Eutin : Eine Sternstunde im Musikleben

Dem Freundeskreis Schloss Eutin war es gelungen, den international renommierten Musiker Kolja Lessing in die Stadt zu holen.

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23. September 2011, 11:10 Uhr

Eutin | Wer Kolja Lessing einlädt, fängt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: einen tollen Geigenvirtuosen und einen exzellenten Pianisten.

Und so war der Abend im kostbaren Rittersaal zweiteilig: Vor der Pause spielte Lessing Werke für Violine solo (Bachs D-Moll-Partita, eine Suite von Ferdinand David, Präludium und Fuge von Max Reger), nachher Klavierstücke (Transkriptionen zweier Schumann-Lieder von Clara Schumann, Brahms selten gespielte Variationen op. 9, zwei Kompositionen von Max Reger "in memoriam" Johannes Brahms).

Lessing ist dafür bekannt, dass er als musikhistorisch informierter Künstler Raritäten ausgräbt und diese dann als begnadeter Interpret zu neuem Leben erweckt. Gern bündelt er seine kostbaren Funde durch einen thematischen Faden, der in diesem Fall von Johannes Brahms ausging. "Vorbilder, Freunde und Erben" von Brahms waren das Thema des Abends. Lessing stellte in freier Rede den jeweiligen Bezug her, also Brahms zu Bach (z. B. der 4. Satz seiner 4. Symphonie, der auf Bachs Chaconne zu antworten scheint), desgleichen Brahms zu David (einem mit Joseph Joachim und Brahms befreundeten Geigenvirtuosen), Brahms zu den Schumanns (den Variationen op. 9 liegt ein Thema von Robert zu Grunde, und gegen Schluss wird ein Thema von Clara zitiert), und Brahms zu Reger (in dem Stück für Solo-Violine zitiert Reger aus Brahms Violinkonzert, und in dem Klavierstück "Resignation" klingt am Ende das Thema des 2. Satzes aus Brahms Vierter an). Das Konzert vom vergangenen Sonnabend gehört sicherlich zu den Sternstunden des Eutiner Musiklebens. Der wunderschöne und akustisch hervorragende Rittersaal war sehr gut besetzt, und das Publikum wollte den Künstler am liebsten gar nicht mehr gehen lassen. Mit einer köstlichen Zugabe am Klavier - Max Regers "Marsch der Stiftsdamen", einem "Allegro pomposo" von nur neun Takten Länge - gelang Lessing schließlich der Abgang, nicht ohne von dem Vorsitzenden des Freundeskreises Schloss Eutin, Dr. Lutz Werner, mit warmen Worten (und einer kleinen Marzipan-Skulptur) bedankt und verabschiedet worden zu sein.

Prof. Dr. Peter Petersen, Jahrgang 1940, war von 1985 bis zu seinem Ruhestand 2005 Professor an der Universität Hamburg. Er ist Mitbegründer des Hamburger Jahrbuchs für Musikwissenschaft, Mitherausgeber des Online-Lexikons verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit sowie Gründer und Leiter der "Arbeitsgruppe Exilmusik" in Hamburg und Herausgeber der Schriftenreihe Musik im "Dritten Reich" und im Exil.

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