Eine Schamanin hilft verletzten Seelen

Mit der Schamanentrommel ruft Ghelia Bohnhof die guten Geister herbei.  Fotos: Micahel Kuhr (3)
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Mit der Schamanentrommel ruft Ghelia Bohnhof die guten Geister herbei. Fotos: Micahel Kuhr (3)

Schon als Kind hatte Ghelia Bohnhof aus Neversfelde nach dem Sinn des Lebens gesucht / 59-jährige Schamanin verbindet die Menschen mit dem Göttlichen

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27. Mai 2015, 16:12 Uhr

Migräne, Depressionen, Ängste – Ghelia Bohnhof hat selbst schon alles gehabt. Es sind die unsichtbaren Lasten, die alle Menschen irgendwie in sich tragen und schultern. Das muss nicht sein. Die Schamanin aus Neversfelde erinnert ihre Klienten an ihre eigenen Stärken und Heilkräfte. Sie zeigt ihnen, wie sie auf ihre Körper hören können und weckt die Selbstheilkräfte der Menschen.

„Wenn es an Armen oder Beinen auffällig juckt, dann will da meistens etwas raus“, weiß die 59-Jährige. Der Hautarzt verschreibe vermutlich eine Salbe und drücke so den Juckreiz zurück in den Körper. Ghelia Bohnhof hat nichts gegen die Salbe und rät auch nicht zum Verzicht auf Medikamente. Aber sie hilft auf ihre Art, den Juckreiz zu beenden. Ein anderes Beispiel: die Eltern trennen sich, das Kind fühlt sich schuldig. „Das bleibt meistens ein Leben lang“, erinnert sich Ghelia Bohnhof an eine Klientin, mit der sie eine tränenreiche, aber sehr erfolgreiche Vergebungsarbeit, wie sie es nennt, gemacht hat. In einem anderen Fall haben sich zerstrittene Schwestern wieder versöhnt, nachdem eine von ihnen als Klientin bei Ghelia Bohnhof war.

Ihr geht es in den Sitzungen darum, dass ihre Klienten erkennen, worum es im Leben geht. „Wir haben einen Seelenauftrag auf Erden und das ist mehr als die Anhäufung von Geld und Gütern oder das Sterben“, sagte Ghelia Bohnhof. Sie glaube an das Göttliche. Jesus Christus sei greifbar, denn ihn habe es gegeben. Die Schamanin möchte die Menschen mit dem Göttlichen verbinden.

Bei ihren teilweise über mehrere Stunden andauernden Treffen entstehen oft sehr tiefe, emotionale Bindungen zu den Klienten. „Für mich ist das selbst keine Belastung, ich darf zwar mitfühlen, aber nicht mitleiden“, sagt Ghelia Bohnhof. Sie sei völlig neutral, bewege sich auf einer anderen Ebene, einer anderen Welle und schreibe dort das Drehbuch: „Sonst funktioniere die Bindung nicht.“

Und dann geht es los: Ghelia Bohnhof lässt mich Karten ziehen, will mich besser kennen lernen. „Eigentlich habe ich aktuell keine Sorgen oder Probleme, bin glücklich und zufrieden“, freue ich mich und staune über ein Stück Hirschgeweih an einer Lederkette und einen Beutel. Sie nennt ihn Medizin-Beutel und zeigt einen Pendel, Beifuß, einen Türkis Stein oder einen Donnerkeil sowie andere Schutzgegenstände. Im Raum stehen eine Couch und eine Liege. Es riecht nach Kräutern, Kerzen brennen. Es ist gemütlich. Ghelia Bohnhof führt mich gefühlvoll an ganz unterschiedliche Themen heran. Es geht mit Hilfe von Karten um Beziehungen innerhalb der Familie und daraus entstandene Probleme, die unbewusst bis heute nachhallen.

Sie schreibt einen Zettel mit dem Namen des Familienmitglieds auf, stellt sich auf den Zettel und nimmt Kontakt mit ihm auf. Mit Hilfe ihrer Schamanen-Trommel ruft sie das Familienmitglied herbei und ich trete über Ghelia Bohnhof mit dem Mitglied in eine Art spirituellen Monolog. Es wird über alles gesprochen, was zum Lösen eines Knotens beiträgt und wieder getrennt – ein am Ende schönes, leichtes Gefühl.

Ghelia – was für ein wunderschöner Name. Doch er habe sie in jungen Jahren oft in Erklärungsnot gebracht. Ihre Mutter habe einen Roman gelesen in dem eine Seiltänzerin namens Ghelia vorkam. Diesen Namen trägt die gelernte Kauffrau im Textilfachhandel, die eigentlich gern Kindergärtnerin geworden wäre, nun seit 59 Jahren.

Wie wird man eigentlich Schamanin? Durch Schulung und Seminare? Ja, aber auch dann gehört schon das nötige Bewusstsein dazu, was denn der Schamanismus überhaupt ist, denn die eigentliche Initiation passiert nicht durch einen „amtlich bestellten Lehrer“, sondern durch das Leben höchst selbst. „Die geistige Welt hat da nämlich auch noch ein Wörtchen mitzureden“, weiß Ghelia Bohnhof. Kaum einer werde durch eigenen Entschluss zum Schamanen, sondern „durch den Ruf der Geister“. Aus eigener Erfahrung berichtet Ghelia Bohnhof, dass es ziemlich unangenehme Konsequenzen geben kann, wenn man sich diesem Ruf widersetzt und ihn ignoriert. So ist es ihr nämlich ergangen. Jeden Hinweis habe sie übersehen und überhört. Höchst wahrscheinlich, weil sie insgeheim schon eine Ahnung davon hatte, dass das kein leichter Weg werden würde.

Schon als Kind musste sie immer wieder schwere Krankheiten durchmachen, wäre beinahe ertrunken und auch als erwachsene junge Frau gab es immer wieder Schicksalsschläge und Krisen, bis hin zu einem Nahtoderlebnis bei der Geburt ihres eigenen Sohnes, der als erstes von drei Kindern 1974, auf die Welt kam.

1976 wurde Tochter Christina nach einer problematischen Schwangerschaft geboren. „Meine Kinder sind immer mein größtes Glück“, sagte Ghelia Bohnhof. Mit ihnen zusammen konnte sie wenigstens zeitweise authentisch sein, darum auch der tiefe Wunsch nach einem dritten Kind, der sich mit der Geburt von Johanna 1990 erfüllte.

Etwas veränderte sich stark in Ghelias Leben – ihr Bewusstsein: „Wie das Leben zu sein hat und wie ich sein möchte kollidierten miteinander.“ Sie fing an, sich mit der Naturheilkunde, Homöopathie und geistigem Heilen zu beschäftigen. Das brachte sie zu sich selbst und ihre Ehe zum Aus. Sie gab sich die Schuld daran und fiel wieder ins alte Muster zurück. Doch die geistige Welt habe nicht locker gelassen und sie durch eine jahrelange, schwere Prüfung geschickt, wie sie heute weiß.

Schwere Depressionen, Ängste und Panikattacken, Schlafstörungen und zum Teil unerträgliche nicht erklärbare Schmerzen waren an der Tagesordnung. „Nach einiger Zeit wurde ich von einigen Schulmedizinern nur noch müde belächelt und als eingebildete Kranke abgestempelt, zumal die verordneten Therapien zum Teil alles nur noch schlimmer machten“, sagte Ghelia Bohnhof. Ihre Intuition sagte ihr aber immer wieder, „dass es einen anderen Weg geben muss und außerdem hatte ich nie das Gefühl ernsthaft krank zu sein, doch wie soll man das erklären?“

Sie ging dann konsequent einen anderen Weg. Einen Weg, der sie über die Einweihung in die Reiki-Energie, zur Naturheilkunde führte. Und sie fing an, sich immer besser zu fühlen.

Wahrscheinlich hätte sie ihr Leben jetzt so weitergeführt, wie vor all den Symptomen. Bohnhof: „Das wusste wohl auch die geistige Welt und schickte mir eine neue Herausforderung.“ Nach Krankheit und Schmerz hätten sich nun die Schattenreiche mit ihren Geistern sehr nachdrücklich bei ihr gemeldet – „bis ich endlich bereit war, mich auf den schamanischen Weg zu begeben“.

Einige Jahre intensiver Heilung und Schulung bei einem Schamanen folgten. Ghelia Bohnhof musste nach eigenen Worten „wohl erst ganz unten ankommen, um zu erkennen, dass ich viel zu oft gegen meine Intuition gehandelt hatte und meinem Ego gefolgt war. Es hat mich aber auch gelehrt, dass man alles erst einmal selbst und am eigenen Leib erfahren muss, bevor man bei den Menschen heilend und harmonisierend tätig werden darf.“ Sie sei unendlich dankbar für all die Erfahrungen, für all die Schmerzen und Erlebnisse in den Heilungsprozessen: „All das hat mich zurück gebracht zu meiner Seele.“

Schon als Kind habe Ghelia Bohnhof nach dem Sinn des Lebens gesucht: „Meine Großmutter hat mich gelehrt, dass alles miteinander verbunden ist – Menschen, Tiere, Pflanzen, Mutter Erde. Sie hat mir vorgelebt, dass man sich bei Mutter Erde Kraft holen kann und Geborgenheit.“ Sie habe ihr auch beigebracht, dass alles im Leben immer einen Sinn habe, auch wenn man diesen Sinn im Moment noch nicht erkennen könne.

Die Fähigkeit mit dem Geist und den Händen zu heilen, sei Ghelia Bohnhof von ihren Ahnen übertragen worden: „Dass das so ist und das Vorfahren meiner Familie anderen Menschen Heilung brachten, weiß ich erst seit kurzem.“

Ihr Leben habe sich radikal verändert, denn heute liege ihr Weg ganz klar vor ihr: „Ich habe meine Berufung gefunden, werde aber auch in Zukunft weiter an mir arbeiten dürfen, denn es gibt immer noch etwas zu lernen.“ Im Grunde genommen gehe es immer um die Liebe zu uns selbst, zu anderen Menschen und zu allem, was ist und es geht um Vergebung. „Niemand ist Schuld an unserem Schmerz und an unserem Leid. Wir selbst haben alles in unserer Hand und auch nur wir allein können etwas an der Situation verändern“, ist sich Ghelia Bohnhof sicher.

In ihrer Praxis für geistiges Heilen und schamanische Heilarbeit in Neversfelde geht Ghelia Bohnhof auf. Für sie ist Schamanismus keine Religion, sondern ein ganzheitliches und naturverbundenes Denken. „Die schamanische Philosophie geht davon aus, dass alles beseelt ist und alles, was existiert, miteinander verbunden ist“, berichtet Ghelia Bohnhof. So stehen nach ihrer Auffassung Menschen und Tiere, Pflanzen und Steine in ständiger Wechselwirkung in Verbindung. Bohnhof: „Gerät die Seele aus ihrem Gleichgewicht, bildet dieses Ungleichgewicht den Nährboden für die unterschiedlichsten Symptome und Krankheiten.“ Und sie stellt das Gleichgewicht der Seele wieder her, damit der Körper gesund wird.  

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