Kreisbibliothek : Eine Hommage an Eutins Partnerstadt Lawrence

Martin Vollertsen brachte den Besuchern Kansas näher.  Foto: emm
Martin Vollertsen brachte den Besuchern Kansas näher. Foto: emm

Martin Vollertsen beschrieb die Entwicklung des Staates Kansas.

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31. Januar 2011, 11:01 Uhr

Eutin | Napoleon war es, der 1803 durch den Verkauf seiner Ländereien den Weg für weitere Besiedelungen in Amerika freimachte. Die Entwicklung bis zur Gründung des Staates Kansas am 29. Januar 1861 beschrieb der Vorsitzende des Vereins "Freunde von Lawrence in Kansas", Martin Vollertsen, in seinem Jubiläumsvortrag "Durch Mühsal zu den Sternen" am Sonnabend vor 70 Besuchern in der Kreisbibliothek.

Am 17. Juli 1854 machten sich 16 Männer von Boston in Richtung Missouri auf - mit dem politischen Auftrag, das Gebiet zu besiedeln. Ihnen schlossen sich auf der zweiwöchigen und 2500 Kilometer langen Reise weitere 13 Männer an. Berufsgruppen wie Handwerker Farmer, Ärzte, Banker, Rechtsanwalt, Reporter und Spekulanten waren vertreten. Sie gelten als die Helden der Besiedelung der ersten Stadt im Westen, Lawrence.

Große Schwierigkeiten hatten die Siedler mit den Indianern. "Hier traf Industriezeitalter auf Steinzelt", kommentierte Vollertsen. Die irrige Meinung der Abschlachtung der Indianer relativierte der Vorsitzende. Denn: Beide Seiten hatten ihre Anteile an Feinschaften und Kriegen. In Kansas leben heute noch 3100 "Cow"-Indianer. Sie haben eine doppelte Staatsbürgerschaft, sind autark und zahlen keine Steuern. Als Privileg dürfen sie Casinos betreiben.

Vollertsen beschrieb den Aufbau von Bahnrouten und Verbindungen mit Dampfschiffen durch den Wilden Westen. Wie die Treckführer gehörten auch die Kapitäne der Dampfschiffe zu den Helden jener Tage. Einem von ihnen wurde die Willoughby-Folka gewidmet, dessen Noten Vollertsen bei seinen Recherchen fand. Thomas Goralczyk begleitete den Abend mit typisch amerikanischen Klängen und spielte die Polka-Premiere am Flügel.

Bis das Netzwerk der Telegrafen-Standorte fertig gestellt war, "sorgten drahtige Burschen, nicht älter als 18 Jahre, bereit ihr Leben zu lassen" mit dem Pony-Express innerhalb der stetig wachsenden Vereinigten Staaten für die Kommunikation. Eine wichtige Rolle spielten auch Journalisten, die in jeder neuen Stadt einen Standort hatten. Zeitungen wie die "New York Tribune" wurden in jenen Zeiten gegründet.

In Europa setzte in dieser Zeit eine Auswanderer-Welle ein. Auch im Anzeiger für das Fürstentum Lübeck war im Februar 1861 eine Anzeige zur Werbung Bereitwilliger geschaltet. 200 000 Deutsche machten sich per Schiffspassagen über Ellis Eiland vor New York, der zentralen Sammelstelle der Immigranten, auf den Weg. Auch Carl Vollertsen und sein Enkel Friedrich Boock, Vorfahren von Martin Vollertsen, gehörten dazu.

Amerika ist viel deutscher, als wir denken", sagte Vollertsen. In den 1860-er Jahren gehörten die Deutschen mit rund 70 Prozent zu der größten Einwanderergruppe im neuen Land. Die amerikanische Bevölkerungsermittlung "Census 2000" ergab, dass auch heute der deutsche Urspung mit 42,8 Prozent der Größte ist, gefolgt von den Iren (30,5), Afrikanern (24,9) und Engländern (24,5 Prozent).

Bürgvorsteher Ernst-Joachim Meseck würdigte das Engagement Vollerstens für die Intensivierung der Städtepartnerschaft: "Der letzte Beweis der Verbundenheit war das fantastische Neujahrskonzert." 1700 Menschen besuchten die Städte der seit 1989 ratifizierten Partnerschaft. Zwischenzeitlich wurden drei deutsch-amerikanische Ehen geschlossen - darunter auch Vollertsens Tochter mit Eutins erstem amerikanischen Pratikanten, Kris Humbarger.

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