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Ostholsteiner Anzeiger

18. August 2017 | 03:43 Uhr

Eine entspannte Fußball-Liga

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Im Kreisfußballverband gibt es im zweiten Jahr die Fair-Play-Liga für die Sechs- bis Achtjährigen – mit positiven Auswirkungen

Kaum hat die Zuschauerin von der Torauslinie ins Spielfeld hineingerufen, da gibt es den Ordnungsruf des Trainers: „Wir sind hier Fair-Play-Liga, da gelten 15 Meter Abstand!“ Bei den F-Jugendkickern, die sechs bis acht Jahre alt sind, geht fair vor. Das heißt: Kein Schiedsrichter, die Zuschauer in respektvollem Abstand und Nachwuchsfußballer, die selbst über Einwurf, Freistoß und Tor entscheiden.

Auf dem Sportplatz an der Neversfelder Straße spielen der TSV Malente und die BSG Eutin miteinander. Tore werden bejubelt wie bei den Großen, aber sie entscheiden nicht über Meisterschaft oder Abstieg. Bei den Jüngsten gibt es keine Tabellen, die einzige Währung, die zählt, ist die Freude am Spiel. „Wir spielen jetzt die zweite Saison in der Fair-Play-Liga“, sagt Klaus Bischoff, der im Kreisfußballverband Ostholstein für die Nachwuchsförderung zuständig ist und bei den Sechs- bis Achtjährigen als Staffelleiter die Termine für die Spieltage ansetzt.

Nils (7) und Luis (6) sind Fußballer. Sie sind schon lange am Ball, es ist aber ihre erste richtige Saison. „Ernsthaft spielt Luis seit einem Vierteljahr mit“, berichtet Anke Gotzmann. Die Kinder haben zweimal pro Woche Training, mittwochs und freitags. Oft reicht das nicht. „Es kommt schon vor, dass wir am Freitagabend noch bis 7 Uhr Pässe üben“, verrät Nils’ Mutter Patricia Holstein. Die Jungen sind durch das Fußballspiel sportlicher geworden, so war der Lauftag an der Grundschule kein Problem, beide haben locker eine Stunde durchgehalten.

„Ich wollte erst alles außer Fußball“, räumt Patricia Holstein ein. Aber dann hat sie dem Fußball eine Chance gegeben. Patricia Holstein und Anke Gotzmann haben es sich auf der Torauslinie des großen Spielfeldes auf einer Decke gemütlich gemacht. Sie sind weitab vom Geschehen, haben die Augen doch immer auf das Spielfeld gerichtet, das von bunten Hütchen begrenzt ist. „Gut gemacht“, sagt Anke Gotzmann und nickt beifällig, als ihr Sohn dem Ball hinterherwetzt.

Die F-Jugend des TSV Malente bestreitet ihr drittes Saisonspiel in der Fair-Play-Liga. „Ich finde die Liga gut, die Atmosphäre ist viel entspannter“, meint Anke Gotzmann, die auch einen erwachsenen Sohn hat, den sie durch die Jugendfußballzeit begleitet hat. In der Malenter F-Jugend gibt es zurzeit rund 20 Jungen, die zum Training kommen. „Das Gute ist, dass jeder mitspielen darf, es bleibt keiner draußen“, sagt Patricia Holstein.

„Tore, Punkte und Meistertitel gibt es in den unteren Altersklassen nicht“, stellt Klaus Bischoff fest. Auch in der Ausbildung der Trainer im Kinderfußball werde großen Wert auf diese Tatsache gelegt. „Die Jungen und Mädchen sollen ohne Druck Fußball spielen und ihre Angelegenheiten auf dem Platz selbst regeln“, sagt Bischoff. Und die Kinder wissen Bescheid, erkennen genau, Foul- und Handspiel, Tor oder kein Tor.

Die Weltmeisterschaft hat auch die Malenter Nachwuchskicker mit dem Fußballfieber angesteckt. „Manuel Neuer!“, antworten beide Mütter auf die Frage nach einem Vorbild für ihre Söhne. Die Kinder mischen trotzdem munter auf allen Positionen mit, spätestens beim Neunmeterschießen nach dem Schlusspfiff darf jeder Torwart sein – der Manuel Neuer nacheifern will. Den Modetrend gibt aber ein anderer vor. „Fußballschuhe sollten eine Neonfarbe haben – und es ist gut, wenn Messi draufsteht“, berichtet Anke Gotzmann. Neue Fußballschuhe sind ungefähr alle halbe Jahre fällig. Über den Sportverein gibt es einen Rabatt beim Sportschuhkauf. „Die Füße wachsen doch recht schnell“, weiß Patricia Holstein.

Den WM-Titel haben die beiden Fußballfamilien gebührend gefeiert. Aber es dreht sich nicht alles um den Fußball. Nils’ beste Freunde sind Handballer. Und sein großer Bruder hat die Fußballschuhe in die Ecke gestellt, er hatte keine Lust mehr. Jetzt fährt er mit Begeisterung Skateboard.

Nach dem Neunmeterschießen sind die Jungen noch ganz aufgekratzt. „Hast du gesehen, wie ich das Tor geschossen habe?“, fragt Nils und macht noch einmal vor, wie er den Ball angenommen und dann ins Netz geschossen hat. Aufbruchstimmung. Doch der Malenter Trainer Gerhard Gotzmann hat seine Schützlinge noch einmal zusammengerufen und gibt ihnen den nächsten Termin mit auf den Heimweg: „Nicht vergessen: Mittwoch ist wieder Training!“ Und die kleinen Kicker nicken zustimmend mit dem Kopf. Wie sagte ein Mitspieler: „Wenn du nur einmal die Woche trainierst, ist das so, als ob du nur zweimal pro Woche in die Schule gehst. Da lernst du nichts.“

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von
erstellt am 20.Sep.2014 | 12:43 Uhr

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