Eine Werbung für den Gottesbezug in der Landesverfassung

Waren einer Meinung: Björn Engholm, Bettina Hagedorn, Dr. Peter Wendt, Heiko Hoffmann und Prof. Thomas Vogel diskutierten das Für und Wider eines Gottesbezugs in der Landesverfassung.
Waren einer Meinung: Björn Engholm, Bettina Hagedorn, Dr. Peter Wendt, Heiko Hoffmann und Prof. Thomas Vogel diskutierten das Für und Wider eines Gottesbezugs in der Landesverfassung.

Auf dem Podium der Diskussionsveranstaltung des Kirchenkreises Ostholstein waren sich alle Teilnehmer einig / Anspruchsvolles Gespräch vermittelte Werte

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27. Mai 2015, 14:24 Uhr

Einen Blick auf die gesellschaftliche Debatte erhielten etwa 60 Zuhörer am Dienstagabend in der Trinkkurhalle bei der Diskussion um den „Gottesbezug in der Landesverfassung“. Dabei waren sich Ministerpräsident a.D. Björn Engholm, die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn, Justizminister a.D. Heiko Hoffmann und Pastor Prof. Thomas Vogel einig: der seit 70 Jahren im Grundgesetz stehende Gottesbezug muss auch in die Landesverfassung aufgenommen werden. Ein vom Kirchenkreis Ostholstein eingeladener Gegner des Gottesbezuges in der Landesverfassung hatte seine Teilnahme im Podium abgesagt.

Propst Peter Barz wies in seiner Begrüßung auf die Bedeutung des Gottesbezugs als Demutsformel hin und erinnerte an die Cap-Arcona-Katastrophe vor 70 Jahren. Bürgermeisterin Hatice Kara begrüßte Podiumsgäste und Zuhörer und stellte die interreligiösen und interkulturellen Bezüge der Volksinitiative in den Vordergrund. „So wichtig mir die Trennung von Staat und Religion auch ist, so entschieden bin ich für einen Gottesbezug, weil ich in ihm eine Demutsformel sehe, die uns auf größere Zusammenhänge hinweist, darauf, woher wir alle kommen.“

Moderator und Synodalpräses Dr. Peter Wendt ließ sich von jedem Gast den persönlichen Bezug zum Thema „Gottesbezug“ schildern. Wenn auch mit unterschiedlichen Zugängen und aus individuellen Erfahrungen heraus ist die Aufnahme des Gottesbezugs allen Diskutanten ein wichtiges Anliegen. Heiko Hoffmann und Björn Engholm betonten in ihren Beiträgen, wie sehr unsere Werte vom Glauben geprägt seien und dass wir mit der Gottesformel die Fehlerhaftigkeit und Begrenztheit des menschlichen Tuns anerkennen. Bettina Hagedorn machte deutlich, dass man auch gerade bei Entscheidungen, die in Verantwortung vor den nachfolgenden Generationen getroffen werden müssten, Beistand jenseits menschlicher Vernunft brauche. Aus diesem Grunde lege sie auch Wert auf die Eidesformel: „So wahr mir Gott helfe“. Pastor Vogel wies darauf hin, dass es nicht darum gehe, die Trennung von Staat und Kirche in Zweifel zu ziehen, aber „christlicher Glaube hat immer mit Stellungnahme zu tun“ und wichtig sei es, „diese Diskussion mit großer Gelassenheit zu führen“. Die Kirche sei in dieser Debatte nur eine Meinungsträgerin unter vielen, die in dieser Initiative interreligiöse und gesellschaftliche Bündnisse eingeht.

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion stellten sich die Gäste den Fragen aus dem Plenum. Ein Zuhörer merkte kritisch an, dass „Gott eine menschliche Erfindung“ sei und jeder Mensch sein Tun, seine Entscheidungen vor sich selbst verantworten müsse. Im Laufe des Abends konnten verschiedene Facetten des Themas ausgeleuchtet werden. Die Podiumsgäste waren sich einig, dass der gesellschaftliche Diskurs zum Gottesbezug, der viele Menschen darüber ins Gespräch bringt, was ihnen wichtig ist und was für sie Glaube bedeutet, schon ein Wert für sich sei. Es wäre wünschenswert, wenn diese integrative Leistung in einen gesellschaftlichen Konsens ohne Verlierer münden würde.

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