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Ostholsteiner Anzeiger

24. September 2017 | 12:38 Uhr

Fielmann-Akademie : Erdenblick eines Astronauten

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ulf Merbold, der als erster Westdeutscher ins All flog, war bei beim 25. Kolloquium der Fielmann-Akademie zu Gast

shz.de von
erstellt am 27.Apr.2014 | 15:00 Uhr

Das Thema „Sehen“ in all seinen Facetten steht seit nunmehr sieben Jahren im Mittelpunkt der Kolloquien, die die Fielmann-Akademie für Optiker und Augenärzte ausrichtet. Im Laufe dieser Zeit gab es 153 Vorträge nicht nur von Sehspezialisten, sondern auch von Chemikern, Rechtsmedizinern oder Pädagogen, wie Prof. Dr. Hans-Jürgen Grein, Leiter Wissenschaft und Lehre der Fielmann-Akademie, berichtete. Zum 25. Kolloquium hatte sich die Akademie einen ganz besonderen Gast eingeladen: Der Astronaut Dr. Ulf Merbold sprach zum Thema „Die Erde im Blick“.

Allerdings, berichtete der 72-jährige Merbold, habe man als Astronaut gar nicht so viel Zeit, den Blick aus dem All auf die Erde zu genießen. „Man wird dort nicht hochgeschickt, damit man aus dem Fenster schauen kann“, erzählte Merbold, der bei drei Missionen insgesamt 55 Tage im Weltraum verbrachte. Vielmehr sei die Zeit an Bord eines Raumschiffes kostbar, müssten doch sehr viele Experimente der unterschiedlichsten Forschungsrichtungen ausgeführt werden. „Ein Astronaut ist gleichzeitig auch eine medizinische Versuchsperson“, schilderte Merbold. „An mir persönlich wurden so viele Experimente gemacht, dass der Tierschutz längst eingeschritten wäre, wenn die an einem Tier gemacht worden wäre.“ Inzwischen sei er ein Meister der Blutabnahme, das sei für ihn so wie Zähneputzen.

Diese vielen Experimente aber waren das, was den Physiker Merbold an der Raumfahrt so reizte. Die Raumfahrt sei eine Möglichkeit, die eigene wissenschaftliche Neugierde zu befriedigen. „Als Wissenschaftsastronaut ist man in vielen Forschungsbereichen tätig.“ Ein Großteil der jahrelangen Vorbereitungszeit auf eine Weltraummission werde deshalb auch zur Einübung der Experimente genutzt. Und trotzdem: In den letzten zwei Stunden vor Abflug, wenn die Astronauten nichts weiter tun konnten, als im Shuttle auf den Start zu warten, habe er immer Angst davor gehabt, den Erwartungen der Wissenschaftler nicht gerecht zu werden, bekannte Merbold, der 1983 als erster Westdeutscher ins All flog.

Trotz all der Arbeit an Bord bleibe natürlich trotzdem ein wenig Zeit, einen Blick auf die Erde zu werfen. „Wenn man feststellt, dass lediglich 90 Minuten ausreichen, um die Welt zu umrunden, dann ändert sich das eigene Denken“, schilderte Merbold vor den rund 120 Kolloquiumsteilnehmern. Man erkenne, dass die Erde nicht unzerstörbar sei. „Man sieht keine Grenzen, und dadurch verliert die Erde in der eigenen Wahrnehmung an Größe“, berichtete Merbold. Fast zwangsläufig komme einem da der Gedanke, dass die Menschen sorgsamer mit ihrem „Raumschiff Erde“ umgehen müssten. „Wir müssen uns Gedanken machen, ob es nicht eine ethische Pflicht gibt, den Nachgeborenen die Erde in einem ordentlichen Zustand zu hinterlassen.“

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