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Gemeinde Schönwalde : Eiskeller-Verkauf erntet Widerstand

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Landesjagdverband hat das zweitgrößte Fledermaus-Winterquartier des Landes an den Pächter veräußert.

von
erstellt am 20.Okt.2017 | 11:05 Uhr

Es war ein Vorzeigeobjekt des Naturschutzes, das landesweit Aufmerksamkeit erregte: 1995 wurde ein fast 180 Jahre alter Eiskeller, der sich zum zweitgrößten Winterquartier für Fledermäuse im Norden entwickelt hatte, samt einem 21  000 Quadratmeter großen Grundstück von „Pro Natur“ – eine Initiative des Landesjagdverbandes – gekauft. Es folgten eine Sicherung des Kellergewölbes und es wurde eine Streuobstwiese angelegt.

Zu Beginn dieses Jahres hat der Jagdverband das Grundstück samt Eiskeller an einen Privatmann verkauft. Durfte er das, zumal in das Objekt einiges an öffentliche Förderung investiert worden ist?

Wenig begeistert ist Gerd Schumacher (Malente). „Pro Natur“ war ein Produkt seines Naturschutz-Engagements in der Jägerschaft. Der Eiskeller war, wie er dem OHA schilderte, nicht zuletzt in Verbindung mit dem Bau des Schießsportzentrums Kasseedorf ein besonders wertvolles Ausgleichsobjekt im Sinne des Fledermausschutzes.

Schumacher schätzt, dass am Kronsberg, wie der Hügel mit dem Eiskeller heißt, an die 100  000 Euro investiert worden sind: Für Kauf, Sanierung des Eiskellers, für Pflanzung von Obstbäumen, Infotafeln, für zwölf Fledermauskästen und einen Wanderweg vom See auf den Hügel sowie für eine Sitzgruppe.

Der Landesjagdverband als Dach der Initiative „Pro Natur“ habe, sagte Schumacher weiter, der Kreisjägerschaft Oldenburg den Kronsberg zur Pflege überlassen, und auf Betreiben jener Kreisjägerschaft sei die Fläche nun verkauft worden. Besonders erbost zeigt er sich, dass seine Bitte um eingehende Auskunft beim Landesjagdverband nicht erfüllt worden sei: „Man hat mir die höchsten Ehrenzeichen, die der Deutsche Jagdverband zu vergeben hat, verliehen, aber Akteneinsicht wird mir verwehrt.“

Intensive Bemühungen gegen den Eigentümerwechsel hat unterdes Alexandra Schnoor aus Mönchneversdorf gestartet. Ihr Ansatz: Ein Grundstück von derart großer Bedeutung für den Naturschutz dürfe nicht einfach an eine Privatperson verkauft werden. Da hätte die Gemeinde ihr Vorkaufsrecht ausüben müssen. Oder das Land hätte die 2,1 Hektar übernehmen müssen, da es direkt an ein FFH-Gebiet angrenze und deshalb per Gesetz einem besonderen Schutz unterliege.

Bislang sind ihre Bemühungen auf allen Ebenen ins Leere gelaufen. Und auf ihre Bedenken, dass dem Schutz der Fledermäuse keine ausreichende Rechnung mehr getragen werde, bekam sie den Hinweis, dass die Schutzwürdigkeit des Winterquartierrs sowohl im Kaufvertrag als auch im Grundbuch festgeschrieben sei.

Manfred Ruser, der den Kronsberg gekauft hat, versteht die Aufregung nicht: „Ich war schon Pächter des Grundstücks, bevor es ,Pro Natur‘ gekauft hat, und ich habe das Grundtsück auch all die Jahre bewirtschaft“, sagte er dem OHA. „Ich weiß nicht, was jetzt anders sein soll, nur weil ich nicht mehr der Pächter, sondern der Eigentümer bin.“

Ruser versicherte, dass ihm der Schutz der Fledermäuse schon immer am Herzen gelegen habe und er die bauliche Situation am Eiskeller auch noch verbessern werde. Im übrigen sei der Kronsberg in den vergangenen Jahren immer beweidet worden, nur nicht, als die Obstbäume frisch gepflanzt gewesen seinen. Damit spielte er auf die Kritik an, die Rinder schadeten dem Eiskeller und den Obstbäumen. Im übrigen, so Ruser weiter, bleibe auch die Betreuung des Fledermausquartiers durch Experten des Naturschutzbundes Segeberg bestehen, auch da gebe es keine Änderung.

Eine sehr gute Lösung nannte Carsten Höper, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Oldenburg, den Verkauf der Fläche an den langjährigen Pächter. Damit sei beiden Seiten gedient. Der Jägerschaft würden hohe Unterhaltskosten erspart, der Erlös werde in andere Naturschutzprojekte der Jägerschaft fließen. Höper betonte, dass der Verkauf nach allen geltenden Regeln erfolgt und die Gemeinde darüber auch informiert worden sei.

Alle denkbaren Hebel, die Alexandra Schnoor bislang gegen den Eigentümerwechsel angesetzt hat, erwiesen sich als wirkungslos. Bindungsfristen für die öffentlichen Zuschüsse, die in das Projekt Kronsberg flossen, sind vergangenes Jahr abgelaufen. Eine Gefahr für die Fledermäuse sehen die Untere Naturschutzbehörde und auch das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) durch den Eigentümerwechsel nicht.

Ein Vorkaufsrecht, das Gemeinde oder Land gehabt hätten, wird ebenfalls verneint. Der Notar, der den Verkauf begleitete, habe alle möglichen Vorkaufsrechte geprüft, erläuterte Martin Schmidt, Sprecher des LLUR. Und Burkhard Busch, Leiter des Amtes Schönwalde ergänzte: „Die Gemeinde hatte für diese Fläche kein Vorkaufsrecht, weil es dann dafür einen gültigen Bebauungsplan geben müsste, und den gibt es nicht“. Er könne bestätigen, dass der Notar sowohl die Gemeinde als auch neun andere Stellen um Stellungnahme gebeten habe, die alle keine Einwände gegen den Verkauf gehabt hätten.

Alexandra Schnoor wird aller Voraussicht nach nicht klein beigeben. Mit dem Petitionsausschuss des Landtags hat sie bereits Kontakt aufgenommen.

Manfred Ruser bleibt unterdes gelassen. Und dem OHA sicherte er zu: Wenn es wieder einmal Interesse an einer Besichtigung des Kellers gebe, könne das an einem Termin, an dem die Fledermäuse nicht gestört werden, auch geschehen. Den letzten Besichtigungstermin hatte der (nicht mehr existierende) Fremdenverkehrsverein Schönwalde im August 2013 organisiert.

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