Malente : Eine neue Kita für Malente?

Janina Khames-Berkau mit ihrem Sohn Benne auf ihrem Wunsch-Grundstück in Neversfelde: Weil die Heilerzieherin und pädagogische Fachbereraterin für keinen Betreuungsplatz findet, will sie dort nun selbst eine Kita gründen.
Janina Khames-Berkau mit ihrem Sohn Benne auf ihrem Wunsch-Grundstück in Neversfelde: Weil die Heilerzieherin und pädagogische Fachberaterin keinen Betreuungsplatz findet, will sie dort nun selbst eine Kita gründen.

Janina Khames-Berkau will in Neversfelde einen Kindergarten eröffnen – nun hofft sie auf Unterstützung durch die Gemeinde.

shz.de von
03. Dezember 2018, 12:54 Uhr

Was macht eine Mutter, die einen anderthalbjährigen Sohn hat, in ihrem Heimatort keinen Betreuungsplatz für ihr Kind bekommt und deshalb ihren Beruf nicht ausüben kann? Sie macht aus der Not eine Tugend – und gründet selbst eine Kita, zumal sie als Heilerzieherin sowie studierte Fachberaterin für Kindertagesstätten und Kindertagespflege vom Fach ist. Das ist jedenfalls der Plan, mit dem Janina Khames-Berkau an die Gemeinde Malente herangetreten ist. Am Mittwoch, 5. Dezember, will die 35-Jährige aus Malente-Neversfelde ihr Vorhaben im Sozialausschuss vorstellen, der ab 18 Uhr im Haus des Kurgastes (Klönzimmer) tagt. Sie hofft, dass die Gemeinde ihren Plänen zustimmt und damit, wie bei anderen Kitas, zur Finanzierung beiträgt.

Ein passendes Grundstück für ihr Projekt hat die zweifache Mutter nach einiger Suche bereits entdeckt. Es liegt am Grebiner Weg hinter der alten Töpferei, unweit des Ferien-Hotels an der Kreuzung zur Neversfelder Straße. Noch steht ein sanierungsbedürftiges Haus auf der rund 1600 Quadratmeter großen Fläche, doch hier kann sich Janina Khames-Berkau ihre Kita für zwei Gruppen – für Krippenkinder und Drei- bis Sechsjährige – vorstellen. Die Eigentümerin des Grundstücks stehe ihren Plänen positiv gegenüber, sagt sie.

Einen Namen hat sie schon gefunden: „Kinderlachen in Neversfelde – ein Garten für dein Kind“ soll die Kita heißen. Damit verbunden ist ein pädagogischer Anspruch: „Die Kinder sollen lernen, wie Nachhaltigkeit funktioniert“, erklärt die Neversfelderin, die sich der Montessori-Pädagogik verbunden fühlt. Deshalb legt sie Wert auf ein naturnahes Grundstück, auf dem nicht nur Kräuter und Gemüse angebaut werden sollen, sondern auch Tiere, beispielsweise Hühner, gehalten werden können. Willkommen ist der Fachfrau daher auch die Nähe zum Hof Radlandsichten, der von dem Grundstück aus zu Fuß in einer guten halben Stunde erreichbar sei. Bereits jetzt bietet sie dort Erlebnis-Treffs für Eltern und Kind an, bei denen die Kinder etwa Tiere füttern oder im Stroh spielen können. Sie sei auch offen für ein anderes Grundstück, sagt Janina Khames-Berkau, aber eines sei ihr wichtig: „Der Kindergarten muss für die Kinder ein zweites Zuhause werden.“

Dieser Herzenswunsch passt auch zu den geplanten Öffnungszeiten von 6.30 bis 17.30 Uhr. Die Kinder könnten von 6.30 bis 8 Uhr und 9 bis 10.30 Uhr gebracht werden. „Dieses Modell soll gerade für Schichtdienstler und Alleinerziehende attraktiv sein“, betont Janina Khames-Berkau. Sie hofft daher auch, Unterstützung bei Arbeitgebern zu finden, deren Beschäftigte ausgedehnte Kita-Zeiten benötigen. Bei 30 Vollzeitkindern bräuchte sie acht Mitarbeiter. Diese sollen einen Bezug zu den Bereichen Montessori, Bauernhof und Natur oder Kneipp haben.

Die Gemeinde Malente ist derzeit dringend auf neue Kita-Plätze angewiesen. Genaue Zahlen einer Bedarfserhebung sollen dem Sozialausschuss ebenfalls in der Sitzung am Mittwoch vorgelegt werden. Noch im August hatte Bürgermeisterin Tanja Rönck mitgeteilt, dass insgesamt 33 Plätze fehlten: 26 für Krippenkinder und sieben für ältere Kinder.

Eile ist also geboten, schließlich haben die betroffenen Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. Außerdem mache das Land gerade viel Geld für den Ausbau von Kita-Plätzen locker, sagt Janina Khames-Berkau. Sie hofft, dass die Gemeinde Fördermittel nutzt, um das Kita-Projekt in Neversfelde zu ermöglichen. Damit sich die Pläne schnell umsetzen lassen, hat die Kita-Gründerin in spe Kontakt zu einer Firma aufgenommen, die Container für Kitas und Schulen aufbaue. Dies geschehe innerhalb von drei Monaten. Die Container könnten sowohl gemietet als auch gekauft werden.

Zwar ist Janina Khames-Berkau bewusst, dass sie bei Politik und Verwaltung erst einmal eine gewisse Portion Skepsis überwinden muss, da sie nicht auf Strukturen zurückgreifen kann, die etablierten Kita-Trägern zur Verfügung stehen. Doch in 15 Jahren habe sie sich viele Kompetenzen im Bereich der Kinderbetreuung angeeignet. Auf die greife auch der Kreis Ostholstein zurück, für den sie in Zusammenarbeit mit der Familienbildungsstätte Kurse zur Kindertagespflegequalifikation leite. Unterstützung wolle sie sich beim Paritätischen Wohlfahrtsverband holen. Dieser bietet als Dachverband fachliche und rechtliche Beratung sowie betriebswirtschaftliche Unterstützung an.

> Eltern, die auf der Suche nach einem Betreuungsplatz für ihr Kind sind und sich für das Projekt „Kinderlachen in Neversfelde“ interessieren, können sich mit Janina Khames-Berkau unter Telefon 0152/22320494 in Verbindung setzen.

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