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Ostholsteiner Anzeiger

21. August 2017 | 04:55 Uhr

Endspurt im Abriss-Streit

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Haus des Gastes: Gegner und Befürworter wollen überzeugen / 866 Briefwahl-Unterlagen angefordert

„Dieser Schandfleck muss weg“, sagt Alexander Herrmann, während er seinen Abstimmungsschein in die Urne fallen lässt. Ihn selbst habe der „DDR-Bau“ bei seinem ersten Besuch in der Rosenstadt vor Jahren geschockt. Herrmann: „Ich habe wirklich Respekt vor den Leuten, die sagen, das Haus habe ihnen viel gegeben und geholfen. Aber seine Zeit ist einfach vorbei.“ Ob das die Mehrheit der Eutiner ebenfalls so sieht, entscheidet sich am 15. Februar beim Bürgerentscheid. Bis gestern wurden 866 Unterlagen zur Abstimmung rausgegeben.

Die Stadt betonte gestern vorsorglich, dass keine städtischen Mitarbeiter Abstimmungsunterlagen abholen oder in Eutin verteilen. Der Grund: Es war das Gerücht aufgekommen, dass Unterschriftensammler in Seniorenheimen auf Stimmenfang gingen. Dies ließ sich jedoch bis zum Abend nicht bestätigen. Wer seine Stimme noch im Vorwege abgeben möchte, kann dies schriftlich oder persönlich im Sitzungssaal des Eutiner Bauamtes (Lübecker Straße 17) bis Freitag, 13. Februar, 12 Uhr, erledigen.

Bis dahin will sich die SPD weiter für den Erhalt des „Hauses des Gastes“ (HdG) einsetzen, „weil ein Abriss auf Vorrat eine bewährte Einrichtung Eutins mutwillig und grundlos zerstören würde“, wie SPD-Ortsvorsitzender Uwe Tewes sagt. Das HdG sei aus SPD-Sicht ein wertvoller Bestandteil Eutins und müsse im Falle des Erfolges der Bürgerinitiative selbstverständlich in die Gestaltung der Landesgartenschau (LGS) mit eingebunden werden. Während der LGS sei aus Sicht der SPD eine Zelt-Gastronomie sinnvoll, die durch feste Räume im Gebäude ergänzt werden könne. Tewes: „Wir halten es für erforderlich, dass sich alle Beteiligten zusammensetzen, um eine gemeinsame Lösung zu finden, die umgesetzt werden kann. Hier muss ein gewisses Maß an Kompromissbereitschaft eingebracht werden.“ Geschehe dies, wäre aus seiner Sicht ein zweiter Bürgerentscheid nicht nötig. Da ist er mit den Abrissgegnern und Initiatoren des Bürgerentscheids auf einer Linie. Eckhard Ahrens: „Ziel unseres initiierten Bürgerentscheids ist es, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen. Durch den Abrissbeschluss ist die Mehrheit der politischen Vertreter derzeit zu festgefahren.“

Doch wie wäre eine Instandsetzung zu finanzieren? „Dazu sagt die Bürgerinitiative nichts“, lautet der Vorwurf der Grünen. Ihre Fraktion in der Stadtvertretung habe mit vielen Menschen diskutiert und mache sich die Entscheidung nicht leicht, aber: „Für uns gibt es letztlich nur den Abriss. Das HdG steht in direkter Konkurrenz zu den Schlossterrassen, die wir für Veranstaltungen, gerade auch für unsere Jugend, ausbauen wollen“, sagt Christiane Balzer. Bis ein Investor für ein Hotel „an Eutins schönster Stelle“ gefunden ist, könne hier ein Kiosk mit Liegestühlen in begrünter Umgebung für Aufenthaltsqualität sorgen. Balzer: „Eutiner verlieren durch den Abriss nichts, denn mehr hat es seit mehr als zehn Jahren an dieser Stelle nicht gegeben.“ Die CDU wollte sich nicht im Vorfeld äußern: „Wir befinden uns noch mitten im Überzeugungsprozess“, sagte Fraktionsvorsitzender Matthias Rachfahl.




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erstellt am 11.Feb.2015 | 10:59 Uhr

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