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Ostholsteiner Anzeiger

23. September 2017 | 15:06 Uhr

Eine wundersame Rückkehr

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Eine Gemälde aus dem 18. Jahrhundert war über Jahrzehnte verschollen, bevor es ein Ehepaar wieder nach Landkirchen brachte

von
erstellt am 23.Apr.2014 | 12:48 Uhr

Als Sensation, sogar als kleines Wunder bezeichnete Pastor Bertolt Kark-Carlson das, was dieser Tage in der Landkirchener St.-Petri-Kirche geschehen ist: Jahrzehntelang war ein Porträt des Geistlichen Joachim Friedrich Lindloff verschwunden. Lindloff lebte von 1710 bis 1780 und wirkte 45 Jahre lang auf Fehmarn, erst als Diakon, dann als Pastor. Einst hatte das Ölbild seinen Platz am linken Pfeiler im Altarraum. Eines Tages war es weg, jetzt ist es im restaurierten Zustand zurückgekehrt.

Das Gemälde war vermutlich in den 1970er Jahren gestohlen worden. Ganz sicher lässt sich das aber nicht mehr nachvollziehen. Mehrfach hatten dänische Nachfahren Lindloffs nach dem Verbleib des Portraits, das ihren Ururgroßvater zeigt, gefragt, doch alle Nachforschungen der Kirchengemeinde verliefen im Sande.

Unergründlich wie Gottes Wege ist das Schicksal des Bildes, das vielleicht einmal quer durch Deutschland gereist ist, vielleicht aber auch ein tristes Dasein auf einem Dachboden gefristet hat. Es bleibt ein Geheimnis, wie es aus der St.-Petri-Kirche abhanden kam und wo es sich aufhielt – bis es vor sechs Jahren von dem Ehepaar Anna-Maria und Rüdiger Meussling aus Plötzky in Sachsen-Anhalt für 308 Euro auf der
Internat-Plattform E-Bay ersteigert wurde.

Rüdiger Meussling ist Pastor im Ruhestand, seine Frau Restauratorin. Sie nahm sich des Gemäldes an – das allerdings erst vor einigen Monaten. Dabei legte sie unter einer Übermalung eine goldene Schrift frei: Der Name Joachim Friedrich Lindloff und dessen Lebensdaten kamen zum Vorschein. Meusslings recherchierten und stießen auf die Kirchengemeinde Landkirchen.

Im Januar informierte Rüdiger Meussling den Landkirchener Pastor Bertolt Kark-Carlson über den Fund. „Ich wäre fast vor Freude an die Decke gesprungen“, erinnert sich Kark-Carlson. Meusslings gaben der Kirchengemeinde das Gemälde zurück, das geschah in einem Gottesdienst, an dem auch dänische Nachfahren des Portraitierten teilnahmen.

Am alten Pfeiler war für das Bild kein Platz mehr, dafür aber an der Wand des nördlichen Seitenschiffs – oberhalb des Grabplatte für Pastor Lindloff, der nach seinem Tod in der Kirche beigesetzt wurde. Das Gemälde machte das Ehepaar der Kirchengemeinde zum Geschenk.

Anna-Maria Meussling bat allerdings um die Erstattung der Materialkosten für die Restaurierung, die allein 2000 Euro gekostet hat. Für diesen Betrag hat die Kirchengemeinde eine Spendenaktion gestartet.

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