Klage von Schulleiter : Eine Eutinerin muss 150 Euro wegen Beleidigung auf Facebook zahlen

Die Frau bezeichnete den Schulleiter öffentlich als Psychopathen - mit Konsequenzen.

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18. Januar 2018, 16:07 Uhr

Eutin | Die Wurzelbehandlung habe sie an dem Tag ein wenig gefordert, versuchte eine Eutinerin ihr Handeln vor dem Amtsgericht Eutin zu erklären. Die 57-Jährige hatte einen Eutiner Schulleiter auf einem öffentlichen Facebook-Account beleidigt. Der Mann sei ein „krimineller Psychopath“, schwer persönlichkeitsgestört und ohne Empathie, hatte die Eutinerin dem Schulleiter im Juli vorgeworfen. Die Angeklagte hatte Einspruch gegen den Strafbefehl von November eingelegt, und so wurde erneut verhandelt.

Am Ende verurteilte Richterin Anke Erlenstädt die Angeklagte zu einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen à 10 Euro, in Monatsraten von 50 Euro abzuzahlen und erlegte ihr die Verfahrenskosten auf. „Psychopath ist eine herabsetzende Äußerung, eine Beleidigung, weil ein Psychopath eine schwer gestörte Persönlichkeit ist“, erklärte Erlenstädt. Da müsse der Beitrag gar nicht öffentlich sein, es genüge, wenn die Beleidigung eine Person lese.

Der Schulleiter sagte als Zeuge aus. Es sei nicht der einzige Post dieser Art gewesen. Er sprach von einem weiteren aus dem vergangenen Frühjahr, der dem Gericht, wie sich herausstellte, vorlag. Der sei am Abend zuvor noch online zu lesen gewesen. Da der aber nicht Gegenstand der Verhandlung war, konzentrierte man sich vor Gericht wieder auf den jüngsten Eintrag.

Er hatte gehofft, dass sich das Ganze nach einer Weile beruhige, sagte der Zeuge, doch er sei mehrfach in der Stadt auf den Eintrag der Angeklagten angesprochen worden. Das nahm Erlenstädt, als sie das Urteil gesprochen hatte, zum Anlass, der Angeklagten zu erklären, dass deren Äußerungen den Schulleiter in dessen Ehre verletzt und dessen Ruf geschädigt habe. Die Richterin legte der Angeklagten dringend ans Herz, ihre anderen Einträge zu löschen. „Alles, was nach dieser Verhandlung noch im Netz steht, das kommt gar nicht gut an.“

Die Staatsanwaltschaft hatte versucht, zu vermitteln und die Angeklagte zu einer Entschuldigung beim Schulleiter angeregt. Die hätte sich aber uneinsichtig gezeigt, wie die Richterin den Unterlagen entnahm. Als Erlenstädt die Angeklagte darauf ansprach, war kein Bedauern von der Eutinerin zu hören. Erst, nachdem die Staatsanwaltschaft plädiert hatte, nutze die Angeklagte das ihr zustehende Letzte Wort für einen Ausdruck des Bedauerns: „Es war in dem Moment ein emotionaler Ausbruch. Und als mich der Mediator später auf eine Entschuldigung ansprach, wusste ich nicht, wie ich mich entschuldigen sollte. Ich habe mich im Begriff vertan, weil ich wütend war.“ Die Richterin überzeugte sie damit nicht mehr.

Grund für ihre beleidigenden Worte war nach ihrer Aussage eine versuchte Vertuschung seitens des Schulleiters. Der habe einen Überfall auf Schüler vor einigen Jahren wohl unter den Teppich kehren wollen. Damit habe er den Kindern die Möglichkeit genommen, darüber reden zu können. Deshalb sei sie auf den Schulleiter nicht gut zu sprechen gewesen.

Die Richterin erklärte, dass das nicht Gegenstand des Verfahrens sei und wenn, an anderer Stelle verhandelt werden müsse. „Und manchmal muss man Dinge, die zurückliegen, auch einfach mal auf sich beruhen lassen“, sagte Erlenstädt.

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