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Bundestagswahl in Ostholstein-Nordstormarn : Erfolgsmodell „tolle Kanzlerin“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ingo Gädechens (CDU) ist der strahlende Sieger. SPD und Grüne zeigen sich enttäuscht. Buchholz (FDP) spricht von einer „derben Klatsche“.

shz.de von
erstellt am 22.Sep.2013 | 23:26 Uhr

Mit euphorischer Stimmung nahm die CDU in Eutin das Wahlergebnis auf: Als Direktkandidat Ingo Gädechens gegen 19 Uhr aus Fehmarn im Brauhaus zur Wahlparty seiner Partei eintrifft, empfangen ihn seine Anhänger begeistert mit minutenlangem rhythmischen Applaus. „ Es habe immer das Ziel gegeben, die 40-Prozent-Marke zu knacken. Dass nun deutlich darüber liegen, „freut mich wahnsinnig“.

Für Jubelschreie hatte die erste Prognose bei den CDU-Anhängern gesorgt. Doch das Strahlen in den Gesichtern wich innerhalb von Sekunden dem bassen Erstaunen über das Ergebnis der FDP. Gädechens befürwortet eine große Koalition, wenn es nicht für die absolute Mehrheit reichen sollte. Fast scheint es, als ob ihm dieses Szenario nicht nur Freude bereitet: „Dann wird eine große Fraktionsdisziplin notwendig sein“, sagt er voraus.

Immer wieder schaut Gädechens im Laufe des Abends auf sein Tablet-Computer, um zu sehen, wie er im Wahlkreis abschneidet. Obwohl sich schnell ein deutlicher Sieg über Bettina Hagedorn (SPD) abzeichnet, bleibt er lange angespannt: „Das ist eine Bestätigung meiner Arbeit“, wertet er schließlich seinen Sieg. Nach seinem ersten Einzug in den Bundestag 2009 habe er eine Lernphase absolvieren müssen, jetzt könne er da weitermachen, wo er aufgehört habe.

Mit Bedauern reagierte Gädechens auf das Abschneiden der FDP: „Ich hab ehrlicherweise gehofft, dass die FDP über fünf Prozent kommt.“ Das schlechte Abschneiden habe auch am Spitzenpersonal der FDP gelegen.

„Überrascht über die starken Zugewinne der CDU“ zeigte sich SPD-Direktkandidatin und stellvertretende Landesvorsitzende Bettina Hagedorn. Das Ergebnis bestätigte die absolute Popularität der Kanzlerin. Über das Abschneiden der eigenen Partei zeigte sich Hagedorn „enttäuscht“. Leider habe der inhaltliche Wahlkampf, der sich um die Themen Gesundheit, Arbeitsmarkt und Pflege gedreht habe, gegen den inhaltsleeren Wahlkampf der CDU nicht verfangen: „Die CDU hat nur einen Wahlkampf mit ihrer ,tollen Kanzlerin‘ gemacht, das hat sich als Erfolgsmodell erwiesen.“

Immerhin habe die SPD in Schleswig-Holstein deutlich besser als im Bundesdurchschnitt abgeschnitten, erklärte Hagedorn. Insgesamt habe man das Ziel zwar nicht erreicht, aber doch Stimmen hinzugewonnen. „Nun werden bei uns nicht die Messer gewetzt wie bei der FDP und den Grünen.“ Deren schlechtes Abschneiden bedauerte Hagedorn: „Die haben eine bemerkenswerte Bauchlandung hingelegt, das ist auch für uns nicht schön.“

Ihre eigene Haltung gegen die Feste Beltquerung bekräftigte Bettina Hagedorn auch angesichts ihrer Niederlage gegen Gädechens: „Ich werde mich da nicht ändern, das ist auch weiterhin meine Meinung.“

Deutliche Worte fand Ostholsteins FDP-Direktkandidat Dr. Bernd Buchholz für das miese FDP-Ergebnis: „Das ist eine derbe Klatsche für die FDP, da sie nicht in der Lage war, Regierungsverantwortung für sich selbst umzumünzen.“ Das sei auch eine Frage, wie sich das Personal darstelle. Er selbst werde sich weiter für seine Partei engagieren: „Das ist ein längerfristiges Projekt. Ich werde weiter für die liberale Sache streiten“, kündigte Buchholz an. Am Ende sieht er die FDP nicht, das Potenzial sei da: „Ich glaube, dass sich ganz viele die Augen reiben, dass es keine liberale Kraft mehr gibt in Deutschland.“ Immerhin schaffte die FDP im Wahlkreis Ostholstein – Stormarn-Nord deutlich die Fünf-Prozent-Hürde.

„Enttäuscht“ über das Ergebnis ihrer Partei zeigte sich Marlies Fritzen (Grüne). „Ich glaube, dass wir uns Gedanken darüber machen müssen, ob die Themengewichtung die richtige war“, erklärte die Landtagsabgeordnete. Die Grünen müssten sich wieder auf ihre Kernthemen konzentrieren, sagte sie mit Blick auf die Diskussion über die grünen Steuerpläne. „Das hat viele unserer Wähler verschreckt.“ Mittelfristig bedürfe es auch personeller Veränderungen, forderte Fritzen. Kritik übte sie am Lagerwahlkampf, den auch die Grünen geführt hätten. Man dürfe im Vorfeld keine Koalitionen ausschließen.

 

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