Eutin : Eine goldene Soldatenehe

Er ist stur und sie hat die Hosen an: Gerda und Günter Tilsner lieben sich auch nach 50 Ehejahren noch mit all ihren Macken.
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Er ist stur und sie hat die Hosen an: Gerda und Günter Tilsner lieben sich auch nach 50 Ehejahren noch mit all ihren Macken.

Gerda und Günter Tilsner haben allen Grund zum Feiern: 50 Jahre Ehe und 50 Jahre Eutin.

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04. März 2011, 12:35 Uhr

Eutin | Man kann sich einen romantischeren Heiratsantrag vorstellen als den, den Günter Tilsner seiner Gerda machte. "Er kam mit dem Fahrschulwagen bei mir vorgefahren, öffnete die Fahrertür und rief mir zu: ,Wir müssen heiraten", erinnert sich die 68-Jährige noch genau. "Und sie antwortete ,Das müsste ich wissen", ergänzt ihr Mann lachend. Gehalten hat diese Ehe trotzdem, und heute feiern der 74-jährige Günter und Gerda Tilsner ihre Goldene Hochzeit.

Verlobt waren beide schon ein Jahr, aber dass die Hochzeit dann trotzdem sehr abrupt kam, lag an Tilsners Beruf. Der Soldat war damals noch in Itzehoe stationiert. "Im Januar 1961 kam plötzlich die Nachricht, dass das ganze Bataillon im April nach Eutin verlegt wird", erinnert sich Tilsner. Und da Verheiratete nicht nur Anspruch auf Trennungsgeld, sondern auch schneller Aussicht auf eine Wohnung hatten, wurde am 4. März 1961 geheiratet.

Dieser 4. März sei unheimlich kalt gewesen. Während er in Ausgehuniform vor der Kirche gewartet habe, habe sie in hochhackigen Schuhen und im selbst geschneiderten Brautkleid rund 100 Meter durch die Kälte zur Kirche laufen müssen. Trotzdem hatte das junge Paar noch Glück: "Am nächsten Tag fing es an zu schneien", erinnert sich Günter Tilsner.

Die ersten Ehemonate verbrachte das Paar getrennt, denn erst im Dezember 1961 war die gemeinsame Wohnung in der Eutiner Nicolo viusstraße bezugsfertig. Den Einzug musste die junge Frau allein managen: "Günter war natürlich im Manöver."

Überhaupt sei sie eine typische Soldatenfrau gewesen. Ihr Mann, der zuletzt Kompaniefeldwebel der 4. Kompanie des Panzeraufklärungsbataillons 6 in der Rettbergkaserne war, sei oft weg gewesen.

Seit seinem Eintritt in den Ruhestand waren sie oft gemeinsam weg. Wandertouren in Österreich gehörten dazu und Busreisen, die beide für die Eutiner Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen organisierten. In dessen Vorstand engagieren sich beide seit über 20 Jahren.

Wieso aber verliebte sich die junge Gerda unter all den schmucken jungen Soldaten ausgerechnet in Günter? "Er hat mich zu sehr geärgert", sagt sie. "Was sich liebt, das neckt sich eben", ergänzt ihr Mann. Außerdem habe ihr seine Zuverlässigkeit gefallen - bei Soldaten nicht immer selbstverständlich, wie Günter Tilsner einräumt.

Zuverlässig wird er seine Frau auch heute in die Michaeliskirche führen. Dort wird mit den Familien der beiden Töchter, zu denen vier Enkel gehören, ein kleiner Gottesdienst gefeiert.

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