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Lütjenburg : Eine große Bereitschaft zur Hilfe

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Staatssekretärin Söller-Winkler in Lütjenburg: Erstaufnahmestelle für rund 500 Flüchtlinge in der Schill-Kaserne bleibt eine Option

Die leer stehende Schill-Kaserne bleibt eine Option als Standort für eine Erstaufnahmestelle des Landes. Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler nannte am Mittwoch in einer Einwohnerversammlung Lütjenburg noch vor Kiel. Die Bereitschaft, Flüchtlingen in ihrer Not zu helfen, ist bei der Lütjenburger Bevölkerung in jedem Fall groß. Das wurde auch bei einem runden Tisch zur Integration der im Ort bereits wohnenden Flüchtlinge in dieser Woche deutlich.

Die zentrale Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Neumünster ist bereits belegt. Deshalb werden Alternativen gesucht – auch in Lütjenburg. „Boostedt reicht in Anbetracht der gegenwärtigen Zahlen für den augenblicklichen Bedarf. Aber die Zahlen werden noch steigen. Lütjenburg rückt damit vorerst aber in den zweite Reihe“, erläuterte Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler in der voll besetzten Aula des Schulzentrums.

Mit rund 6700 neu ankommenden Flüchtlingen rechnet das Land in diesem Jahr. Für sie muss Schleswig-Holstein 1200 Plätze vorhalten. Der Bedarf sei nach Angaben der Staatssekretärin vorerst gedeckt: „Im Moment reicht die Planung, aber das kann sich schnell ändern. Wir wissen nicht, was auf uns zukommt.“ Neue Zahlen werden von einem Flüchtlingsgipfel bei der Kanzlerin in der nächsten Woche erwartet.

Bürgermeister Dirk Sohn machte klar, dass es in Lütjenburg um die mögliche Einrichtung einer Erstaufnahmestelle für bis zu 500 Personen geht, nicht um die Unterbringung im Ort, der sicherlich damit überfordert wäre. „Es ist nicht das Ziel, Flüchtlinge möglichst weit weg von der Bevölkerung unterzubringen“, begründete die Staatssekretärin die Einrichtung von zentralen Aufnahmestellen – und erhielt damit deutlichen Applaus.

Die Praxis zeige, dass dies in Neumünster funktioniere. Auch wenn sich die Anwohner vielleicht Sorgen machten, haben sich die nicht bestätigt. „Es gibt kein auffälliges Verhalten der Flüchtlinge. Sie sind froh, angekommen zu sein, ihnen muss die Angst genommen und das Gefühl der Integration gegeben werden“, erntete Söller-Winkler spontanen Applaus. Die Integration in der Bevölkerung sei dann erst der zweite Schritt – nach ihrer Verteilung auf die Kommunen.

Eine Gefährdung für die zivile Nutzung der leer stehenden Kaserne sieht auch Dirk Sohn nicht. Investorenanfragen für dieses Teilareal gebe es derzeit nicht. Sollte das Land die Option Lütjenburg nutzen wollen, werde dies in jedem Fall in Abstimmung mit der Stadt und den Investoren erfolgen.

Gegenwärtig sind in Lütjenburg 72 Flüchtlinge untergebracht – 57 in der Stadt und 15 im Umland. Ihnen müsse jetzt das Gefühl der Integration gegeben werden, so auch die Forderung eines Runden Tisches. Allein sei
dies von Amtsseite nicht zu schaffen. Gesucht werden neben Wohnraum vor allem „Paten“, die den Neuankömmlingen vom ersten Tag an zur Seite stehen und ihnen ein Ansprechpartner sind, so Heiner Bruhse, der sich bereits als Sprachpate engagiert. „Die Integration der Flüchtlinge muss in der Kommune erfolgen, man schottet sie nicht ab, sondern bindet sie ein“, fasste die Staatssekretärin die Planung des Landes zusammen.



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erstellt am 30.Okt.2014 | 20:00 Uhr

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