Eingestellt: Vorfall liegt vier Jahre zurück

Richterin und Staatsanwältin folgten übereinstimmend der Prozess-Ökonomie

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18. Juli 2018, 15:34 Uhr

Die Zeit hatte Amtsgericht Plön und Staatsanwaltschaft Kiel offensichtlich eingeholt. Weil ein Ladendiebstahl in Schwentinental über vier Jahre zurück lag und sich kein Zeuge mehr verlässlich an den bisher nicht vorbestraften 33-jährigen Angeklagten aus Aserbaidschan erinnern konnte, wurde das Verfahren auf Staatskosten eingestellt.

Es trug sich im April 2014 zu. Ein Mann ging in ein Schuhgeschäft, nahm das Preisschild von schwarzen Markenschuhen ab und tauschte sie im Regal gegen seine alten Schuhe aus. Der Wert betrug 49 Euro. Durch die Alarmanlage wurde der Mann am Ausgang gestellt und ging bereitwillig mit den Angestellten zurück ins Geschäft. Das hatte auch die Polizei mitbekommen, die im Nachbargeschäft einen Ladendieb stellte und einen zweiten Streifenwagen schickte.

Doch im Schuh-Geschäft entwickelte sich am Tresen ein lauter Austausch, der darin gipfelte, dass der Dieb zwar die mutmaßlich gestohlenen Schuhe zurückließ, aber seine Uhr auf den Ladentisch warf und nur in Socken aus dem Geschäft flüchtete. Zwei Verkäuferinnen waren ihm bis zu seinem Auto gefolgt. Der Dieb hätte sie bei seiner Flucht fast noch überfahren.

Das alles ist deutlich über vier Jahre her. Der Angeklagte, der ohne Verteidiger auf der Anklagebank saß, beteuerte immer wieder in gebrochenem Deutsch seine Unschuld. Er hatte es augenscheinlich ohnehin schwer damit, dass die Verhandlung von einer Richterin und einer Staatsanwältin geführt wurde. Er wollte Fotos oder Filme der Überwachungskamera sehen, weil er dann sagen könne, mit wem er verwechselt werde – einen entsprechenden Verdacht habe er. Aufnahmen gab es allerdings auch schon nicht mehr.

Zwei Zeuginnen konnten sich nicht an das Auto des mutmaßlichen Täters erinnern. Und den Angeklagten hätten sie jetzt auf der Straße auch nicht wiedererkannt. Die beiden Verkäuferinnen erinnerten sich an einen eher schmächtigen Ladendieb – obwohl die Größe des Angeklagten wohl hinkam. Auch eine Polizeibeamter konnte kein Licht ins Dunkel bringen. Am Ende sahen es Richterin und Staatsanwältin als ökonomisch geboten an, das Verfahren einzustellen.

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