zur Navigation springen

Malente : Einmalig: Bürgerbus fährt kostenlos

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

„De lütte Lenter“ startet am Montag, 9. Januar, seine Fahrten durch Malente. Das Modell, das dahinter steht, ist bundesweit einzigartig

In den ersten Tagen des neuen Jahres wird Malente eine Premiere erleben, die bundesweit zumindest außergewöhnlich ist. Am Montag, 9. Januar, pünktlich um 9.17 Uhr soll der Bürgerbus Malente am Malenter Bahnhof erstmals seine rund zweieinhalbstündige Tour starten. Nun ist „de lütte Lenter“, wie der Bürgerbus-Verein den 9-Sitzer bei der Vorstellung am 8. Januar taufen will, natürlich nicht der einzige Bürgerbus im Land. Er sei aber der einzige, der seine Fahrgäste kostenlos mitnehme, versichert Vorstandssprecher Michael Winkel. „Das ist ein Modellprojekt, das gibt es nirgends in Deutschland.“ Bundesweit sei ihm nur ein weiterer Bus bekannt, der ebenfalls kostenlos fahre, dort sei aber eine Stiftung im Hintergrund.

Zweieinhalb Jahre haben Winkel und seine Mitstreiter, darunter seine Vorstandskollegen David Kardell und Birgit Losert sowie Fahrdienstleiter Ingo Wagner, unermüdlich für den Bürgerbus gekämpft und dabei zahlreiche Hürden aus dem Weg geräumt. Dass der mit öffentlichen Mitteln finanzierte, gemeindeeigene Bus nun kostenlos fährt, hat auch mit den komplizierten rechtlichen Bestimmungen zu tun. Denn wären Fahrgeldeinnahmen erzielt worden, hätte der Verein einen Vertrag mit der NOB abschließen müssen, da diese die exklusive Konzession für den Busbetrieb vom Kreis Ostholstein habe, erläutert Winkel. Doch die Aushandlung dieses Vertrags hätte den Start des Bürgerbusses noch weiter verzögert, was der Verein unbedingt vermeiden wollte.

Mit mindestens 15 Fahrern hatte der Verein kalkuliert, um den Betrieb zu gewährleisten. Nun werden 21 Ehrenamtliche den Bus durch die Gemeinde steuern. Die Fahrtzeiten hätten sich gegenüber der ursprünglichen Planung noch einmal geändert, um Überschneidungen mit den NOB-Bussen zu vermeiden, erklärt Winkel. Die Route führt weiterhin in Form einer Acht durch die Gemeinde.

Zweimal täglich geht es von Montag bis Freitag zunächst auf den südlichen Teil, dann auf den nördlichen und dann noch einmal auf den südlichen. Startzeiten für den zweieinhalbstündigen Törn sind 9.17 und 17.26 Uhr. Am Sonnabend ist eine Tour geplant, die um 9.17 Uhr startet. Dabei umfasst der Südteil Rachut, Kreuzfeld, Oberkleveez, Niederkleveez, Timmdorf und Neversfelde, der nördliche Teil Krummsee, Nüchel, Benz, Söhren, Malkwitz, Sieversdorf und Neukirchen. Auch in Malente gibt es zahlreiche Haltestellen, etwa Mühlenberg-Klinik, Godenberg (CJD), Markt oder Katholische Kirche.

Insgesamt sind über 50 Stopps zum Ein- und Ausstieg vorgesehen. Fahrpläne werden zum Start des Busses an den Haltestellen ausgehängt. Rollstuhlfahrer können ebenfalls mitfahren, betont Winkels Ehefrau Ute, die selbst zum Kreis der Fahrer gehört. Denn der Bus ist am Heck mit einer elektrischen Rampe ausgerüstet.

Wie viel Engagement Michael Winkel in das Projekt steckt, wird an einem Detail deutlich. Um den Fahrern nicht das Zählen der Fahrgäste aufzubürden, hat der pensionierte Soldat von einem ehemaligen Kollegen ein Zählwerk per Lichtschranke entwickeln lassen. Denn nach einem Jahr soll ausgewertet werden, wie viele Fahrgäste es gab und welche Haltestellen diese genutzt haben. „Diese statistische Erfassung ist wichtig für die Gemeinde und den Kreis Ostholstein, um feststellen zu können, ob das Projekt funktioniert“, sagt Winkel. Kreis und Gemeinde finanzieren die Betriebskosten des Busses in den ersten drei Jahren mit jährlich jeweils 10  000 Euro. Die Anschaffung des Fahrzeugs wurde von der Aktiv-Region gefördert.

Winkel plant außerdem eine durch ein GPS-Signal gespeiste App, damit potenzielle Fahrgäste auf ihrem Smartphone permanent erkennen können, wo sich der Bus gerade befindet. Vom ersten Tag an soll der Fahrtverlauf im Internet zu verfolgen sein.

Wenige Tage vor dem Start des Bürgerbusses hat Michael Winkel alle Aufregung abgelegt: „Ich bin jetzt ganz gelassen.“ Allerdings mache er drei Kreuze, wenn der Bus rolle. „Es war schon eine Anstrengung“, sagt der 56-Jährige, wenn er an die vergangenen zweieinhalb Jahre zurückdenkt. Wie viele Treffen, Planungen und Gespräche mit Kreis und Gemeinde es gab, kann er gar nicht mehr zählen.

> Neue Fahrer sind dem Verein jederzeit willkommen. Interessenten können sich an Fahrdienstleiter Ingo Wagner (Telefon 04523/ 2076872) oder direkt an den Verein (04523/988547) wenden. Wer Mitglied werden will, findet Beitrittsformulare unter buergerbus-malente.de im Internet. Dort soll bald auch der Fahrplan des Busses mit allen Haltestellen zu finden sein. Außerdem ist der Verein noch auf Spenden angewiesen, um etwa die Fahrer mit einheitlicher Kleidung auszurüsten.

zur Startseite

von
erstellt am 23.Dez.2016 | 04:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen