Eine Promillefahrt bleibt ohne Folgen

Prozess vor dem Amtsgericht in Plön musste eingestellt werden

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08. Februar 2018, 12:10 Uhr

Da hat wohl jemand mehr als Glück gehabt. Wer mit Alkohol am Steuer von der Polizei erwischt wird, hat in der Regel mit einer entsprechenden Strafe zu rechnen. Bei gemessenen 1,38 Promille sind drei Punkte in Flensburg fällig, eine Freiheits- oder Geldstrafe in nicht unerheblicher Höhe und ein Fahrverbot ab sechs Monaten, sagt der Bußgeldkatalog. Deshalb lautete die Anklage für die 26jährige Preetzerin vor dem Amtsgericht Plön auch auf Trunkenheit am Steuer. Doch in diesem Fall kann die Angeklagte ihren Führerschein behalten, ersparte sich sogar eine Verurteilung.

Dabei war der Sachverhalt an sich unbestritten. Nach einem Streit unter Alkohol auf einer Geburtstagsfeier im Mai 2017 hatte sie sich erbost ans Steuer ihres Wagens gesetzt und war abgehauen – um wenig später allerdings wieder auf der Party am See zu erscheinen. Nur, in der Zwischenzeit hatte die Gastgeberin die Polizei gerufen und die traf gleich nach der Autofahrerin ein. Und die ließen die Autofahrerin mit eben dem Ergebnis pusten. Stunden später im Krankenhaus lag der Wert immer noch bei 1,21 Promille. Soweit so klar.

Nur irgendwie war die Party zum 30. Geburtstag der Gastgeberin aus dem Ruder gelaufen. „So aggressiv kannte ich sie nicht“, sagte eine Zeugin und beschrieb, wie die Angeklagte mehrfach auf die Gastgeberin eingeschlagen und sie geschubst habe. Und so stand plötzlich auch noch der Vorwurf einer Körperverletzung im Raum – nur die war schon nach einer Anzeige vor dem Amtsgericht in Kiel verhandelt worden, wie im Prozess deutlich wurde. Und dieses Verfahren war schon beendet.

Nur war das nach Informationen des OHA bei der Polizei allem Anschein nach nicht bemerkt worden, weil diese offenbar zwei getrennte Vorgänge aus der Angelegenheit gemacht hatte, obwohl die Körperverletzung im direkten Zusammenhang mit der Trunkenheitsfahrt stand. Und weil niemand für eine Tat zweimal bestraft werden kann, konnte die Alkoholfahrt vor dem Amtsgericht Plön nicht weiter verhandelt werden.

Auf Nachfrage erklärte hierzu der Kieler Oberstaatsanwalt Axel Bieler: „Das Verfahren wegen einer angeklagten Trunkenheitsfahrt vor dem Amtsgericht (Plön – Red.) wurde eingestellt, da ein Verfahrenshindernis bestand. Die Einstellung hatte deshalb aus Rechtsgründen zu erfolgen, da kurz zuvor in einem anderen Verfahren gegen die Beschuldigte wegen des Verdachts eines Körperverletzungsdeliktes nach Durchführung eines Täter-Opfer-Ausgleichs eine Einstellung erfolgt war.“

Mit anderen Worten, irgendjemand hat hier wohl geschlampt. Nur wer, bleibt offen. Für die Angeklagte jedenfalls ein zufriedenstellendes Ergebnis – sie kann ihren Führerschein behalten. Rechtlich wird dies keine Folgen mehr für sie haben. Dass ihre Freundschaft zur damaligen Gastgeberin der Geburtstagsparty auf Eis liegt, steht auf einem anderen Blatt.

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