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Gemeinde Malente : „Er war mein Sonnenschein“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ute Völker trauert um ihren „Lucky“. Unbekannte haben ihren Kater verstümmelt auf dem Grundstück der Timmdorferin abgelegt.

shz.de von
erstellt am 09.Feb.2015 | 12:57 Uhr

Nur einen Steinwurf entfernt von Malente liegt am Rande von Behler- und Dieksee der kleine Ort Timmdorf. Idyllisch ist er, ruhig und beschaulich. Rund 500 Menschen leben hier – darunter wahrscheinlich ein Tierquäler. Da ist sich Ute Völker sicher.

Der 23. Januar veränderte das Leben der freiberuflichen Masseurin. Es war der letzte Tag, an dem sie ihren Kater „Lucky“ lebend sah. „Er war mein Sonnenschein“, sagt Völker und blickt auf ein Foto der grau-weiß-getigerten Hauskatze. Frech und neugierig sei er gewesen, in der Nachbarschaft ein gern gesehener Gast.

„Lucky“ kam an diesem Freitag nicht wie gewohnt von seinem Spaziergang zurück. „Sonst wartete er immer unter der Tanne auf mich, um mir dann um die Beine zu streichen, zu mauzen und mit mir ins Haus zu gehen“, sagt Völker. Sorgenvolle Tage begannen: Tierheime wurden abtelefoniert, Suchzettel verteilt und mit Helfern die Umgebung abgesucht. Sogar eine Tierschutzorganisation schaltete Völker ein. Erfolglos.
„Lucky“ blieb spurlos verschwunden.

Neun Tage später, am Sonntagmorgen dann der Anruf der Tierschutzorganisation. Jemand hatte dort gemeldet, „Lucky“ liege in Völkers Garten. „Als ich nachschaute, war ich erschüttert. Ich kann mit Worten nicht beschreiben, was ich in diesem kurzen Moment sah“, sagt Völker. Jemand hatte die Katze verstümmelt und am Rand des Grundstücks abgelegt.

Der Kater war gerade eineinhalb Jahre alt, als er einer Freundin von Ute Völkers zugelaufen war. Aus Lütjenburg wechselte „Lucky“ nach Timmdorf, fühlte sich in dem Dorf und in der Gesellschaft von Völkers 14 Jahre alten Dackel „Sammy“ sichtlich wohl. Auf ihrem Wohnzimmertisch erinnern Fotos an „Lucky“; an der Wand – wie selbstverständlich zwischen den Familienfotos – nochmals Porträts von der zutraulichen Katze. Diese Fotos schaut Völker oft an. Die Bilder, die ihre Tochter Jennifer und Ex-Mann Knut Osterkamp von der toten Katze machten, liegen abseits in einem verschlossenen Umschlag. „Ich habe mir die Fotos nicht angeschaut und werde es auch niemals tun, das Grauen würde mich für immer verfolgen“, sagt Völker, ringt um Fassung und verlässt den Raum. Knut Osterkamp öffnet den Umschlag und zeigt die Fotos. Seine Gesichtszüge versteinern. Bei jedem anderen wäre es ähnlich – wenn nicht noch schlimmer. Die Katze wurde übel zugerichtet. „Das sind gerade Schnitte“, sagt Tochter Jennifer, die während ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin bereits ähnliches gesehen hat – wenn auch nicht an der Katze ihrer Mutter. „Das ist geschnitten und nicht gerissen“, sagt die Timmdorferin. Eine Attacke durch wilde Tiere oder streunende Hunde kämen nicht in Frage. Jemand aus der Nachbarschaft etwa? Zu Verdächtigungen will sich die Familie nicht hinreißen lassen. Die Polizei ermittelt seit ihrer Anzeige.

„Der muss die Katze gehasst haben“, sagt Osterkamp über die Täter. Wut und Fassungslosigkeit machen sich breit. „Ich würde gern wissen, wer es war. Alles weitere muss er mit seinem Gewissen ausmachen“, sagt Osterkamp, auf dessen Grundstück „Lucky“ jetzt die letzte Ruhe fand.

Die Fotos der toten Katze verschwinden wieder im Umschlag. Ute Völker kehrt zurück ins Wohnzimmer. Aufgewühlt fällt der Blick auf die Porträts von „Lucky“. Völker hofft, dass der Tierquäler gefasst wird. „Niemals werde ich verstehen können, wie Menschen in der Lage sind, wehrlosen Tieren etwas derartiges anzutun. Ganz zu schweigen, von dem Schmerz, den Besitzer aushalten müssen“, sagt Völker.


Die Familie bittet um Hinweise unter der Telefonnummer 0173/7374054.

 

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