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Ostholsteiner Anzeiger

19. August 2017 | 04:37 Uhr

Eine neue Heimat in der Zivilisation

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Viele Vögel geben sich bei der Suche nach einem Brutplatz einfallsreich / Von Höhlen und Hochsitzen

Die meisten Nester der heimatlichen Vögel überdauern in der Regel lediglich eine Brutsaison, aber bei knappem Angebot an geeigneten Brutplätzen oder Nistmaterial können diese auch Jahre lang erneut genutzt werden. Dies gilt vor allem für Fels- und Höhlenbrüter sowie für Großvögel, die umfangreiche Nestburgen errichten. Nester in günstig gelegenen Felsnischen der Gebirge oder auf Einzelbäumen werden im Einzelfall bis zu 100 Jahre in Folge als Brutplatz besetzt.

Dies ist vor allem von Weiß- und Schwarzstörchen sowie von großen Greifvögeln bekannt, wobei dann ein traditionelles Nest dieser Art „Horst“ genannt wird und im
Verlaufe der Jahre auch von verschiedenen Vogelarten genutzt werden kann.

Auch Spechthöhlen werden gewöhnlich in den Folgejahren wieder bezogen – der begrenzende Faktor ist der Parasitenbefall. Eulen und Falken, die selbst keine Nester bauen, benötigen bereits vorhandene Strukturen, die sich als Brutplatz eignen. Für diese Vogelarten spielen alte Nester und Höhlen eine wichtige Rolle. Waldohreulen, Baum- und Turmfalken brüten oft in verlassenen Krähen- und Bussardnestern, während Käuze auf verfügbare Spechthöhlen angewiesen sind. Als ein weiterer Höhlenbrüter passt der Kleiber das gegebenenfalls zu große Einflugloch seiner Körpergröße an, indem er dies mit Lehm und anderem Material verengt. Und sogar der seltene, einheimische Watvogel, der Waldwasserläufer, bebrütet sein Gelege bis zum Schlüpfen der Jungvögel in alten Drosselnestern. An den schleswig-holsteinischen Küsten werden Kaninchen- und Fuchsbaue als Neststandorte der Brandgänse genutzt. Dabei kann es – so liest man in den Fachbüchern – zu erfolgreichen Bruten kommen, selbst wenn die Höhle noch von den ursprünglichen Insassen bewohnt sind. Unsere Beobachtungen auf der Insel Sylt weisen diese Mitteilung in das Reich des Jägerlateins, da der Fuchs nach unserer aufregend-spannenden Beobachtung den neben seiner Unterkunft balzenden Ganter überwältigte und in seinen Bau zog.

Zahlreiche Vogelarten haben sich der Kulturlandschaft des Menschen angepasst und leben inmitten unserer Dörfer und Städte. Sie haben dadurch neue Lebensräume für sich erschlossen und werden als Kulturfolger bezeichnet. Vielfach sind in menschlichen Siedlungen Strukturen entstanden, die natürlichen Gegebenheiten ähneln und oft einen attraktiven Ersatz darstellen. Der Weißstorch ist ursprünglich ein Baumbrüter, der in Flussauen lebt. Obwohl dort geeignete Bäume meist vorhanden sind, brüten die Vögel heute fast ausnahmslos auf künstlichen Unterlagen wie Gebäudedächern, Schornsteinen und Leitungsmasten. Auch Rauch- und Mehlschwalbe, Mauersegler, Haussperling und Dohle als ursprüngliche Felsen- oder Höhlenbrüter nisten inzwischen fast nur noch an Bauwerken.

Dies gilt in gleicher Weise für den erst im 19. Jahrhundert nach Mitteleuropa eingewanderten Hausrotschwanz, der ursprünglich ein Bewohner mediterraner Felslandschaften war (und noch ist) und zeigte nach
Ende des Zweiten Weltkrieges eine deutliche Bestandszunahme bei uns – die zum Teil großflächige Trümmerlandschaft in den zerbombten Städten bot für diese
Vogelart ein nahezu ideales Angebot an neuen Brutplätzen.


Weitere Infos gibt es im Internet
unter der Adresse www.vogelschutz eutin-badmalente.de

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von
erstellt am 19.Mär.2015 | 11:09 Uhr

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