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Ostholsteiner Anzeiger

21. Oktober 2017 | 18:14 Uhr

Ella Horn wird heute 105 Jahre alt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die rüstige Jubilarin beteiligt sich an vielen Aktivitäten im Godenblick und führt trotz ihres hohen Alters ein Leben ohne Tabletten

shz.de von
erstellt am 19.Feb.2015 | 12:15 Uhr

Wenn Ella Horn aus ihrem Leben erzählt, blickt sie auf ein langes Menschenleben zurück. Am heutigen Donnerstag (26. Februar) feiert die für ihr Alter ausgesprochen rüstige Malenterin ihren 105. Geburtstag in der Senioren-Residenz Godenblick. Bis zu ihrem 104. Lebensjahr lebte Ella Horn noch im betreuten Wohnen in der Friedrichstraße, im Januar 2014 zog sie in den Godenblick.

In ihrem jetzigen Zuhause ist die gebürtige Rostockerin beim Personal sehr beliebt: „Wenn wir mal schlecht gelaunt sind, gehen wir zu Frau Horn“, berichtet Pflegefachkraft Ludmilla Schmidt. „Sie hat immer positive Gedanken und ist sehr bescheiden.“ Zwar kann die Jubilarin nicht mehr gut sehen und hören, so dass sie nicht mehr lesen oder fernsehen kann. Doch Langeweile scheint sie nicht zu kennen. Statt dessen macht sie bei allen möglichen Aktivitäten mit: Stuhlgymnastik, Singen oder Musizieren – Ella Horn ist immer dabei. „Das macht Spaß“, sagt sie und lacht.

Sehr positive Erinnerungen hat Ella Horn, die einen jüngeren Bruder hatte, an ihre Kindheit: „Ich hatte immer viel Spaß, meine Eltern haben mir viel Freiheit gegeben, so dass ich meine Jugend ausleben konnte.“ Gelernt hat sie gleich mehrere Berufe. Hauswirtschafterin auf einem Bauernhof, bei der Mutter Schneiderin und dann Verkäuferin. In Rostock arbeitete sie bei „Kaiser’s Kaffeegeschäft.“

Besonders lebhaft wird Ella Horn, wenn sie sich an ihren Mann Wilhelm, genannt Willi, erinnert, mit dem sie bis zu dessen Tod 1993 über 60 Jahre verheiratet war. Sie lernte ihn auf der Bahnstrecke Rostock – Warnemünde kennen, die sie täglich fuhr. Ihr Mann stieg immer zu: „Ich guckte immer aus dem Fenster, damit er mich auch sieht.“ Stets habe er sie mit den Worten „Wie geht es Ihnen, schöne Frau?“ begrüßt. 1930 heirateten die beiden, 1932 kam ihr Sohn Dieter zur Welt, sechs Jahre später Tochter Vera. Inzwischen hat Ella Horn zwei Enkeltöchter und einen Urenkel.

An den Ersten Weltkrieg hat Ella Horn kaum noch Erinnerungen, um so mehr an den Zweiten Weltkrieg, den sie in Wismar erlebte. Um über die Runden zu kommen, wurde ein Schwein schwarz geschlachtet. „In der Küche haben wir das Ferkel großgezogen. Das durfte keiner wissen“, erinnert sich Ella Horn vergnügt. Das Fleisch wurde auf dem Boden aufgehängt und die Klappe des Schornsteins geöffnet. So wurde es geräuchert und haltbar gemacht. Insgesamt überstand die Familie die Kriegstage vergleichsweise gut. Ehemann Willi arbeitete als Buchhalter im Landhandel und konnte so immer etwas Essbares organisieren. Erst spät wurde er eingezogen und war dann in Hamburg stationiert.

Nach dem Krieg flüchtete Ella Horn 1955 mit Mann und Tochter aus der DDR. Willi wollte nicht in die „SED“ eintreten und auch nicht Mitglied der „Kampfgruppen“ werden. Sohn Dieter lebte schon in Köln. Für das Ehepaar folgten mehrere Stationen im Ruhrgebiet. Nachdem Wilhelm in den Ruhestand eingetreten war, ließ sich das Paar 1972 in Sasel (Gemeinde Rantzau) nieder, nach dem Tod ihres Mannes zog die Witwe nach Malente. Gern erinnert sie sich an viele Reisen, die sie mit dem Hausfrauenbund und den Landfrauen unternahm, etwa nach Irland, Österreich und in die Schweiz.

„Sie ist zufrieden mit dem, was da ist, und sie hat ein sehr freundliches Wesen“, beschreibt Vera Weichert ihre Mutter, die sie nicht erst, seit sie im Heim lebt, fast täglich besucht. Gefeiert wird im kleinen Kreis. Vera Weichert: „Ich komme mit meiner Tochter, dem Schwiegersohn und einer Bekannten, dann trinken wir schön Kaffee.“

Wie sie es geschafft hat, 105 Jahre alt zu werden, weiß indessen auch die Jubilarin selbst nicht so recht. „Das hat sich so ergeben“, erklärt sie. Tabletten nimmt sie jedenfalls keine, weiß Pflegerin Ludmilla Schmidt. „Von Gift muss ich nicht leben“, habe Ella Horn einmal gescherzt, als es um das Thema Medikamente ging.

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