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Ostholsteiner Anzeiger

21. August 2017 | 18:23 Uhr

Eishockeycoach mit Golflehrerlizenz

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Dave Rich wurde in Ottawa geboren, spielte für den EC Bad Wörrishofen und ist seit Saisonbeginn Cheftrainer bei den „Beach Boys“

Seit dieser Saison steht Dave Rich an der Bande und coacht die Spiele des Eishockey-Oberligisten EHC Timmendorf. Der 47-jährige Kanadier blickt auf eine lange und ereignisreiche Laufbahn als Spieler und Trainer zurück.

Rich wurde 1969 in der kanadischen Hauptstadt Ottawa geboren und stand bereits mit vier Jahren auf den Schlittschuhen. „In Kanada hat jedes Kind Schlittschuhe und lernt meist schneller eislaufen, als schwimmen“, erzählt der Kanadier. Er wurde in seiner Entwicklung von seinem Vater, der ein erfolgreicher Torwart war, und seinem älteren Bruder unterstützt. Zu Besuchen bei NHL-Spielen musste die Familie allerdings stets zu den Canadiens nach Montreal reisen, denn die Ottowa Senators, der Heimat- und Ausbildungsverein von Dave Rich, wurden erst 1990 wieder erstklassig. Genau in diesem Jahr nahm auch die Eishockey-Karriere von Rich eine besondere Wendung.

„Ich kam mit einer kanadischen Auswahlmannschaft nach Deutschland, wo wir in zehn Tagen acht Spiele absolviert haben. Und sofort kam ein Angebot vom EC Bad Wörrishofen, das ich angenommen habe. Es sollte für ein Jahr sein. Aber daraus wurden zwei, drei und so weiter und heute bin ich immer noch hier“, sagt Rich und lacht. Er kann sich inzwischen gut vorstellen, auch seinen Lebensabend in Deutschland zu verbringen.

In Bad Wörrishofen feierte der Kanadier schon im ersten Jahr die Meisterschaft in der Bayernliga und den Aufstieg in die Oberliga. Nächste Station war der EHC Wolfsburg, wo er seine Frau kennenlernte, von der er heute geschieden ist. Dennoch riss der Kontakt, auch zur heute 15-jährigen Tochter, nie ab. So freute sich Rich, dass ihn beide über die Weihnachtstage besuchten.

1995 kam der Ruf aus der DEL, so dass Rich für ein Jahr zu den Ratinger Löwen in die höchste deutsche Spielklasse wechselte. Über den EV Duisburg, den EC Wilhelmshaven, den Adendorfer EC und den ERC Amberg kam der Kanadier 2002 zum ERC Selb, wo er mit 33 Jahren seine aktive Laufbahn beendete. „Nach einem Bandscheibenvorfall und einer schweren Schulterverletzung wollte ich es in Pfaffenhofen noch einmal versuchen, aber es ging nicht mehr. Da kam mir das Angebot aus Pfaffenhofen, eine Golflehrer-Ausbildung zu machen, gerade recht“, berichtet Rich. Er legte die Prüfung erfolgreich ab und verzichtete zwei Jahre lang auf Eishockey.

Die Liebe zu seinem Sport blieb jedoch unverändert und so folgte er dem Ruf der Eisbären Berlin zu einer Trainerausbildung. „Ich habe dort mit Größen wie Pierre Page oder Peter Jon Lee gearbeitet und viel gelernt“, blickt Rich zurück, der seine erste Trainerstation bei den Eisbären Juniors hatte. Es folgten zwei erfolgreiche Jahre als Headcoach beim EC Füssen, mit dem er den dritten Platz in der Oberliga erreichte. Nach einem einjährigen Engagement beim ruhmreichen EC Bad Tölz und beim EV Landsberg kam Rich über den EHF Passau und erneut Füssen zum ERC Sonthofen, wurde dort aber vom neuen Sportdirektor in seinem zweiten Jahr entlassen, weil beide nicht auf einer Linie lagen. „Das war enttäuschend, zumal mein Nachfolger kurze Zeit später auch rausgeschmissen wurde“, sagt der Trainer.

Vor gut einem Jahr fragten die Hamburg Freezers an, ob er nicht die DNL-Mannschaft des Erstligisten übernehmen wolle. Der Nachwuchs der Hamburger hatte zuvor 18 Spiele in Folge verloren. Rich übernahm und führte die Young Freezers fast noch in die Play-Offs. „Als die Planungen für die nächste Saison bereits liefen, kam für uns alle völlig überraschend das Aus der Freezers“, sagt Rich. Er erhielt sofort einige Angebote. Über Martin Williams kam der Kontakt zu den Timmendorfern zustande. „Ich hatte gute Gespräche und will mit den Beach Boys etwas aufbauen. Es ist für mich ein besonderer Reiz, aus Mannschaften mit einem kleinen Etat etwas aufzubauen. Aber das dauert natürlich“, weiß der Coach aus Erfahrung.

Er könnte sich durchaus vorstellen, länger an der Ostsee zu bleiben. „Wenn sich auch im Umfeld etwas tut, würde ich hier gerne helfen. Wir sind auf einem guten Weg und müssen versuchen, mit jungen Spielern, die hier eine Ausbildung machen oder studieren, mehr Qualität zu bekommen. Ich habe schon einige Anfragen für die nächste Saison“, verrät der Trainer.

Dave Rich fühlt sich in Timmendorfer Strand wohl. „Es ist hier etwas ganz Besonderes. Wie eine große Familie. Ich habe es zum Beispiel noch nirgendwo erlebt, dass die Mannschaft nach einer Niederlage wieder zu einer Abklatschrunde auf das Eis gerufen wird. Die Fans stehen total hinter uns. Auch wenn es mal nicht so gut läuft. Und hier arbeiten Betreuer mit ganz viel Herz für unseren Sport“, sagt er. Nach seiner Philosophie befragt sagt Rich: „Die Defensivarbeit ist das A und O. Das musst du in die Köpfe bohren. Aber dabei immer positiv bleiben. Nicht schimpfen, sondern zeigen, wie es besser geht. Nur wenn du positiv bleibst, gibst du auch Selbstvertrauen und holst aus jedem einzelnen Spieler mehr raus. Ein Trainer muss den Spielern helfen, nicht kritisieren.“

Rich hat bereits Pläne für die Zeit zwischen den Spielzeiten und hat Kontakt zum Timmendorfer Golf-Club aufgenommen. „Das wäre perfekt für mich“, sagt Rich. Nach seinen Wünschen für das nächste Jahr befragt, braucht Dave Rich nicht lange zu überlegen: „Neben Gesundheit und der Kraft und dem Spaß noch viele Jahre im Eishockey arbeiten zu können, wünsche ich mir, dass die Eishalle in Timmendorf bestehen bleibt. Timmendorf gehört zu Eishockey-Deutschland. Das darf einfach nicht zu Ende gehen.“

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erstellt am 30.Dez.2016 | 21:40 Uhr

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