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Ostholsteiner Anzeiger

18. Dezember 2017 | 20:00 Uhr

Eutin : Einmaliges Kunstwerk

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Das Antependium wird wieder sichtbar: Ab Donnerstag ist der sehr wertvolle Altarbehang aus dem 17. Jahrhundert wieder Teil der Ausstellung im Schloss.

shz.de von
erstellt am 04.Apr.2017 | 11:30 Uhr

So viel wie ein stattliches Landgut war es damals wert – und sein Gewicht in Gold. Das Antependium aus dem Eutiner Schloss war schon zur Zeit seiner Entstehung im Jahr 1641 eine Kostbarkeit. Und heute umso mehr. Nicht verwunderlich, dass die Stiftung Schloss Eutin den wertvollen Altarbehang als Schatz bezeichnet und diesem jetzt einen eigenen Raum widmet. Am kommenden Donnerstag, 6. April, wird die fünf Meter lange, aufwändig bestickte Samt-Stoffbahn um 19 Uhr erstmals wieder der Öffentlichkeit vorgestellt.

„So etwas sucht seinesgleichen in Norddeutschland“, sagte gestern Stiftungsvorstand Brigitta Herrmann. Das Antependium – von lateinisch „ante“ (vor) und „pendere“ (hängen) – sei eine „absolute Besonderheit“. Für das Schloss stelle es ein Alleinstellungsmerkmal dar, so Herrmann. Dass es „im Wert erkannt und entsprechend gewürdigt“ wird, sei Verdienst der Freundeskreises Schloss Eutin. Der Verein hat die neue Präsentation in der Klimavitrine und in dem neu gestalteten Raum inklusive interaktiver Bildschirmtechnik finanziert. 34  000 Euro haben sich „die Freunde“ das Ganze kosten lassen – „so viel, wie noch nie bereitgestellt wurde vom Verein“, sagte Monika Obiray, 1. Vorsitzende des Freundeskreises. Der Verein habe lange darauf gedrängt, das Antependium wieder zu zeigen, so Obiray, die den Altarbehang
als „einmaliges Kunstwerk“ würdigte, das sich als „einzigartiger Schatz“ herausgestellt habe.

Den Verdienst, das Geheimnis des Antependiums zu lüften, gebührt Dr. Wolfdieter Schiecke. Der ehemalige Vorsitzende des Freundeskreises hat gemeinsam mit seiner Frau Karin intensiv recherchiert, denn bis dato war die Herkunft des Altarbehangs gänzlich unbekannt. Über die Initialen „FME“ und dem Jahr 1641 hat Schiecke herausgefunden, dass Herzogin Maria Elisabeth von Schleswig-Holstein-Gottorf (1610-1684) Auftraggeberin war. Weiterhin gelang es Schiecke, unter mehr als einer halben Million Kupferstich-Vorlagen herauszufinden, dass sich die bildlichen Darstellungen an die so genannte Merian-Bibel anlehnen. Dennoch blieben weiße Flecken: So ergaben die Recherchen nichts über die Auftragsvergabe und Co. Unbekannt blieb auch die Geschichte des Antependiums während und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Bis 1985 war es in der Schlosskirche ausgestellt, erst 2001 wurde es restauriert, 2004 sogar bei einer Ausstellung in München gezeigt. Anschließend war das Antependium auf einem der Flure ausgestellt, lag dann im Depot.

Diese wechselvolle Geschichte und Schieckes „Forschungskrimi“ hat Dr. Frank Baudach nun als Band 8 der Reihe „Veröffentlichungen der Eutiner Landesbibliothek“ herausgebracht. Gestern Abend wurde das 28 Seiten starke Heft bei einem Vortrag vorgestellt.

Die neue Heimat des Antependiums – im übrigen ein weiterer Baustein der Neugestaltung der Ausstellung im Schloss – ist nicht das einzige Novum in Eutins Wahrzeichen: Vorangestellt ist dem Zimmer mit dem Altarbehang ein kleiner Raum, der die Geschichte der Fürstbischöfe in Eutin widerspiegelt. Finanziert hat dieses Zimmer die Stadt – Kosten: rund 17  000 Euro.

Neu ist auch der nebenliegende Zugang im 1. Stock zur Schlosskirche. Über die Empore ist neben der Orgel auch der Blick auf den Altar möglich – dorthin wo einst das wertvolle Antependium hing.

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