungen an Nykøbing

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

BSG Eutin veranstaltet am Sonnabend einen Kampftag – Reinhold Timm boxte 1964 gegen eine Staffel aus Dänemark

„Wenn wir geboxt haben, war die Bude immer voll“, sagt Reinhold Timm. Die Boxstaffel des Polizeisportvereins Eutin war für ihre Klasse bekannt und so war auch das „Deutsche Haus“ in Malente Ende November 1964 ausverkauft, als der
PSV Eutin mit einer Staffel aus Nykøbing in Dänemark kämpfte. Der damals 24jährige Reinhold Timm kämpfte gegen den Dänen Christophersen – aus dessen Ecke schließlich das Handtuch
als Zeichen der Aufgabe flog. 50 Jahre später kommt es erneut zu einem Vergleich mit Faustkämpfern aus Dänemark. Gastgeber ist dann die BSG Eutin. Und Reinhold Timm wird am Ring verfolgen, wie sich die Boxer am Sonnabend, dem 1. November, in der Sieverthalle präsentieren.

„Timmi, wenn du boxt, weiß ich immer, die Sache geht jetzt los“, sagte damals Fritz Latendorf, der schon in der sechziger Jahren ein umtriebiger Sportfunktionär war. Reinhold Timm war nicht nur im Boxsport, sondern auch im Fußball ein Mann der Tat. So trainierte er den Kickernachwuchs des TSV Heiligenhafen und dort unter anderem die Brüder Hans-Friedrich „Mecki“ und Olaf „Ole“ Brunner. „Ich habe mir gedacht, dass ich beim Boxen mehr erreichen kann als im Fußball“, blickt Timm zurück. Die Einschätzung war offensichtlich richtig. Timm verpflichtete sich 1958 für zwei Jahre beim Bundesgrenzschutz (BGS) und wurde in Ratzeburg stationiert. Er boxte für den PSV Eutin und pendelte oft zweimal pro Woche für das Training in der Sporthalle Hubertushöhe bei Lothar Schwandt die knapp 100 Kilometer nach Eutin. Beim BGS lernte er den Lehrer Dr. Alfred Block kennen, der Vorsitzender des Ratzeburger Ruder Clubs war. So entstand die Verbindung zu „Ruderprofessor“ Karl Adam, dem bekannten Studienrat an der Lauenburgischen Gelehrtenschule Ratzeburg, der dem jungen Reinhold Timm
ein zeitsparendes Angebot machte: „Ausdauer und Kraft kannst du auch bei uns in Ratzeburg trainieren.“

Schnell wurde man auf das Talent des jungen Sportlers aufmerksam, der im November 1959 bei den deutschen Polizeimeisterschaften in Flensburg Vizemeister wurde. Die Folge: Reinhold Timm durfte im Olympischen Jugendlager die Olympischen Spiele 1960 in Rom verfolgen. Er gehörte zum Aufbaukommando, das im Olympischen Dorf Zelte als Unterkunft für die jungen Sportler aufbaute. „Wir waren zehn Tage vor der Eröffnungsfeier in Rom und haben mit unseren Sportjacken, auf deren Ärmel das schwarz-rot-goldene BGS-Abzeichen aufgenäht war, die Gegend erkundet. Dabei wurden wir oft für Olympiateilnehmer gehalten und mussten sogar Autogramme geben“, erinnert sich der 74-Jährige.

Als Dank wurden dem BGS insgesamt zehn Plätze im Jugendlager zugesprochen, die an hervorragende Sportler vergeben wurden, so auch an Reinhold Timm. Er hat seine Begegnungen mit den Olympioniken dokumentiert. In einem Fotoalbum haben unter anderem die US-Sprinterin Wilma Rudolph und der Boxer Nino Benvenuti unterschrieben. Natürlich hat Reinhold Timm viele Wettkämpfe besucht. Beeindruckt hat ihn das Box-Finale im Halbschwergewicht, das der Amerikaner Cassius Clay gewann.

Mit 15 Jahren absolvierte er seinen ersten Kampf, zwölf Jahre später absolvierte er bei den Landesmeisterschaften in Flensburg seinen 100. und letzten Kampf. Seine Bilanz weist 63 Siege, 17 Unentschieden und 20 Niederlagen aus. Er hat die meisten Kämpfe in der Klasse bis 60 Kilogramm, also im Leichtgewicht, absolviert. „Unvergesslich ist für mich der Aufenthalt in England. Dort bin ich innerhalb einer Woche dreimal in den Ring gestiegen – und habe dreimal gewonnen“, sagt Reinhold Timm mit strahlenden Augen.

Mit 27 Jahren beendete er sein Laufbahn, auch aus Rücksicht auf die junge Familie mit vier Kindern. Dem
Boxen blieb er trotzdem treu. Er wurde Funktionär, erst Presse- dann Rechtswart, 1999 Präsident, in dessen Amtszeit 2004 das Box-Leistungszentrum in Kaltenkirchen eingeweiht wurde. 2003 holte Reinhold Timm seine Handschuhe noch einmal vom Nagel, die er 1967 dorthin gehängt hatte. Da verewigten sich Boxsportler wie die Brüder Klitschko, Darius, der „Tiger“ Michalczewski und Artur Abraham auf ihnen.

Übrigens: Nach dem Kampf gegen den Dänen Christophersen gab Timm ein kurzes und knackiges Interview: „Ich habe ein paar schöne Dinger eingefangen, aber ich lasse mich doch nicht umhauen, da mache ich lieber kurzen Prozess!“

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erstellt am 26.Okt.2014 | 12:04 Uhr

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