zur Navigation springen

Mensch des Jahres : Er brachte den Blues nach Eutin

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Helge Nickel wird 2015 in den USA mit dem „Keeping the Blues Alive Award“ geehrt.

von
erstellt am 07.Nov.2014 | 18:15 Uhr

Helge Nickel (58) ist bekannt wie ein bunter Hund – oder besser: Er macht Eutin bunter. Hinter unendlich vielen Festen, die in den vergangenen 30 Jahren in der Rosenstadt gefeiert wurden, steht Helge Nickel als Veranstalter.

Der gebürtige Eutiner ist eigentlich gelernter Bauzeichner. Einem Zufall und seinem richtigen Riecher ist zu verdanken, dass Nickel heute eine Veranstaltungsgröße auch in der internationalen Blues-Szene ist. Eines Abends 1979 saß Nickel mal wieder am Tresen seines damaligen Stammlokals, dem Café Bootshaus. „Fünf Jungs kamen rein, die dort auftreten wollten. Die Chefin fragte mich, ob wir das machen sollen“, erinnert sich Nickel. Er gehörte damals zu einer Clique, die regelmäßig zu Dixieland-Frühschoppen fuhr und entsprechend musikalische Ahnung hatte. Nickels Antwort: „Klar, warum nicht.“ Diese Antwort gab er seitdem häufiger bei Anfragen aus der Umgebung und Region. Er organisierte das Bekanntwerden der Veranstaltung mit der damals südlichsten Dixieland-Band aus dem Allgäu. Die war schließlich so gut besucht, dass es bis 1986 nahezu jedes Wochenende Konzerte gab.

In geselliger Runde entstehen oft die besten Ideen: „Man müsste eigentlich mal alle Bands auf eine Bühne am Markt bringen“, lautete der Satz des Abends. 1986 suchte die Stadt nach Ideen von Bürgern, um das Weber-Jahr zu feiern. „Und ich hatte eine der besten Idee meines Lebens: ‚Weber zwischen Bop und Pop‘.“ Damit war der Weber-Bezug gefunden und Eutins erstes Kleinkunstfest geboren, 24 weitere Auflagen folgten. Ebenso zahlreiche Veranstaltungsanfragen aus ganz Norddeutschland.

Besonders stolz ist Nickel auf die Wiedervereinigungsfeier mit Bundespräsident Richard von Weizsäcker, deren offiziellen Teil er selbst organisierte – mit mehr als einer halben Millionen Besuchern.

Nickel verhalf Eutin mit dem Bluesfest zu internationaler Größe – und wird im nächsten Jahr sogar mit dem weltweit bedeutendsten Bluespreis, dem „Keeping the Blues Alive Award“, geehrt. Der Deutschlandfunk nannte die Blues-Baltica zum 25. Jubiläum in diesem Jahr „das bedeutendste Festival der europäischen Blues-Szene“. Was 1990 aus der Not heraus entstand, ist heute gewollte Absicht: „Mittlerweile reisen die Leute extra aus den USA an, um unsere Acts zu sehen, weil sie die sonst nirgends kriegen. Die Neugier lockt sie“, sagt Nickel. Und wer in Eutin die Bühne rockt, tritt nicht selten auch auf südlicheren Festivals auf. „Wir sind für den Süden die Orientierung im nordeuropäischen Raum“, so Nickel mit Stolz. „Weltweit haben wir sogar das größte kostenlose Bluesfest.“ Seit 2006 gibt es den Verein Baltic Blues, in dem sich neben Nickel und anderen auch Lebensgefährtin Barbara Block engagiert – und schließlich dafür sorgte, dass jährlich der europäische und internationale Vorentscheid für Blues in Eutin ausgetragen werden.

Neben dem Bluesfest ist das Stadtfest die nächste Institution, die seit 1992 untrennbar mit dem Namen Nickel in Verbindung steht. Es gilt als der größte Flohmarkt Schleswig-Holsteins. Auch das Motorradtreffen, dass er 2009 erstmals ins Leben rief, zählt mittlerweile zu den größten des Landes. Zeit für Hobbys? „Nicht mehr so viel wie früher“, gibt er zu. Aber wenn er doch mal frei hat, taucht oder fotografiert er leidenschaftlich gern.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen