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Erhaben im Ausdruck: Das „Deutsche Requiem“ von Brahms

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

shz.de von
erstellt am 24.Nov.2014 | 11:34 Uhr

Der bewegendste Moment: die ergreifende Totenstille zur Einkehr und zur inneren Zwiesprache mit Gott nach den verwehten Klängen des „Deutschen Requiems“ von Johannes Brahms in der voll besetzten Plöner Nikolaikirche. Diese Stille wirkte in den Menschen lange nach und ging unter die Haut.

Unter der Leitung von Henrich Schwerk führten die Plöner Kantorei, das Ensemble Vocal De L’Hurepoix (das Antoine Bretonnière einstudierte) und ein mit zahlreichen Instrumentalisten zusammengefügtes, großes Orchester am Totensonntag das geistliche Bekenntniswerk des damals etwa 33-jährigen Komponisten auf. Als Solisten sangen Mechthild Weber (Sopran) und Clemens Gnad (Bass).

Nach ruhigem Beginn wuchs der riesige, aus etwa 100 Sängerinnen und Sängern bestehende Gesamtchor trotz kleinerer Wackler bei den Übergängen im Laufe des Stücks zu einer beeindruckenden Einheit zusammen – mit seiner auf hohem Niveau dargebrachten Leistung vollends überzeugend.

Clemens Gnad hinterließ in seinen beiden Solo-Partien (Nr. 3: Herr, lehre doch mich, dass ein Ende mit mir haben muss und Nr. 6: Denn wir haben hie keine bleibende Statt) ebenso einen bewegenden Eindruck wie auch Mechthild Weber in ihrem zu Herzen gehenden Solo in Nr. 5 (Ihr habt nun Traurigkeit). Beide Solisten verliehen dem Ganzen ein seriöses, grundehrliches Gefühl eines persönlichen Gottesglaubens.

Mit bestens gewählten Tempi ganz nah am ruhigen Herzschlag brachte Schwerk seinen tief berührten Zuhörern die Leidenschaftlichkeit banger Vorahnung nahe. Das größtenteils sehr homogen aufspielende Orchester folgte willig seinem ausgewogenen Dirigat und sorgte seinerseits für leidenschaftliche Zartheit und flüsternde Seelentiefe des Ausdrucks. Die in der Partitur vorgeschriebene Bezeichnung „Langsam, marschmäßig“ des erschütternden, überirdisch schönen Vergänglichkeits-Satzes mit seinen eindringlich-homophonen Ausbrüchen und dem abschließenden, fugierten Freudesjubel versahen die Akteure mit würdiger Schönheit und nobler Leidenschaft. Selbst die am Ende nach dem großartigen sechsten Teil mit seiner sperrig zu intonierenden, stimmkräftig zu Gehör gebrachten Doppelfuge wehte erhaben durch den großen Kirchenraum, die vertrauensvolle Botschaft des Deutschen Requiems feierlich zu vermitteln.


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