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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 12:06 Uhr

Eine Klettertour auf den Tafelberg

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

von
erstellt am 09.Dez.2016 | 12:49 Uhr

In der Camphill School Hermanus hatten wir im Oktober unsere ersten Ferien, die wir in Kapstadt verbracht haben. Da das letzte Schulquartal dieses Jahr sehr kurz ist, ist auch der nächste Urlaub schon in Planung. Bevor ich zu der freien Zeit komme, möchte ich aber – anknüpfend an meinen letzten Bericht – ein bisschen auf die Arbeit hier eingehen.

Die Schule besteht aus sechs Klassen und wird von 65 Kindern besucht, die vorwiegend aus den umliegenden Townships kommen. Ich bin in der untersten Klasse, dem Kindergarten, tätig. Die Kinder dort sind zwischen sechs und zehn Jahren alt und haben verschiedene Einschränkungen. So haben wir zum Beispiel zwei Schüler mit Down-Syndrom in der Klasse, es gibt aber auch Kinder, die aus schwierigen familiären Verhältnissen kommen oder eine Lernschwäche haben.

In der Klasse üben wir Grundlagen wie die Zahlen bis zehn, Wochentage, Monate, Formen und Farben. Außerdem singen und basteln wir viel zusammen, was allerdings manchmal in einem kleinen Chaos endet, wenn ein Kind gerade sein Blatt zerreißen will, ein anderes versucht, die Klebe zu essen und das Dritte die Finger in den Wasserfarben hat. Natürlich bleibt auch immer noch genug Zeit, um draußen zu spielen, wobei ich beim Fußballspielen und Schaukeln anschubsen auch direkt mein tägliches Fitnessprogramm absolviere.

Die Arbeit im Kindergarten bringt mir viel Spaß. Es ist total schön, zu sehen, wie die Kinder Fortschritte machen. Ich bin immer sehr stolz, wenn beispielsweise ein Kind, das zuerst kaum gesprochen hat, anfängt, Formen zu erkennen oder einige Zahlen zu sagen. Für solche Momente lohnt es sich auch, dass die Arbeit an einigen Tagen wirklich anstrengend und nervenaufreibend ist.
 Vor allem die Verständigung ist ein großes Problem. Einige Kinder sprechen kein oder nur wenig Englisch, sondern nur Xhosa, oder sie können gar nicht richtig sprechen.

Kurz vor den Ferien haben wir mit der Klasse einen Ausflug nach Kapstadt gemacht. Passend zum Unterrichtsthema „Transportmittel“ ging es unter anderem zum Flughafen, wo die Kinder begeistert die vielen Reisenden sowie die startenden und landenden Flugzeuge beobachtet haben. Auf dem Rückweg zum Parkplatz gab es dann noch ein Transportmittel der besonderen Art, denn es wurde ein Rennen mit den Gepäckwagen veranstaltet, wobei Kinder und Betreuer gleichermaßen Spaß hatten.

Einige Tage später ging es für uns Freiwillige direkt wieder nach Kapstadt, wo wir unsere einwöchigen Ferien verbracht haben. Bei einer Kapstadtreise darf natürlich auch der Tafelberg nicht fehlen und so haben wir uns schon am Tag nach unserer Ankunft aufgemacht, um den Berg zu Fuß zu erklimmen. Bereits nach der ersten halben Stunde haben wir gemerkt, dass das leichter gesagt ist als getan. Der Großteil des Weges besteht aus recht hohen Felsbrocken-Stufen, über die man nach oben steigt oder teilweise eher klettert. Das Ende des Weges, also die letzten anderthalb Stunden, war besonders schlimm, weil man sein Ziel schon im Blick hatte, es aber trotzdem nicht näher zu kommen schien. Vom Tafelberg herabsteigende Leute, die uns versicherten, dass es „nur noch eine halbe Stunde“bis oben sei, haben unsere Motivation auch nicht gerade erhöht, weil wir diese Zeitangabe auch schon eine Stunde vorher von anderen Wanderern bekommen hatten. Schließlich haben wir das Plateau aber erreicht und sind stolz, dass wir es geschafft haben.

Nachdem wir mit der V&A Waterfront und dem Kap der Guten Hoffnung auch noch zwei weitere typische Kapstadtziele besucht hatten, wollten wir uns am heißesten Tag unseres Urlaubs einen gemütlichen Nachmittag in Muizenberg am Strand gönnen. Die Fahrt dorthin war allerdings ein bisschen chaotisch. Nachdem unser Zug auf halber Strecke den Geist aufgegeben hatte, saßen wir gute anderthalb Stunden im unklimatisierten Abteil fest, bis wir es irgendwie in den nächsten Bahnhof geschafft haben.

Der nächste Zug in diese Richtung hatte aber eine 50-minütige Verspätung, weshalb wir uns schließlich entschieden, ein Taxi zu rufen. Als wir aus dem Bahnhofsgebäude heraustraten, haben wir festgestellt, dass wir mitten auf einer Art kleinem Straßenmarkt gelandet sind, weshalb es noch mal einige Zeit gedauert hat, in dem Getümmel mit all den Händlern das Taxi zu finden. Gegen Nachmittag sind wir dann endlich in Muizenberg angekommen und konnten uns ins kühle Nass stürzen – natürlich nicht ohne vorher einen Blick auf die Farbe der Haiwarnflagge geworfen zu haben.

Insgesamt hatten wir einen sehr schönen und erholsamen Urlaub in Kapstadt. Da wir eine ganze Woche Zeit hatten, gab es auch genug Gelegenheit, durch Straßen und kleine Geschäfte zu schlendern.

Nach den Ferien verging die Zeit sehr schnell und in der Schule stecken wir nun schon mitten in den Vorbereitungen für das Krippenspiel, wobei es ein bisschen seltsam ist, bei 30 Grad „Stille Nacht“ zu singen.

Mitte Dezember endet das Schuljahr und ich werde mit zwei Freundinnen eine vierwöchige Reise quer durch Südafrika unternehmen. Ich freue mich, dass wir die Gelegenheit haben, so lange durch das Land zu reisen und bin gespannt, was für neue Eindrücke und Erfahrungen wir in diesem Urlaub machen dürfen.













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