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Ostholsteiner Anzeiger

23. Oktober 2017 | 12:55 Uhr

Ekelhafte „Flirtversuche“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Manfred H. stellte einer 42-Jährigen nach, schrieb ihr obszöne Nachrichten – sie braucht jetzt Psychologen

shz.de von
erstellt am 24.Apr.2017 | 12:50 Uhr

Er steckt ihr obszöne Nachrichten in ihren Briefkasten und kommt ihr trotz Verbot näher als 50 Meter. Manfred H.* (43) veränderte das Leben von Sandra B.: „Es ist die Hölle.“ Gestern musste sich der ungelernte Hartz-IV-Empfänger wegen Beleidigung in zwei Fällen vor dem Eutiner Amtsgericht verantworten – und wurde zu einer Geldstrafe von 450 Euro verurteilt.

Manfred H. gibt zu, zwei Mal Nachrichten in den Kasten der 42-Jährigen gesteckt zu haben, seine Begründung vor Gericht überraschte selbst Staatsanwalt und Richter: „Sie hat mir schon früher als Frau gefallen und ich wollte sie das wissen lassen. Ich habe durchaus Sympathien für sie gehabt, ihr nachgeschaut, sie sieht noch immer toll aus.“ Auf die Frage des Staatsanwaltes, ob er nicht einfach auf die Idee gekommen ist, sich der Frau normal mit einem Strauß Blumen und einer Einladung zum Kaffee zu nähern, sagte Manfred H. nur kurz „nein“.

Die „gemeinsame“ Geschichte von Sandra und Manfred begann vor gut 20 Jahren, wie der Angeklagte schilderte. Sie habe damals mit Ehemann und zwei kleinen Kindern über ihm im Haus gewohnt, sich bei Eheproblemen mit ihm unterhalten. Schon damals sei sie ihm positiv aufgefallen. „Aber an verheiratete Frauen mache ich mich nicht ran“, argumentierte H. gestern. Streit habe Manfred H. „überhaupt nur mit dem Ehemann“ gehabt. Sandra B. sei mit ihrer Familie weggezogen. Von Bekannten habe er vor mehr als zwei Jahren erfahren, dass sie zurück in Eutin ist. „Ich hatte innerlich die Hoffnung, dass sie vielleicht nicht mehr verheiratet ist.“ Per Zufall habe er sie auf dem Weg zu einem Einkaufsmarkt gesehen, wie sie mit Rad und Einkäufen in einen Hauseingang einbog. „Da bin ich später schauen gegangen, habe ihren Namen am Briefkasten gefunden und die Nachricht eingeworfen.“ Nach der ersten folgte eine zweite, diese verriet ihn schließlich. Sandra B.: „Da habe ich ihn in Verdacht gehabt. Seine Oma hatte mich früher schon gewarnt, ich solle aufpassen, weil er ein Auge auf mich geworfen habe.“ Wegen ihm und seiner Drangsalierungen sei sie schließlich mit ihrer Familie weggezogen. Dass er sie jetzt wieder gefunden habe, ihr bei vielen Einkäufen trotz Verbots-Zone von 50 Metern deutlich näher kommt, macht der Frau zu schaffen. „Ich bin beim Frauennotruf und bekomme psychologische Unterstützung.“ Sie zitterte im Gerichtssaal, würdigte ihn keines Blickes – er lächelte sie an, solange seine Augen Kontakt zu ihr halten konnten.

Richter Otto Witt folgte in seiner Begründung der Staatsanwaltschaft: „So redet man nicht mit einer Frau. Sie haben sie auf widerliche Art und Weise zum bloßen Lustobjekt degradiert. Widerlich war es vor allem auch, weil sie anfangs nicht wusste, wer dahinter steckt, hinter jeder Ecke hätte einer stehen können.“

Der Angeklagte nutzte sein letztes Wort, um das Gericht darauf hinzuweisen, dass der Vorwurf aus seiner Sicht verjährt sei. Nach dem Urteil interessierte ihn, wie hoch die Kosten des Verfahrens sind, die er zu tragen habe, da er derzeit noch eine Geldstrafe wegen anderer Beleidigung abzahle.

*  Namen geändert

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