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Ostholsteiner Anzeiger

23. Oktober 2017 | 21:16 Uhr

Eine Flasche Cola als Siegprämie

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Handballmannschaft des Polizeisportvereins Eutin aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren traf sich in diesem Jahr auf Hubertushöhe

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2017 | 21:13 Uhr

Es gab eine Zeit, in der Feldhandball auf einem Großfeld mit den Maßen eines Fußballfeldes gespielt wurde. Eine Zeit, in der elf Spieler in einer Feldmannschaft waren. Zeiten, in denen rund 1000 Zuschauer zu Handballspielen nach Eutin kamen. Zu dieser Zeit, zwischen 1959 und 1965, hatte der PSV Eutin eine Handballmannschaft, die zu den besten Mannschaften Deutschlands zählte und mit Rudi Delfs sogar einen Nationaltorwart hervorbrachte. Diese Zeiten sind lange vorbei und auch diese Oberligamannschaft gibt es schon lange nicht mehr.

Trotzdem treffen sich die früheren Spieler, inzwischen alle schon über 80 Jahre alt, noch jedes Jahr und erinnern sich gemeinsam an vergangene Zeiten. In diesem Jahr trafen sich die Männer an ihrer früheren Trainingsstätte, dem Gelände der heutigen Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und Bereitschaftspolizei, PDAFB, in Eutin. „Unsere Mannschaft wurde 1956 gegründet, zusammen mit der Polizeischule“, erinnert sich der frühere Mannschaftsführer Wolfgang Rodenberg, der noch immer in Eutin lebt. Ausnahmslos alle Spieler waren angehende Polizisten – und das hatte mehrere Vorteile. Nicht nur die „Bombenkondition“ und die Disziplin, über die sich der damalige Trainer und Schiedsrichter Horst-Günter Schneider freute. Schneider war nicht nur Trainer, sondern pfiff bei der Weltmeisterschaft 1964 das WM-Endspiel zwischen Rumänien und Schweden. Dadurch, dass alle Mannschaftsmitglieder in der Polizeischule wohnten, konnten die Handballer nach Dienstschluss mehrere Male in der Woche trainieren. Ein Einsatz, der sich auszahlte. „Als neu gegründete Mannschaft mussten wir in der Kreisklasse anfangen und sind dann bis in die Oberliga durchmarschiert“, erinnert sich Rodenberg. Eine Bundesliga gab es damals noch nicht, die Oberliga war die höchste deutsche Spielklasse. Dort trafen die Eutiner auf Gegner wie den THW Kiel, den Flensburger Turnerbund (FTB) oder die Lübecker Turnerschaft (LT). Die Eutiner traten auch gegen internationale Gegner an, etwa gegen die Isländische Nationalmannschaft.

Ihre Erfolge feierten die Spieler nicht nur auf dem Platz. „Nach einem Sieg gegen den THW Kiel haben wir deren Vereinsflagge mal auf Halbmast gesetzt“, erinnert sich Manfred Zeitz und lacht noch 50 Jahre später über den Scherz. Und auch eine andere Kieler Mannschaft wurde von den Eutinern gehörig aufs Glatteis geführt. Es war beim Aufstiegsspiel in die Oberliga gegen Post Kiel. „Beim Aufwärmen bezeichneten wir die ganze Zeit einen anderen unserer Spieler als Rodenberg“, schildert Trainer Schneider die List. Die Kieler gaben sich die größte Mühe, diesen vermeintlich starken Spieler zu decken. „Bis sie ihren Fehler bemerkten, hatte ich schon fünf Tore gemacht“, grinst Rodenberg.

Die Spieler wurden nicht mit viel Geld belohnt. „Auf dem Rückweg von einem Spiel sangen wir im Auto mal ,Wir wollen Gage´“, berichtet Adolf Schneider. Da fuhr der Vorsitzende der PSV-Handballsparte an den nächsten Imbiss und spendierte jedem Spieler eine Flasche Cola.

Inzwischen leben einige der Spieler nicht mehr, Nationaltorwart Rudi Delfs starb 2002. Die übrigen Mannschaftsmitglieder treffen sich jedes Jahr irgendwo in Schleswig-Holstein. Manchmal wird dabei auch über Handball gefachsimpelt, früher haben die Senioren auch noch das eine oder andere Spiel gemeinsam geschaut. 2017 führte das Treffen zurück an die Wurzeln. „Wir gehen bestimmt auch noch rüber in die Sporthalle des PSV“, sagte Rodenberg und gab einen wichtigen Programmpunkt vor.

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