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Eiserne Hochzeit in der Gemeinde Süsel : Er dankt ihr jeden Tag fürs Essen

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Petra und Jens Latendorf aus Barkau feiern heute (10. März) das Fest der Eisernen Hochzeit: Vor 65 Jahren gaben sie sich das Ja-Wort.

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erstellt am 09.Mär.2015 | 13:46 Uhr

Süsel-Barkau | „Wir haben kein Geheimnis. Jeder ist seiner Arbeit nachgegangen, und wir haben uns gegenseitig respektiert.“ Das erwidert Petra Latendorf auf die klassische Frage, ob es ein Rezept für eine lange Ehe gibt?

Wenn, dann müssten es Petra und Jens Latendorf kennen. Sie feiern heute im Kreis der Familie und geladener Gäste ihre Eiserne Hochzeit, sind also auf den Tag genau seit 65 Jahren verheiratet.

Natürlich gibt es im Gespräch mit den in Barkau lebenden Eltern von vier Kindern bemerkenswerte Hinweise. „Ich koche gern“, erzählt Petra Latendorf, „und bis heute bedankt sich mein Mann jeden Tag bei mir, was ich ihm tolles gekocht habe. Seit 65 Jahren.“

„Ich bin meiner Frau auch dankbar, dass ich meinen Hobbys nachgehen durfte: Fußball und Feuerwehr. Und auf den Sportplatz ist sie häufig sogar mitgekommen,“ ergänzt Jens Latendorf. Selbstverständlich war nicht 65 Jahre lang nur eitel Sonnenschein. „Da wollte ich ihn mal verlassen“, sagte Petra Latendorf spontan, als ihr Mann von einer Zeit erzählt, als er viele Stunden für die Betreuung von älteren Bekannten geopfert hat.

Verzichten musste sie ohnehin viel auf ihren Mann, der von 1976 bis 1989 als Hallenwart der Eutiner Hans-Heinrich-Sievert-Halle oft spät abends nach Hause kam, weil Sportveranstaltungen länger gedauert hatten.

Der gemeinsame Lebensweg begann 1949. Der aus Fissau stammende Jens Latendorf hatte wegen des frühen Tod seines Vaters die Ausbildung zum Lehrer abgebrochen und eine Landwirtschaftslehre absolviert, er war Verwalter auf dem Lindenhof in Fissau, wo die vier Jahre jüngere Petra Kruse aus Nordstrand in Stellung kam. Am 10. März 1950 war Hochzeit auf Nordstrand.

Bis zur Begegnung mit der Deern von der Westküste hatte Jens Latendorf nur „Arbeit, Fußball und Feuerwehr im Kopf“. 1950 kamen Ehefrau und das erste Kind hinzu, bis 1960 wurden drei Söhne und eine Tochter geboren.

Nach einer Stelle als Verwalter auf dem Gut Nathenkuhl von 1954 bis 1963 wurde Jens Latendorf der Lagerverwalter beim Landhandel, während die Familie in Gothendorf sesshaft wurde. 1976 ergriff er die Möglichkeit, als städtischer Angestellter die Sieverthalle zu betreuen.

Jens Latendorf hatte schon als Kind Fußball gespielt, als es in Fissau noch keinen Sportverein gab. Am 2. Dezember 1946 wurde er Mitglied von Eutin 08, sein Ausweis trägt die Nummer 68. Damals spielten die Eutiner in der Landesliga, die zweithöchste Spielklasse, darüber gab es nur eine Oberliga.

Noch länger gehört der 88-Jährige der Feuerwehr an: „Mein Lehrherr sagte, du musst eintreten, und ich bin Anfang Mai 1943 in die Fissauer Feuerwehr eingetreten“. In Gothendorf trug Latendorf den Rock weiter, war von 1965 bis 1991 Schriftführer und Sicherheitsbeauftragter – und ein bisschen ärgert er sich, dass die Wehr die Ehrung zu seiner 70-jährigen Mitgliedschaft vergessen hat.

1963 schlug für Latendorfs das Schicksal zu: Die dreijährige Tochter wurde vor dem Haus in Gothendorf von einem Lastwagen angefahren schwer verletzt, sie lag mehrere Tage im Koma und erhielt von den Ärzten keine guten Prognosen. Doch das Mädchen kämpfte sich ins Leben zurück, schaffte trotz körperlicher Einschränkungen den Schulabschluss, lernte Verkäuferin und ist bis heute berufstätig.

Ihre Mutter hatte sich intensiv um ihre Tochter gekümmert, wie auch um ihre Söhne: „Ich habe jedem, wenn er aus der Schule kam, ein Essen auf den Tisch gestellt und ihm Zeit gewidmet. Und ich muss sagen: Die Kinder danken es mir bis heute.“

Zahlenmäßig ist die nachfolgende Generation allerdings klein: Sie besteht aus vier Kindern, drei Enkeln und einem Urenkel, ein zweiter Urenkel ist unterwegs.

Das Verhältnis zwischen Jens Latendorf und seinem 2000 verstorbenen Bruder Fritz, dem jahrzehntelangen Landtagsabgeordneten, war nicht immer spannungsfrei. „Mein Bruder hat Abitur gemacht und nie richtig körperlich gearbeitet. Da habe ich mir vorgenommen, dass meine Kinder alle Abitur machen können. Ich hatte vom vielen Arbeiten schon als junger Mann einen krummen Rücken.“

Arbeit sind Jens und Petra Latendorf nie aus dem Weg gegangen. Er engagiert sich bis heute im Seeadlerschutz und pflegt einen großen Garten, soweit es die lädierten Gelenke zulassen. Sie liebt das Kochen und Heimarbeit, strickt und häkelt gerne. Und beide, die zuhause meistens Platt sprechen, mögen es sehr, wenn die jüngste, erst sieben Jahre alte Enkeltochter bei Oma und Opa vorbei schaut. Und noch immer gilt im Hause Latendorf: „Langweilig wird’s uns nie.“

 

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