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Eine wertvolle Rarität mit Makeln: Begehrter Voß-Fehldruck für Landesbibliothek

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

shz.de von
erstellt am 21.Aug.2014 | 16:12 Uhr

Fehldrucke sind manchmal wertvoller als das Original. Sie sind Raritäten und deshalb bei Antiquitätenhändlern sehr begehrt. Die „Blaue Mauritius“ oder das 50-Pfennig-Stück mit der Aufschrift „Bank Deutscher Länder“ gehören zu den bekanntesten unter den Fehldrucken. Seit Donnerstagabend ist jetzt auch die Eutiner Landesbibliothek im Besitz einer solchen Rarität mit Makeln. Im Rahmen einer Feierstunde wurde ihrem Leiter Dr. Frank Baudach eine von Johann Heinrich Voß verfasste Übersetzung des „Odüßee“ Homers übergeben.

Das Besondere daran: Kurz vor Abschluss des Druckes fielen dem notorischen Verbesserer Voß nicht nur einige Druck-, sondern auch Übersetzungsfehler auf. So musste der Drucker zehn Seiten neu setzen, die dann – um nicht das ganze Buch neu drucken zu müssen – einfach dem letzten Druckbogen angehängt wurden. Die falschen Seiten sollten dann von den Buchbindern in mühsamer Einzelarbeit ausgeschnitten und durch die verbesserten ersetzt werden. Was offenbar auch alle taten – bis auf einen, der die verdruckten Seiten einfach dort ließ, wo sie waren. Genau dieses Fehlexemplar ist nun im Besitz der Landesbibliothek. „Das Buch ist ein wunderbares Mosaiksteinchen in unserer Sammlung“, erklärt Baudach.

Möglich wurde der Kauf des im Antiquariatshandel angebotenen Buches zu einem Preis von 1300 Euro durch eine gemeinschaftliche Aktion der Voß-Gesellschaft und der
Bürgergemeinschaft Eutin. Letztere übernahm mit 800 Euro den Löwenanteil des Kaufs. „Herr Baudach hat
uns im Februar von dem Buch erzählt. Wenn so ein Exemplar auf dem Markt ist, dann gehört es hier hin“, findet Regine Jepp, Sprecherin der Bürgergemeinschaft.

Silke Gehring betont als Vorsitzende der Voß-Gesellschaft den historischen Wert des fehlerhaften Buches. „Wir können hierdurch Voß bei der Arbeit über die Schulter schauen und seine Änderungen nachvollziehen.“

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