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Ostholsteiner Anzeiger

20. Oktober 2017 | 05:43 Uhr

Eine ganz besondere Mannschaft

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Nord-Ostse-Auswahl kickt seit 1996 mit großem sportlichem und finanziellem Erfolg zu Gunsten an Mukoviszidose erkrankter Kinder

shz.de von
erstellt am 29.Dez.2015 | 00:34 Uhr

„Wir spielen miteinander Fußball, nicht gegeneinander“, stellt Klaus Gudat klar. Er hat zusammen mit Dr. Bernd Brexendorf und Rudolf Diener 1996 die Nord-Ostsee-Auswahl ins Leben gerufen. Eine Mannschaft, die aus exzellenten Fußballern besteht und sich zum Ziel gesetzt hat, Kindern zu helfen, die an der unheilbaren Muskelkrankheit Mukoviszidose leiden. 2016 ist für die gemeinnützigen Kicker also ein besonders Jahr, denn die Nord-Ostsee-Auswahl feiert ihren 20. Geburtstag.

Die Fußballer sind unterm Hallendach und auf grünem Rasen begehrte Gäste, denn Heimspiele gebe es für die Mannschaft nicht, sagt Klaus Gudat, der die Mannschaft im Hintergrund dirigiert. Klar ist, dass die Kicker, deren Kapitän Ex-HSV-Profi Peter Hidien ist, meistens als Sieger das Spielfeld verlässt.

Beim Hallenturnier der Lebenshilfe Mölln-Hagenow sicherte sich das Team den ersten Platz. Tobias Homp, früher Hamburger SV und Dietmar Hirsch, der für den MSV Duisburg, Borussia Mönchengladbach und Hansa Rostock in der Bundesliga gespielt hat und seine aktive Laufbahn beim VfB Lübeck ausklingen ließ, sind nur zwei der Routiniers, die gerade in der Halle ihre technischen Fähigkeiten zeigen. Das Turnier in Mölln steht unter dem Motto „Begegnungen“ und wirbt für Inklusion. Geschäftsführer Hans-Joachim „Jockel“ Grätsch ist passionierter und erstklassiger Fußballtorwart. So brachte er mit seinem Dienstbeginn in Mölln vor gut 25 Jahren den Fußball ins Spiel, um die damaligen Möllner Werkstätten stärker ins Blickfeld zu rücken. Als Grätsch ein Hallenturnier auf die Beine stellte, gehörte die Nord-Ostsee-Auswahl zu den Teams der ersten Stunden – und ist seitdem Stammgast. Klaus Gudat ergreift bei der Siegerehrung das Wort und wirbt bei den Spielern der anderen Mannschaften um Spenden. 800  000 Euro hat die Auswahl in den knapp zwei Jahrzehnten eingespielt, davon unter anderem 300  000 Euro für das Haus „Sturmvogel“ auf der Insel Amrum zur Verfügung gestellt, in dem sich Familien mit mukoviszidosekranken Kindern erholen können, die auf die nächste Therapie warten oder sich von einer Transplantation erholen wollen. Mit 25000 Euro pro Jahr finanziert der Verein „Mukoviszidose“ eine Arztstelle in Kiel. Klaus Gudat führt die Liste aus dem Stegreif fort, fünf Elektrofahrräder für die Klinik in St. Peter-Ording fallen ihm spontan ein.

„Wir wollen von dem Glück, das wir hatten, etwas abgeben“, sagt Dietmar Hirsch, der in Mölln als Kapitän den großen Siegerpokal in Empfang nahm. Die Bereitschaft sei riesengroß. Andere Trainer werden Klaus Gudat sicher beneiden. „Ich muss immer einigen Spielern absagen“, sagt er. Bei fünf Feldspielern und einem Torwart sind das zwei komplette Mannschaften, die Peter Hidien, mit 101 Einsätzen in der Nord-Ostsee-Auswahl der Rekordspieler, bei dem Turnier mit taktischem Geschick aufstellt. Peter Hidien war 1977 Europapokalsieger mit dem Hamburger SV, für den er von 1972 bis 1982 kickte und mit dem er 1979 und 1982 Deutscher Meister wurde.

„Wir haben ja keinen eigenen Platz und keine eigene Halle, daher sind wir darauf angewiesen, dass uns andere einladen“, stellt Klaus Gudat fest. Dabei verbindet ihn und seine Kicker zum Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow eine besondere Beziehung: „Das ist für uns immer so eine Art Heimspiel.“

„Es macht Spaß in dieser Gruppe Fußball zu spielen, das sind lauter gute Fußballer, von denen jeder weiß, wofür wir antreten“, sagt Dietmar Hirsch, der aktuell den VfB Oldenburg trainiert, der Spitzenreiter der Regionalliga Nord ist. Die Spieler nutzen in der Möllner Sporthalle den Kabinengang als Laufbahn, am Kopfende steht Hjalmar Krabbe und spielt sich den Ball mit seinem Sohn Mats zu. Peter Hidien kommt vorbei und guckt sich das Spiel interessiert an. „Nimm doch auch mal den rechten Fuß“, gibt er dem Jungen mit auf den Weg, der ein Mönchengladbacher Torwarttrikot mit dem Namen „Sommer“ auf dem Rücken trägt, das prima zum schwarzen Dress der Auswahlkicker passt. Für die nächsten Spielergenerationen der Nord-Ostsee-Auswahl ist also gesorgt.

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