zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

17. August 2017 | 08:38 Uhr

Erfolgreich und mit sozialem Gewissen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Eine Kaufmannsfamilie hinterließ viele Spuren in Eutin – und schuf mit dem Hotel „Holsteinische Schweiz“ die Wiege des modernen regionalen Fremdenverkehrs

Der Familienname Janus bekam 1789 Bedeutung in Eutin. In diesem Jahr zog der Kaufmann Philipp Carl Friedrich Janus von Oldenburg in die Residenzstadt und eröffnete einen kleinen Krämerladen. Im Jahr 1807 kaufte der erfolgreiche Unternehmer das Lowtzowsche Palais vor dem Sacktor (heute Plöner Str. 1) und betrieb von dort einen erfolgreichen Landhandel mit Fuhrwerken.

1832 übergab er seinem Sohn Carl Diederich Jacob den Betrieb. Dieser erweiterte das Unternehmen durch den Verkauf von Manufakturwaren, was zu der Zeit sehr fortschrittlich war. Diese Handelswaren bildeten einen Übergang zwischen der rein handwerklichen Herstellung und der später daran anschließenden industriellen Fertigung.

Der Verkauf von Fertigkleidung war zu der Zeit eine Neuheit. Dass diese Entwicklung nicht nur Vorteile brachte, mag zum Beispiel
in Hinblick auf die traditionellen Handwerker einleuchten. Nicht ohne Grund hat sich Gerhart Hauptmann in seinem 1894 uraufgeführten Drama „Die Weber“ mit
den Auswirkungen der Industrialisierung auf die Gesellschaft auseinandergesetzt.

Die Janus-Familie brachte nicht nur gute Kaufleute hervor, sondern entwickelte auch gute Ideen und soziales Engagement. Schon 1873, also acht Jahre bevor Reichskanzler Bismarck die Sozialgesetze einführte, erkannte Carl Diederich Janus die Notwendigkeit einer Krankenkasse für Arbeiter. Sein Ziel war es, die Not der Arbeiter im Krankheitsfall zu lindern. Er gründete daher eine Arbeiter-Krankenkasse, die Januskasse.

Bereits im Jahr 1864 übernahm mit Sohn Johann Friedrich die dritte Generation das Geschäft und 1867 trat auch der jüngere Sohn Wilhelm in das Unternehmen ein. Die Brüder kauften ein Stück Land am Güterbahnhof und erweiterten den Betrieb.

Auch in Neustadt wurde Land direkt neben der Bahnlinie gekauft. Zusätzlich zu den Tuch-, Manufaktur-, Kolonial- und Eisenwaren handelten sie mit Getreide und Baustoffen wie Holz und Zement. Ähnlich wie Vater und Großvater waren die Brüder umsichtige Kaufleute. Die 1873 eröffnete Eutin-Lübecker-Eisenbahn brachte ihnen Vorteile für den Gütertransport. Im gleichen Zeitraum baute Johann Janus, der ältere der Söhne, auf eigene Kosten eine Straße, die nach ihm benannt wurde.
Die Janusstraße lief mit einem 90-Grad-Bogen auf die Güterstraße am Bahnhof (heute Elisabethstraße) zu. Die heutige Hospitalstraße war ursprünglich ein Teil der Janusstraße.

Der Ausbau des Zugverkehrs war nicht nur für den Handel wichtig, auch in Hinblick auf den Tourismus wurde er ein wichtiges Thema für Eutin. Aus den Großstädten Kiel, Hamburg, Lübeck und Berlin kam man an den Wochenenden nach Ostholstein, um „die Sommerfrische“ zu genießen.

Pferdekutschen brachten ihre Passagiere ins Grüne und zu den Gasthäusern der Umgebung. Johann Janus engagierte sich sehr in diesem Bereich. Er betrieb beispielsweise auf dem Kellersee das erste Ausflugsboot mit dem Namen „Uklei“ und sorgte dafür, dass das Ufer des Sees ansehnlich bepflanzt wurde, denn die Hänge waren teilweise kahl.

Ein Großprojekt von Johann Janus war 1885 der Bau des Hotels „Holsteinische Schweiz“ am Ufer des Kellersees in Krummsee. In der Nähe wurde sogar eine Bahnstation errichtet, was die Erreichbarkeit des Hauses extrem verbesserte. Heute befindet sich in dem Hotel das Bildungszentrum der Steuerverwaltung Schleswig-Holstein.

Der jüngere Bruder Wilhelm Janus beschäftigte sich unterdes mit dem Wohnungsbau in seiner Heimatstadt Eutin. Auf dem Kampgelände kaufte er Land und baute eine Straße, die seinen Namen „Wilhelm“ trug. Im Gegensatz zur Wilhelmshöhe bezieht sich dieser Straßenname also nicht auf den Kaiser. So hatte Wilhelm Janus in diesem Punkt mit seinem Bruder nun gleichgezogen, auch wenn diese Straße recht kurz ist.

Auch Wilhelm ließ sich die Chancen, die der Tourismus bot, nicht nehmen. 1884 kaufte er das Haus, in dem Johann Heinrich Voß gelebt hatte, und sanierte das in die Jahre gekommene Gebäude von Grund auf, um dort ein Gasthaus zu errichten. Das 1885 eröffnete Voß-Haus erfreute sich über viele Jahre großer Beliebtheit, wurde aber in der Nacht zum 30. Januar 2006 durch Brand zerstört. Eutiner Bürger haben nicht aufgehört, darauf zu hoffen, dass dort eines Tages wieder ein der Umgebung angemessenes Gebäude entsteht und die Narbe aus dem Stadtbild verschwindet. Die Tante der beiden Brüder, Julie Janus, wohnte in der Lübecker Straße, in dem Haus, das heute als Jugendzentrum genutzt wird. Das Oberlicht über der Tür trägt heute noch, in das Glas graviert, den Schriftzug W. Janus, was auf den Eigentümer hinweist. Wer genau hinschaut, kann oberhalb der Tür die Inschrift „Julienheim“ erkennen.

Julie war reich und blieb unverheiratet. Sie widmete sich vielfältigen karitativen Dingen. Die 1873 gegründete Freiwillige Feuerwehr bekam zum Beispiel eine Spende für die Anschaffung einer Feuerwehrspritze. Bedenkt man, dass die Arbeitsgeräte zum Löschen in der Zeit davor lederne Eimer, Leitern und Einreißhaken waren, dann kommt dieser Neuerung eine große Bedeutung zu.

1874 stiftete Julie 18 000 Mark zum Bau eines Krankenhauses, das 1877 bis 1879 gebaut wurde. Zuvor gab es nur eine Art Pflegestelle, in der auch psychisch Kranke untergebracht waren. Weitere Spender schlossen sich dem Beispiel von Julie Janus an, und so entstand ein Hospital mit zwölf Betten, das nach und nach erweitert wurde.

Schon bei der Grundsteinlegung bestimmte Großherzog Nikolaus Friedrich Peter die Bezeichnung „Julienhospital“ nach dem Vornamen der großzügigen Spenderin. Mit den Sana-Kliniken steht heute schon die dritte Krankenhausgeneration auf dem Gelände an der Hospitalstraße.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Feb.2014 | 18:12 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen